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Die deutsche Nationalmannschaft ist aktuell gefangen zwischen Umbruch und Ergebnisdruck. Das zeigen die Reaktionen auf den Stotterstart gegen Serbien.

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So haben sie sich den Neuanfang nicht vorgestellt. 

Gegen ersatzgeschwächte Serben kam die deutsche Nationalmannschaft nicht über ein 1:1 hinaus. Zwar war die Mannschaft vor allem in der zweiten Halbzeit drückend überlegen, das erste Länderspiel nach dem Katastrophen-Jahr 2018 konnte sie aber nicht gewinnen. Die Folge: Lautlos-Stimmung in Wolfsburg, Pfiffe zur Halbzeit, erneut selbstkritische Spieler, die vieles ansprachen, was man schon zuvor gehört hatte: Zu wenig Tempo und Biss in den Zweikämpfen, zu wenig Selbstvertrauen nach einem Rückstand.

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Bundestrainer Joachim Löw hat den geforderten Umbruch zwar eingeleitet und bot gegen Serbien mit im Schnitt 24,2 Jahren auch die jüngste Startelf seit dem Confed-Cup-Sieg 2017 auf. Ein überzeugender Sieg blieb aber aus.  

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Der Mittwochabend hat gezeigt: Für Löw wird es nicht einfacher! Der Bundestrainer ist gefangen zwischen Umbruch und Ergebnisdruck – und am Sonntag startet die EM-Qualifikation bei den Niederländern, wo man sich Mitte Oktober mit 0:3 blamierte. (Niederlande - Deutschland, Sonntag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER

SPORT1 nennt Löws Hausaufgaben.

Ergebniskrise meistern! 

Dem blamablen WM-Aus folgten nur zwei Siege, drei Remis und zwei Pleiten. Der letzte emotionale Sieg war das 2:1 gegen Schweden in Russland. Der letzte Testspiel-Erfolg gegen einen großen Gegner war im März 2017 gegen England (1:0). Jetzt das Remis gegen Serbien. 

"So ein Spiel nervt mich extrem", sagte Joshua Kimmich. "Ich will jetzt endlich mal wieder gewinnen." Am Sonntag hat er die nächste Chance dazu. Aber wehe, das Spiel geht erneut in die Hose. Dann wäre die erhoffte Aufbruchsstimmung ganz verpufft.  

Offensive einspielen! 

Am Ball können die Hochtalentierten um Leroy Sane, Julian Brandt, Kai Havertz und Timo Werner alles. Dahinter haben sie mit Marco Reus, Leon Goretzka, Toni Kroos, Ilkay Gündogan und Kimmich Passmaschinen. Nur das Miteinander funktioniert oft noch nicht. Gegen Serbien haperte es oft an Abstimmungen und Laufwegen. 

Auch ein Grund: Zu wenig Training. Am Montagmittag kam das Team zusammen, am Abend absolvierten lediglich acht Spieler lockere Pass- und Aufwärmübungen. Des Rest radelte und schrieb Autogramme. Am Dienstag trainierte Löw nur einmal. Mittwoch stand das Spiel mit neu zusammengewürfelter Truppe an. Davor: Einzelgespräche und Videoanalysen. 

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"Das ist schon an sich krass", sagte Gündogan zum bisherigen Programm. "Es ist ein bisschen schwieriger, die jungen Spieler sofort zu integrieren, weil es eine andere Spielweise ist, als sie es aus dem Verein gewohnt sind. Sie haben mit Sicherheit nicht dieses Selbstvertrauen, das sie vom Verein haben. Dementsprechend waren die Abläufe noch nicht perfekt."

Erst als etablierte Spieler wie Reus und Goretzka für die Offensive eingewechselt wurden, gab es mehr Tempo, besseres Positionsspiel, mehr Läufe in die Tiefe. Löw: "Das hat unsere Gefährlichkeit immens erhöht, wir hatten mehr Dynamik."

Defensive stabilisieren! 

Verständlich, dass Löw gegen Serbien einiges testete. Linksverteidiger Marcel Halstenberg wirkte unsicher, auf rechts spielte Lukas Klostermann ordentlich, wie auch Jonathan Tah über weite Strecken in der Innenverteidigung. Nicht ganz sattelfest wirkte hingegen Niklas Süle, der neue Abwehr-Boss – vor allem beim Gegentor nach einer Ecke durch Luka Jovic. "Die Abstimmungen sind manchmal noch nicht so klar", musste Tah eingestehen. 

Sicherer wirkte die DFB-Defensive zuletzt im 3-4-3 und mit einer Fünferkette im Spiel gegen den Ball. Darauf sollte Löw auch in den Niederlanden setzen, um den Verteidigern Sicherheit zu geben. Das Problem: Süle, Antonio Rüdiger und Matthias Ginter müssen jetzt funktionieren.  

Chancenverwertung optimieren! 

Dass Großchancen ausgelassen werden, zieht sich bereits seit Monaten durch das Spiel der Löw-Elf. Auch gegen Serbien wurden mehrere Hundertprozentige vergeben. Vor allem durch Werner, Sane und Gündogan.  

Löw: "Das liegt auch an den vielen jungen Spielern vorne, das sind Erfahrungen, die sie machen müssen. Das müssen wir ansprechen und im Training umsetzen, so gut man das simulieren kann." 

Teammanager Oliver Bierhoff, früher selbst Stürmer: "Da fiebert und leidet man mit. Wir hatten die eine oder andere Chance, die wir reinhauen müssen."

Positive Stimmung erzeugen! 

Erst keine Stimmung, dann Pfiffe. Die Reaktion auf den Tribünen in Wolfsburg zeigte: Der deutsche Fan lechzt nach Erfolg – vor allem nach dem Vorrunden-Aus bei der WM und dem Abstieg aus der Nations League.  

Fast schon entschuldigend verwies Bierhoff am Montag darauf, dass man der neuen Mannschaft Zeit geben und Geduld aufbringen müsse.  

Zu viel davon wollen sich die Spieler aber selbst nicht geben. "Wir brauchen ein bisschen Zeit, aber wir wissen auch, dass wir nicht so viel Zeit haben, Wir haben eine Quali und die fängt schon Sonntag an. Da müssen wir da sein und auch von der Körpersprache her ein anderes Gesicht zeigen", sagt etwa Marco Reus.