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Stuttgart - Die deutsche Nationalmannschaft fängt sich seit dem WM-Debakel von 2018 häufig Gegentore in den Schlussminuten ein. Liegt es an der Dreierkette?

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"Wir müssen lernen, einen Vorsprung bis zur allerletzten Sekunde zu verteidigen", sagte Joachim Löw nach dem 1:1 gegen Spanien. (Stimmen zum Spiel)

Wieder einmal hat es die DFB-Elf aufgrund eines späten Gegentreffers nicht geschafft, einen Sieg gegen eine Top-Mannschaft einzufahren.

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Diesmal platzte der Triumph sogar in der allerletzten Sekunde, denn Valencias José Gayà traf am Donnerstagabend in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

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Gegentore in den Schlussminuten ziehen sich seit dem WM-Debakel 2018 wie ein roter Faden durch die Länderspiele.

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Deutschland kassiert oft späte Gegentore

16. Oktober 2018: Antoine Griezmann besorgt in der 80. Minute den 2:1-Endstand. Frankreich besiegt Deutschland in der Nations League.

19. November 2018: Im selben Wettbewerb gleichen die Niederländer durch Virgil van Dijk in der Nachspielzeit zum 2:2 aus (90.+2). Zuvor erzielt Quincy Promes in der 85. Minute den Anschlusstreffer.

6. September 2019: In der EM-Quali gegen die Niederlande steht es 2:2. Dann treffen Donyell Malen (79.) und Georginio Wijnaldum (90.+1) zum 2:4-Endstand.

9. Oktober 2019: Im Testspiel gegen Argentinien führt die Löw-Elf 2:1, ehe Lucas Ocampos zum 2:2 trifft (85.).

Sané: "Es ist sehr ärgerlich"

"Es ist immer sehr ärgerlich, in den letzten Minuten noch einen Ausgleichstreffer zu bekommen oder das Spiel sogar zu verlieren, obwohl man zuvor gut gespielt und das Spiel unter Kontrolle hatte”, sagt Leroy Sané auf SPORT1-Nachfrage. Er stand selbst in drei dieser fünf Spiele auf dem Platz und weiß daher, wovon er spricht.

Auch Toni Kroos monierte den späten Gegentreffer. "Ich denke, dass es eine etwas unglückliche Aktion war. Aber allgemein hätten wir für ein wenig mehr Entlastung sorgen sollen nach unserer Führung. Daran müssen wir arbeiten, denn es war ja nicht das erste Mal, dass wir eine Führung abgegeben haben", sagte der Weltmeister von 2014 der BILD: "So was würde in einem Turnier noch mehr wehtun."

Auffällig: In jeder dieser fünf Partien setzte Löw in der Defensive auf eine Dreierkette, welche bei gegnerischem Ballbesitz zur Fünferkette wird.

Gegen Spanien verteidigten Niklas Süle und seine Nebenmänner Antonio Rüdiger (links) und Emre Can (rechts) lange Zeit solide.

Statt im Schlussdrittel in der Offensive für Entlastung zu sorgen, entschied sich Löw mit seinem Trainerteam für die Einwechslung von zwei Verteidigern. Matthias Ginter kam für den ausgelaugten Sané (63.). Robin Koch wurde für Timo Werner eingewechselt (90.+1). In der Folge herrschte in der DFB-Defensive aufgrund zahlreicher Verschiebungen Unordnung.

Konter waren ebenfalls nicht mehr möglich, wodurch die Spanier drückten und schließlich ausgleichen konnten.

Wechsel verwundern Draxler

Die Defensiv-Wechsel stießen innerhalb des Teams anscheinend auf Verwunderung. "Ich hätte mir vorne mehr Spieler für Entlastung gewünscht", sagte Julian Draxler nach Abpfiff. Der Paris-Star weiter: "Wenn du gegen Spanien nur verteidigst und auf Konter aus bist, wird es schwer."

Die Dreierkette hat Löw nach dem WM-Debakel installiert. Vor allem, um bei Ballbesitz in einem 3-4-3-System angreifen und schnell umschalten zu können. Gegen Spanien war es ein 3-4-1-2-System. Die ersten 60 Minuten forderte Löw hohes Pressing, auf dem Feld wurde Eins-gegen-Eins verteidigt. 

Offensiv ist gegen die Spanier die neue Löwsche Spielidee zu erkennen gewesen: mit Direkt-Pässen in die Schnittstellen die Spitzen einsetzen. Das Mittelfeld um Kroos und Ilkay Gündogan mit wenig Kontakten schnell überbrücken.

In der Defensive wirkte die DFB-Elf aber erneut nicht sattelfest. Löw setzt auf einen spielerischen Ansatz, weshalb Torhüter Kevin Trapp gegen Spanien etliche Ballkontakte hatte, weil Süle und Co immer wieder klein-klein spielten.

Can und Rüdiger sind physisch stark, aber technisch nicht hochbegabt. Auch Thilo Kehrer (rechts) und Robin Gosens (links) haben Probleme, wenn sie auf den Außenbahnen unter Bedrängnis geraten. 

Allerdings scheint die Mannschaft ihren Trainer in der Auswahl der Dreierkette zu bestärken.

Sané: "Wir können uns gut umstellen"

"Was ich von den Mitspielern, egal ob Defensive oder Offensive, gehört habe, ist, dass sich die Mannschaft mit der Dreierkette sehr wohl fühlt", verrät Sané. Der DFB-Star weiter: "Wir spielen in den Vereinen andere Formationen, manche mit Dreierkette, manche mit Viererkette. Aber wir können uns alle sehr gut umstellen. Man konnte in den letzten Spielen sehr gut sehen, dass wir uns gut verstehen und gute Spielzüge hatten. Wir versuchen, jetzt wieder in den Rhythmus zu kommen. Wir wollen in der Nations League bis zur EM weiter Gas geben."

Wahrscheinlich ist, dass Löw gegen die Schweiz an seinem neuen System festhält. (Nations League: Schweiz - Deutschland, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

"Das sind Spiele, in denen wir etwas probieren können", sagte der 60-Jährige, der abermals klarstellte, dass alles auf die EM ausgerichtet sei. Der Bundestrainer fordert inmitten der Entwicklung und des Umbruchs nach der langen Pause für seine junge Mannschaft indes Geduld: "Dass nach zehn Monaten nicht alles reibungslos läuft, muss jedem klar sein. Rückschläge muss man akzeptieren."

Last-Minute-Gegentore sollten zukünftig trotzdem vermieden werden.