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Das 0:3 gegen die Niederlande hat gezeigt, dass es ein Fehler ist, an den altgedienten Spielern festzuhalten. Joachim Löws Nibelungentreue könnte fatale Folgen haben.

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"Wir haben ihm den Neuanfang geglaubt!"

Diese mit Enttäuschung erfüllten Worte sagte mir ein Fan, mit dem ich mich nach Spielende im Hotel unterhielt. Ich fragte ihn und seine Freunde, was die Zuschauer auf den Rängen bedrückt. Ihre Meinung unisono: Joachim Löw und sein fehlender Mut für drastische, aber notwendige Personal-Veränderungen.

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Kurzum: Der versprochene, aber nicht zu sehende Neuanfang nach dem WM-Debakel. Stimmt genau - aber Hoffnung auf Besserung ist nicht in Sicht.

Warum? Weil der DFB im Löw-Dilemma steckt!

Deutschland ließ sich von den Niederlanden 3:0 vermöbeln. Traf dabei das Tor nicht, zeigte erneut eklatante Fehler in der Defensive, wirkte uninspiriert und lethargisch.

Kritik-Punkte, die man erst im Sommer als Grund für die WM-Blamage ausmachen konnte – und die sich im Herbst bereits wiederholen.

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Nun ist laut Duden das Dilemma eine Situation, "in der sich jemand befindet, besonders wenn er zwischen zwei (…) unangenehmen Dingen wählen soll oder muss".

Übertragen auf die DFB-Spitze heißt das: Den Umbruch weiterhin Löw anvertrauen? Obwohl der Trainer fast betriebsblind auf das gleiche, enttäuschende WM-Personal setzt (Bayern-Block, Kroos, Hector) und über Shootingstars wie Werner, Brandt oder Sane, die ihr Können längst nachgewiesen haben, alarmierend sagt:

"Sie haben noch nicht die ganz große Qualität (…) wir dürfen von ihnen keine Wunderdinge erwarten. Die brauchen noch Zeit."

An Löw festzuhalten, ist insofern fatal, weil davon auszugehen ist, dass er sich von seinen verdienten, aber seit Monaten enttäuschenden Spielern auch zukünftig nicht trennen wird. Der Neuanfang somit nicht stattfinden kann.

Oder muss sich die DFB-Führung dafür entscheiden, den jahrelangen, so erfolgreichen Weg mit dem Weltmeister-Trainer nun doch zu beenden? Irgendwie auch unangenehm für Grindel und Co, schließlich verlängerte man Löws Vertrag erst vor der WM bis 2022, ließ ihn selbst entscheiden, ob er im Sommer weitermacht oder aufhört.  

Zurück zur Gegenwart: Der Auftritt gegen Frankreich (0:0) war in Ordnung. Deutschland hat schlichtweg verteidigt. Der Sieg gegen Peru (2:1) war kein Spektakel. Die Pleite gegen Holland peinlich, obwohl die Löw-Elf spielerisch nicht gänzlich versagte. Dennoch stehen unter dem Strich drei Gegentore und null Punkte. Teile der mitgereisten Fans skandierten wütend "Jogi raus" und zeigten den Spielern den Mittelfinger.

Nach dem WM-Aus droht nun sogar der Abstieg in der Nations League in Liga B. Wird Deutschland nach der Gruppenphase schlechteste oder zweitschlechteste Mannschaft aus Liga A, droht Lostopf 2 bei der Auslosung zur EM-Quali. Heißt: Wir sind kein Top-Team mehr und es wartet mindestens ein Kracher auf uns (SERVICE: Die Tabelle der deutschen Gruppe).

Im aktuellen Zustand der DFB-Elf ist dann sogar die Teilnahme an der EM 2020 in Gefahr. Das wäre mehr als nur unangenehm, aber nicht mehr unvorstellbar.

Lässt sich die DFB-Elf auch am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich vermöbeln, mit gleichem Personal und alten Fehlern, dann sollte Löw zurücktreten. Das wäre unangenehm - aber konsequent.