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München - Kommt der FC Bayern in der Champions League weit, kollidieren die Interessen mit denen der Nationalmannschaft. Die Fronten scheinen schon jetzt verhärtet.

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Erinnern Sie sich noch? Das bislang letzte Tor der deutschen Nationalmannschaft erzielte ... - na? Julian Brandt war es, beim 6:1 im EM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland in Frankfurt.

Knapp acht Monate ist das nun her. Dass Bundestrainer Joachim Löw seine Mannschaft im März für die Testspiele in Spanien und gegen Italien, Ende Mai in der Schweiz oder gar bei der EM im Sommer hätte weiter voranbringen können, wusste Corona zu verhindern.

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Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen beim DFB darauf erpicht sind, möglichst alle sechs Nations-League-Partien, die für das Restjahr 2020 noch angesetzt sind, in bester Besetzung zu bestreiten.

"Wir wollen alle eine erfolgreiche Nationalmannschaft, eine erfolgreiche EM", erklärte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Dienstag schon mit Blick auf den kommenden Sommer. "So etwas wie bei der Weltmeisterschaft wollen wir alle nicht wieder erleben."

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Um eine ähnliche Pleite wie das peinliche Vorrundenaus in Russland 2018 auszuschließen, müsse Löw jetzt "eine sehr junge Mannschaft formen. Das bedeutet, dass die häufig zusammen ist und spielen kann." So weit, so nachvollziehbar.

Doch die Sache hat womöglich einen Haken: Mit Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry, dem gerade von einem Kreuzbandriss genesenen Niklas Süle und künftig auch Leroy Sané stehen sechs DFB-Schlüsselspieler beim FC Bayern unter Vertrag.

Champions-League-Erfolg brächte Terminprobleme

Und wenn der seine bisherige Saisonleistung auch beim Champions-League-Turnier in Lissabon auf den Rasen bringt, wären fünf dieser sechs Akteure im besten Falle noch beim Finale am 23. August mit von der Partie. Der Start der kommenden Bundesligasaison ist bereits für den 18. September anvisiert.

"Wenn eine Mannschaft, egal ob Leipzig, Bayern oder Leverkusen, weit im Wettbewerb (Champions League bzw. Europa League, Anm. d. Red.) kommt, muss man garantieren, dass die Spieler anschließend mindestens zwei Wochen Urlaub haben", warnte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge schon Mitte Juni vor einer Überbelastung der Profis.

Diese können aktuell nach Abschluss der Bundesligasaison auch schon nur knapp zwei Wochen die Füße hochlegen. Erreichen die Bayern das Finale der Königsklasse, plädiert Rummenigge also für einen Urlaub bis mindestens 6. September, was ohnehin schon eine arg geraffte Vorbereitung auf die Bundesliga zur Folge hätte.

Die Nations-League-Partien gegen Spanien (3. September) und in der Schweiz (6. September) fänden aber nach Münchner Ansicht ganz sicher ohne ihre Nationalspieler statt. Das wiederum will sich der DFB nicht gefallen lassen.

Bierhoff erwartet Unterstützung der Vereine

Der Verband habe zuletzt "in vielen Punkten zurückgesteckt", meinte Bierhoff. Nun erwarte er die Unterstützung der Vereine: "Wir wollen eine starke EM spielen und etwas Neues aufbauen. Dazu brauchen wir die Profis." Die Fronten scheinen verhärtet, Bayern gegen den DFB. Das klingt schon fast vertraut.

Die in der Art und Weise missglückte Verabschiedung der Münchner Weltmeister Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller aus dem Nationalmannschaftskader im Frühjahr 2019 ist das eine Beispiel der jüngeren Vergangenheit.

"Wir haben vor anderthalb Jahren irgendwie unsauber entschieden einen anderen Weg zu gehen", räumte Löw dazu nun am Rande des DFB-Pokalfinals ein. Die Torwartdiskussion im September 2019 ist das andere.

Damals hatte sich die Bayern-Führung vehement für Neuer in die Bresche geworfen. Zuvor hatte der konstant starke Marc-André ter Stegen öffentlich bekannt, er habe Probleme, eine Erklärung dafür zu finden, warum Neuer ihm weiterhin im DFB-Tor vorgezogen werde.

"Da wird nie so richtig Klartext gesprochen. In der Öffentlichkeit lässt man das wabern", warf Rummenigge den Nationalmannschaftsverantwortlichen mangelnde Rückendeckung für Neuer vor.

Hoeneß: "Werden den Leuten Feuer geben"

"Wir lassen uns nicht gefallen, dass unsere Spieler geschädigt werden ohne Grund", polterte gar der damalige Präsident Hoeneß.

"Ich hätte mehr Unterstützung vom DFB erwartet. Wir kriegen ständig Theater vom DFB. Erst die Ausbootung der drei, jetzt dasselbe mit Manuel Neuer. Dass die das zulassen, dass ein Spieler in die Öffentlichkeit geht, mit etwas, was er nur mit Jogi Löw zu besprechen hat ..."

Die Bayern, kündigte Hoeneß damals an, würden "den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben - das können wir". Fahren die Münchner auch im aktuellen Fall und ohne Hoeneß in verantwortlicher Position Konfrontationskurs?

Bierhoff jedenfalls hofft auf ein klärendes Gespräch mit Rummenigge, das allerdings noch nicht zustande kam.

"Nicht, weil wir es nicht wollten, sondern weil es terminlich nicht ging", begründet dies der DFB-Direktor. "Es wird nachgeholt, wir sind auf Austausch angewiesen." 

Auch, um den nächsten Knall zwischen Bayern und DFB zu vermeiden.