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Der Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel bekennt eigene Fehler im Umgang mit der Uhren-Affäre und spricht über Özil. Seinen Rücktritt erklärt er aber auch mit Verrat.

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Der wegen einer Uhren-Affäre im vergangenen Jahr zurückgetretene ehemalige DFB-Präsident Reinhard Grindel hat offen sein Fehlverhalten eingestanden, allerdings auch gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gewettert.

"Ich habe einen Compliance-Verstoß begangen, und es war richtig, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Mit dem ominösen Uhrengeschenk bin ich völlig transparent und arglos umgegangen", sagte Grindel im Interview mit der BamS: "Es wussten ja viele im DFB davon, und ich habe wegen dieser Uhr auch keine Entscheidung anders getroffen. Ich habe nirgends einen Hehl aus dem Geschenk gemacht."

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Diese Form der Transparenz sei das komplette Gegenteil von Korruption, sagte der 58 Jahre alte Ex-Präsident. "Menschlich sehr geholfen hat mir das Gespräch mit der DFB-Ethikkommission, die kein Verfahren gegen mich eingeleitet hat", ergänzte er, "aber es gibt auch Stunden, da hadert man schon mit seinem Irrtum."

Grindel hatte seinen Rücktritt vom Amt des DFB-Präsidenten Anfang April vergangenen Jahres mit der Annahme einer Luxusuhr von einem ukrainischen Funktionär begründet. Acht Tage später hatte Grindel auch seine Ämter beim Weltverband FIFA und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) niedergelegt.

Grindel bereut - und wehrt sich dennoch

"Als ich von ihrem Wert erfuhr, habe ich sie sofort zurückgegeben und bin von allen Ämtern zurückgetreten. Damit habe ich öffentlich Unrechtsbewusstsein gezeigt", betonte Grindel. Es sei eine komplett absurde Situation gewesen.

"Nicht der ukrainische Kollege wollte etwas vom DFB oder gar von mir, sondern wir hofften auf seine Stimme als UEFA-Exko-Mitglied für unsere Bewerbung um die EM 2024. Ich habe mich über die Wertschätzung gefreut und bin nicht auf den Gedanken gekommen, etwas Verbotenes zu tun", erklärte der CDU-Politiker und früherer Bundestagsabgeordneter, der kürzlich seinen Angelschein machte und heute Unternehmen in den Bereichen Politik und Sport berät.

"Leider hat es Personen gegeben, die diesen Fehler bemerkt und an die Presse durchgestochen haben, statt mich darauf anzusprechen. Das hat mich menschlich schon sehr beschäftigt", fügte Grindel an - und setzte noch eine Spitze gegen den DFB, in der Verrat wittert.

Auf die Frage, ob der Verband womöglich unregierbar sei mit Blick auch auf das vorzeige Ausscheiden seiner Vorgänger Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger, sagte Grindel: "Das Amt ist gut zu führen, wenn es an der Spitze Loyalität und Teamgeist gibt." Bei ihm gab es diese "jedenfalls nicht von jedem Einzelnen."

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Grindel spricht über Özil-Affäre

Zudem äußerte er sich zu seiner eher unrühmlichen Rolle in der Affäre um Mesut Özil und das inzwischen berüchtigte Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die im Rücktritt Özils aus der Nationalmannschaft mündete. Özil hatte Grindel damals unter anderem Rassismus vorgeworfen.

Dies sei jedoch "abwegig gewesen" und habe Grindel getroffen. "Viel wichtiger ist aber, dass die Integrationsarbeit im DFB vorbildlich ist. Da hat sich eben nichts verändert, außer dass die Kinder heute wohl eher ein Trikot von Mo Salah als von Mesut Özil tragen", konnte sich Grindel auch da einen Seitenhieb auf Özils sportliche Probleme beim FC Arsenal nicht verkneifen.

Ein Eingeständnis, die Lage damals völlig falsch eingeschätzt zu haben, gab es in dem Interview jedoch nicht. "Im Nachhinein wird man sagen können, dass es die ganze Affäre nicht gegeben hätte, wenn das Foto von Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan nicht ausgerechnet einen Tag vor der Kaderbekanntgabe für die WM 2018 publik geworden wäre. Nur eine Woche früher, und wir hätten Zeit gehabt, mit Özil in Ruhe darüber zu reden, dass es eine klare, unmissverständliche Distanzierung von dem Wahlkampffoto geben muss", sagte Grindel.