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Wolfsburg - Gegen Serbien trägt Ilkay Gündogan erstmals die DFB-Kapitänsbinde. Doch in den Niederlanden rückt der Mittelfeldspieler wohl wieder ins zweite Glied zurück.

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"Spricht der Kapitän noch?", fragte ein Journalist in den Katakomben der Volkswagen Arena einen Presseverantwortlichen des DFB. "Er spricht doch gerade", antwortete dieser und zeigte auf Ilkay Gündogan. 

Das Besondere daran: Der etatmäßige Kapitän Manuel Neuer (der keine Interviews gab) war es, der bei seiner Auswechslung zur Halbzeit entschied, dem Mittelfeld-Star von Manchester City erstmals in seiner Karriere die Binde zu übertragen.

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"Das war besonders und unerwartet. Ich habe sie mit großem Respekt und Stolz entgegengenommen", freute sich Gündogan. "Das zeigt mir, dass ich angesehen bin in dieser Truppe, und das möchte ich zurückzahlen, indem ich mich weiter als Persönlichkeit in dieser Truppe integriere, demütig und bodenständig bleibe und auch mit Leistung zurückzahle."

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Bundestrainer Joachim Löw unterstützte die starke Aktion von Neuer: "Er war der erfahrenste Spieler auf dem Platz, er ist schon länger dabei und ähnlich wie Marco (Reus, Anm.d.Red.) war er leider Gottes bei Turnieren immer verletzt. Deswegen war er Kapitän in der zweiten Halbzeit."

Gündogan nach Erdogan-Eklat Kapitän

Ausgerechnet Gündogan!

Unvergessen, wie sein Foto mit Mesut Özil und Türkei-Despot Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Sommer vor der WM zum Politikum wurde. Unvergessen auch, wie er dafür Anfang Juni beim 2:1 gegen Saudi-Arabien ausgepfiffen wurde, in der Kabine heulte und anschließend mit hängendem Kopf das Stadion verließ.

Özil trat nach der WM bekanntlich zurück, aber Gündogan kämpfte weiter.

Bierhoff: "Erdogate" für die Fans kein Thema mehr

Mit breiter Brust, tollen Pässen und vielen Zweikämpfen lieferte der 28-Jährige gegen Serbien (1:1) nun eine gute Partie ab. Jedoch hätte er ein Tor machen müssen, als er in der 65. Minute Keeper Marko Dmitrovic umkurvte, einschieben wollte, aber sein flacher Ball noch von der Linie gekratzt wurde. Pfiffe von den Zuschauern? Fehlanzeige.

"Das macht Stolz und zeigt, dass die Geschichte für die Fans kein Thema mehr ist. Ich finde auch, dass es ihm einen Schub gegeben hat. In der zweiten Halbzeit hat er stärker gespielt", erklärte Teammanager Oliver Bierhoff auf SPORT1-Nachfrage.

Kroos und Kimmich sollen gegen die Niederlande spielen

Da Gündogan mit der Binde am Arm zum Chef im defensiven Mittelfeld wurde, steckt Löw vor dem wichtigen EM-Quali-Auftakt in den Niederlanden im Mittelfeld-Dilemma. (Niederlande - Deutschland, Sonntag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Der Grund: Toni Kroos schonte er gegen Serbien. Im defensiven Mittelfeld soll er in Amsterdam neben dem gesetzten Joshua Kimmich spielen.

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Landet Gündogan nun auf der Bank? Für den Stammspieler von Manchester City wäre das nach seiner Leistung am Dienstagabend und seinen starken Vorstellungen im Verein ein harter Schlag.

Kroos, Kimmich, Gündogan: Löw hat Luxus-Probleme

Das Problem aus Gündogans Sicht: Wahrscheinlich ist, dass Löw gegen die schnellen Niederländer zum 3-4-3-System zurückkehrt. In diesem Fall würde er ohne Spielmacher agieren, weil ihm in der Rückwärtsbewegung die defensive Fünferkette wichtiger ist.

Bliebe Löw beim 4-2-3-1 System, könnte Gündogan auch auf der Zehn spielen. Jedoch kommt sein Spiel besser zur Geltung, wenn er es als Sechser oder Achter vor sich hat.

Gündogan verriet, was Löw von ihm gegen Serbien forderte: "Dass ich bei Ballbesitz möglichst auf der Sechs agiere und versuche, zwischen deren Stürmern anspielbar zu sein, und dadurch das Spiel ankurbele. Vielleicht defensiver als ich es normal spiele, aber ich versuche, das umzusetzen, was von mir verlangt wird."

Nicht zu vergessen ist, dass Löw mit Leon Goretzka (traf gegen Serbien zum 1:1, spielte Rechtsaußen, aber will gern auf die Acht), Reus (wurde eine Halbzeit lang für Sonntag geschont) und Kai Havertz weitere prominente Optionen für das Zentrum hat. Unzufriedenheit ist programmiert.

Löw steckt im Mittelfeld-Dilemma

Gündogan wollte sich darüber nach Spielende keine Gedanken machen.

Stolz über die Neuer-Geste, aber sehr reflektiert blickte der 28-Jährige nochmal zurück auf für ihn "schwierige Monate". Der 30-malige Nationalspieler (vier Tore) erklärte, wie schwer es ihm unter der Last der Erdogan-Diskussion fiel, mit "Selbstvertrauen" und "Selbstsicherheit" zu agieren.

Da beides bei Gündogan aktuell enorm ausgeprägt ist, steckt Löw nun im Mittelfeld-Dilemma.