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In der Defensive sind für Bundestrainer Joachim Löw noch einige Fragen zu klären. Wer spielt wo und wer führt die Defensive an? Zwei Kandidaten tun sich hervor.

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Wer wird der neue Abwehrboss, oder bleibt es der alte?

Bundestrainer Joachim Löw und seine Nationalspieler starten mit dem Nations-League-Auftakt gegen Spanien (Nations League: Deutschland - Spanien am Donnerstag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) in die EM-Saison.

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Spannende Fragen sind dabei: Setzt Löw zukünftig auf eine Dreier- oder Viererkette und wer wird neuer Abwehrboss? SPORT1 macht den Defensiv-Check!

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ANTONIO RÜDIGER (27/30 Länderspiele): Beim FC Chelsea ist er Taktgeber in der Defensive und unangefochtener Stammspieler. Seine Physis und Athletik zeichnen ihn aus. Seine Auslandsstationen (zuvor AS Rom) haben ihn "zu einem Mann" werden lassen, betonte er dieser Tage. Im Umbruchs-Kader des DFB ist er einer der Führungsspieler.

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Bei Niklas Süle meldete er sich nach dessen Kreuzbandriss per WhatsApp. In den Trainingseinheiten ist er lautstark, motiviert seine Mitspieler, ärgert sich über Gegentore. Öffentlich tritt er bei sportlichen Themen oft einsilbig auf, setzt dafür aber beim Thema Rassismus und Diskriminierung auf klare Kante. Seine authentischen Statements lassen aufhorchen. Rüdiger hat eine Chefrolle inne, ohne sie für sich zu beanspruchen.

MATTHIAS GINTER (26/29 Länderspiele): Für Löw ist der Weltmeister von 2014 von enormer Bedeutung. Ginter beherrscht beide Defensiv-Systeme, ist zuverlässig und erfahren. Er ist allerdings ein weitaus ruhigerer Vertreter als Rüdiger und Süle. Bei Borussia Mönchengladbach ist er dritter Kapitän und unangefochten.

"Ich gehe in der Rolle auf ", sagt er: "Wenn man im Verein so eine Rolle hat, dann will man das in der Nationalmannschaft auch haben. Ich möchte für die jungen Spieler da sein. Es ist wichtig, dass wir viele Spieler haben, die auch gegen Widerstände ankämpfen können. Ich möchte in Zukunft einen Teil dazu beitragen." Bei einer DFB-Viererkette dürfte er Innenverteidiger Nummer drei sein. 

Matthias Ginter (l.) im Duell mit Leroy Sané
Matthias Ginter (l.) im Duell mit Leroy Sané © Imago

NIKLAS SÜLE (24/24 Länderspiele): Bis zu seinem Kreuzbandriss war er beim FC Bayern und bei Löw der unangefochtene Abwehrboss. Nach zehnmonatiger Reha-Pause greift er nun wieder an. Süle wirkt reifer und austrainierter als je zuvor und lebt nach dem Triple-Sieg auch beim DFB die notwendige Titel-Gier vor: "Wir haben eine Mannschaft, die um den Titel mitspielen kann."

Stark: Süle beschönigt nichts! Die Leistungen in der vergangenen Nations League missfielen ihm. Er sagt klar, dass man in "allen Bereichen Verbesserungspotenzial" habe. Süles eigene Ziele: Er will Verantwortung übernehmen, "verbal lauter" und mit seiner "Körpersprache präsenter" werden. Gelingt ihm das, wird er in Windeseile der neue (und alte) Abwehrboss.

JONATHAN TAH (24/9 Länderspiele): Der Leverkusener hat bis zur Corona-Pause viel Spielzeit in der EM-Qualifikation bekommen. Der Abwehr-Hüne duelliert sich mit Koch um einen EM-Platz und muss konstanter werden. Auf und neben dem Platz gilt er als ruhiger Vertreter. Löw hält viel von ihm. Zudem hat er als Kapitän bei der U21-EM 2019 bewiesen, dass er Führungsansprüchen gewachsen ist.

THILO KEHRER (23/7 Länderspiele): Der Ex-Schalker hat sich bei Paris Saint-Germain durchgesetzt, was ihm für die kommenden DFB-Aufgaben viel Rückenwind geben dürfte. Darf gegen Spanien ran, wie Löw bereits verriet. Auf der rechten Seite muss er sich gegen Lukas Klostermann behaupten. Wirkt bei seinen DFB-Auftritten und in seinen Statements immer sehr klar und sympathisch.

Thilo Kehrer bei der Ankunft der Nationalspieler im Waldhotel in Stuttgart
Thilo Kehrer bei der Ankunft der Nationalspieler im Waldhotel in Stuttgart © Imago

ROBIN KOCH (24/2 Länderspiele): Überraschend ist der Innenverteidiger vom SC Freiburg zu Premier-League-Aufsteiger Leeds United gewechselt. Dort will Koch den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Perspektivisch plant er sogar den Schritt zu einem der Top-5-Klubs in England. Führungsansprüche hat er bei Löw nicht. Er wird alles daran setzen, es auf den EM-Zug zu schaffen.

ROBIN GOSENS (26/0 Länderspiele): Der Links-Allrounder hat bei Atalanta Bergamo eine überragende Saison gespielt und es bis ins Viertelfinale der Champions League geschafft. Löw belohnte ihn mit seiner ersten DFB-Nominierung und wird ihn auch gegen Spanien bringen, wie er auf der Pressekonferenz ankündigte.

Seine Konkurrenten sind Nico Schulz und Marcel Halstenberg. Selbstbewusst sagte er im Kicker: "Für mich spricht vielleicht das Gesamtpaket. Ich habe die Qualität, die ganze Seite zu übernehmen." Gosens hat das Potential zu überraschen. Seine Interviews sind erfrischend ehrlich. Schafft er den DFB-Durchbruch, muss er sich auch aufgrund seines Alters vor Führungsaufgaben nicht scheuen.

Die Leipzig-Stammkräfte Klostermann (24/8 Länderspiele) und Halstenberg (28/6 Länderspiele) haben auf den Außenverteidiger-Positionen unter Löw bis zur Corona-Pause gute Leistungen gezeigt. Aufgrund ihrer Teilnahme an der Champions-League-Endrunde in Lissabon haben sie Urlaub. Im Oktober wollen sie beim DFB wieder angreifen. Lautsprecher sind sie beide nicht.

Schulz (27/10 Länderspiele) reiste als erster Spieler am Montag an und noch am Nachmittag wegen Wadenproblemen wieder ab. Bei Löw hat er auf linken Seite gute Spiele gezeigt. Um es zur EM zu schaffen, muss er im Verein regelmäßig spielen. Seine Premieren-Saison beim BVB verlief enttäuschend.

SPORT1-FAZIT: Süle und Rüdiger werden das DFB-Team auf dem Platz anführen. Außerhalb davon wird der Bayern-Star das Ruder übernehmen.