Bundestrainer Joachim Löw ärgert sich über die UEFA
Bundestrainer Joachim Löw ärgert sich über die UEFA © Getty Images
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Stuttgart - Gegen Spanien fängt sich die deutsche Elf in den Schluss-Sekunden das 1:1 ein. Anschließend redet sich Joachim Löw in Rage. Die Gründe.

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Die neue Spielzeit hat nicht mal richtig angefangen und schon gibt es Ärger!

Nach dem 1:1 zum Nations-League-Auftakt gegen Spanien hat sich erstmals bemerkbar gemacht, wie herausfordernd die neue Spielzeit werden wird.

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Die Spieler waren auf einem unterschiedlichen Fitnesslevel, es mangelte an der Abstimmung untereinander. Nicht nur Bundestrainer Joachim Löw nagelte nach Abpfiff gegen die UEFA und beklagte das bevorstehende Mammut-Programm. Auch seine Spieler fürchten Verletzungen.

SPORT1 erklärt, was hinter der Löw-Attacke steckt.

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Wechsel-Ärger!

Einen Tag vor dem Spanien-Kracher konnte Löw keine Auskunft darüber geben, ob er einen Tag später fünfmal - wie zuletzt in den europäischen Ligen und Wettbewerben durch die Corona-Herausforderungen üblich - oder nur dreimal wechseln darf.

Der DFB stellte einen Antrag auf fünf Wechsel. Am Spieltag teilte die UEFA überraschend mit, dass nur drei Wechsel erlaubt sind. Eine für Löw nicht nachvollziehbare Entscheidung, denn die Spieler haben keine Vorbereitung in den Knochen. Manche kamen aus dem Urlaub (Toni Kroos), manche vom Champions-League-Turnier in Lissabon (Niklas Süle).

"Über was ich mich aufrege: Die ganze Zeit gab es fünf Wechselmöglichkeiten. Das fand ich sinnvoll, jetzt wird es zurückgenommen, gerade jetzt! Allen Mannschaften die im Einsatz waren, hätten fünf Wechsel definitiv gut getan. Einige sind auf dem Zahnfleisch gelaufen", kritisierte Löw.

Julian Draxler pflichtete dem Bundestrainer bei: "Ich halte fünf Wechsel für sinnvoll. Wir kommen alle aus unterschiedlichen Situationen. 90 Minuten zu spielen ist riskant, wenn man nur zweimal trainiert."

Spielplan-Ärger!

Bis zum Jahresende (118 Tage) wird die deutsche Nationalmannschaft noch sieben Länderspiele absolvieren, fünf in der Nations League und zwei Testspiele.

Irre: Im Oktober und November stehen binnen einer Woche je drei Spiele an, darunter ein Test-Kick gegen die Türkei (7.10.) und gegen Tschechien (11.11.). (Service: SPIELPLAN der Nations League)

"Ich vertrete die Verbandsinteressen, man freut sich natürlich auch über die Einnahmen", sagte Löw. "Drei Spiele zu absolvieren, finde ich aber wenig sinnvoll, obwohl ich mich als Trainer über jedes Spiel freue. Dass man da noch zwei Freundschaftsspiele reinlegt, macht aus sportlicher Sicht wenig Sinn."

Verletzungs-Sorgen!

Die Sportschau widmete sich dem möglichen Programm von Bayern-Star Joshua Kimmich, der in der kommenden Saison inklusive aller möglichen Final-Spiele auf über 70 Pflichtspiele kommen könnte.

"Die Belastung ist sehr hoch. Ich fürchte, dass es viele Verletzungen geben wird. Alles durchzuspielen, ist unmöglich", stellte Toni Kroos klar.

"Das ist ein Hammerprogramm und schlägt sich auf Gesundheit, Qualität und Fitness nieder. Damit bin ich nicht sehr glücklich", sagte Löw im ZDF. Wenig später legte er nach: "Ich habe immer gesagt, dass die Gesundheit der Spieler über allem steht. Wenn es da Probleme gibt, leidet die Qualität im Fußball. Ich bin da extrem sensibel und empfindlich. Wenn man nicht aufpasst, haben wir im März, April und Mai große Probleme. Die Spieler brauchen Verschnaufpausen."

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Emre Can klagte nach dem 1:1 bereits: "Wir haben viele müde Spieler." Leroy Sané etwa musste nach langer Verletzung mit Krämpfen ausgewechselt werden (63.).

Gegen die Schweiz wird Löw notgedrungen rotieren müssen. Und am Freitag ist auch noch Kai Havertz vorzeitig aus dem DFB-Quartier abgereist, um den Chelsea-Deal in London finalisieren zu können.

Einspielen fast unmöglich!

Löw weiß, dass er aufgrund des XXL-Programms zur Rotation gezwungen sein wird. Dadurch leidet allerdings das dringend notwendige Einspielen seiner Elf, die im Umbruch steckt.

Die Nations League nimmt Löw ernst, sie ist aber zweitrangig. Viel wichtiger ist ihm die um ein Jahr verschobene EM im Juni 2021. "Sie ist allem übergeordnet. Darauf gilt es, sich vorzubereiten", sagt der Bundestrainer, der klarstellt, dass sein Team bis zum März eigentlich eingespielt sein soll.

Wie wichtig dies sein wird, hat das 1:1 gegen Spanien gezeigt. Die individuelle Qualität einiger Nationalspieler ist unübersehbar.

Von einem funktionierenden Gefüge kann mangels Training und eines stark veränderten Kaders noch nicht die Rede sein. Viele Laufwege saßen noch nicht, zudem gab es immer wieder unnötige Fehlpässe. Löw lobte seine Spieler dennoch: "Unsere Jungs haben alles rausgehauen. Es war ein echt gutes und interessantes Spiel."