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Die Fans zeigen dem DFB-Team vor den Spielen gegen Russland und die Niederlande die kalte Schulter. Betont volksnah will die Nationalmannschaft den Trend stoppen.

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Rund 43.000 Zuschauer finden in der Leipziger Red Bull Arena Platz. Knapp 30.000 Tickets sind für das Testspiel am Donnerstag (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) gegen Russland aber bislang erst verkauft.

Für das letzte Gruppenspiel in der Nations League gegen die Niederlande in Gelsenkirchen (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER), wo es für das Löw-Team am Montag um den Klassenerhalt geht, wurden bislang nur rund 36.000 Tickets verkauft. Etwa 62.000 passen jedoch in die Veltins Arena.

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Kalte Schulter, statt heißer Empfang für die DFB-Stars.

Die Gründe sind vielfältig: Teure Preise, späte Anstoßzeiten, aber vor allem verspielte die deutsche Nationalmannschaft durch das WM-Debakel und den Pleiten in der Nations League viel Kredit bei den Fans.

Um dem Zuschauerschwund entgegenzuwirken, lässt sich der DFB jedoch einiges einfallen.

DFB-Stars gehen auf Fans zu

In Berlin organisierte der Verband im Oktober für 5000 Zuschauer ein öffentliches Training im Amateurstadion von Hertha BSC. Die Fans, vor allem Kinder und Jugendliche, nahmen das Angebot dankbar an und feierten ihre Stars frenetisch. Die Spieler und Verantwortlichen schrieben unisono Autogramme und machten Selfies.

Germany Training And Press Conference
Germany Training And Press Conference © Getty Images

In Leipzig besuchten DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff und die Nationalspieler Manuel Neuer, Timo Werner, Leroy Sane und Julian Brandt am Dienstagmittag die 94. Oberschule in Leipzig. Dort bereiteten rund 150 Schüler (Fünft- bis Achtklässler) ihren Stars einen begeisternden Empfang und stellten ihren Idolen sogar selbst Fragen.

Für einen besonderen Lacher sorgte gleich die erste Frage eines Schülers, mit der niemand in der Runde gerechnet hat. Ein Fünftklässler schnappte sich das Mikro und fragte Sane, wie er es findet, dass Mesut Özil nicht mehr für Deutschland spielt? Die Nationalspieler lachten, Sane antwortete besonnen: "Das ist natürlich schade. Ich hätte gerne noch länger mit ihm zusammengespielt, als Fußballer und guter Freund."

Neuer (der Meistgefragte) wurde unter anderem nach seinen Hobbies gefragt ("Tennis, Skifahren, Reisen"), Brandt nach der Tor-Anzahl gegen Russland ("Wäre glücklich, wenn wir überhaupt gewinnen"), Werner sollte prognostizieren, wie viele Tore er gegen Russland schießt ("Manuel sagt: eins mindestens").

Nach der Fragerunde schrieben die prominenten Besucher noch Autogramme, erfüllten Umarmungs-Wünsche und machten Fotos.

© SPORT1

Am Abend gab es für zahlreiche Leipziger dann den nächsten Stars-zum-Anfassen-Termin, denn Thomas Müller, Leon Goretzka, Serge Gnabry, Kevin Trapp, Sebastian Rudy und Nico Schulz besuchten lokale Fußballvereine beim Training - wie etwa die E-Jugend des SV Lindenau.

"Ein toller Termin, der uns und den Kindern sehr viel Spaß gemacht hat. Ist ja auch toll zu sehen, wie viele Kinder hier in diesem Verein spielen. Das war eine willkommene Abwechslung", schwärmte Thomas Müller im Gespräch mit SPORT1

Bierhoff zeigt sich selbstkritisch

Die DFB-Führung hält derzeit also ein, was sie nach der WM-Aufarbeitung versprach: Zurück zu den Wurzeln zu gehen, sich den Fans, wie in Südtirol, nicht länger zu verschließen, denn das Thema der zurückgehenden Zuschauer-Zahlen beschäftigt den Verband seit Längerem. Bierhoff versuchte, den Fan-Schwund zu erklären:

"Wir wissen selber, dass unsere Leistungen in den letzten sechs Monaten nicht so zufriedenstellend waren. Wir haben auch viel Fußball im Fernsehen haben. Leipzig selbst bietet auch internationalen Fußball an, das wird auch eine Rolle spielen. Natürlich machen wir uns auch Gedanken über die Ticketpreise. Aber in der Vergangenheit waren die Stadien auch voll”, stellte der 50-Jährige klar.

Für das Spiel gegen WM-Viertelfinalist Russland gibt es übrigens Kindertickets für 10 Euro. Die günstigste, ermäßigte Karte ist für 18 Euro (25 Euro ohne Ermäßigung) zu haben.

Bierhoff entschlossen: "Für uns geht es darum, durch begeisternden, tollen Fußball, den die jungen Spieler auch spielen können, wieder Freude auf die Nationalmannschaft zu machen. Dann werden auch wieder mehr Zuschauer kommen. Aber uns ist schon bewusst, dass es immer schwieriger wird, auch aufgrund der Anstoßzeiten. Wir müssen uns bemühen, die Stadien voll zu bekommen.”

Vor allem aber, die Fans mit guten Leistungen wieder zurückzugewinnen.

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