Sinsheim - Reinhard Grindel soll aus Angst vor Eintracht-Ultras ein Länderspiel in Frankfurt verhindert haben. Die Fanszene tobt. Der DFB-Präsident reagiert.

von Marcel Bohnensteffen , Jochen Stutzky

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat seine umstrittene Entscheidung verteidigt, das Länderspiel Deutschland gegen Peru (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) statt in Frankfurt in Sinsheim stattfinden zu lassen. 

"Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass es Vorbehalte gegen Eintracht Frankfurt gibt", sagte Grindel am späten Sonntagnachmittag in einer Presserunde. 

Der DFB-Boss war durch einen Bericht des Spiegel in die Kritik geraten. Das Nachrichtenmagazin hatte am Freitag einen internen E-Mail-Verkehr zwischen Grindel und seinem Stellvertreter Rainer Koch veröffentlicht.

Brisante Mails zwischen Grindel und Koch 

Demnach sprach sich Grindel in einer Nachricht an Koch vom 28. Februar vehement gegen eine Austragung des Länderspiels in Frankfurt aus - offenbar aus Angst vor Ausschreitungen von Eintracht-Ultras und negativen Folgen für Deutschlands Bewerbung um die EM 2024. 

"Ich halte das Risiko, dass wir bei dem Länderspiel ein Desaster erleben und dies kurz vor der EURO-Vergabe negative Auswirkungen hat, einfach für zu hoch, weil für mich die Frankfurter Ultra-Szene viel zu unberechenbar ist", zitiert der Spiegel aus aus einer E-Mail Grindels. "Man kann (...) die Befürchtung haben, dass die ja keineswegs dummen Ultras uns das Projekt EURO 2024 gerade kaputtmachen wollen, indem sie dort ein Inferno veranstalten."

Am Sonntag bestritt Grindel, dass derlei Befürchtungen der Grund für die Verlegung des Spielortes gewesen seien. Das DFB-Präsidium habe die Hoffnung gehabt, in Sinsheim "ein volles Stadion und gute Stimmung zu haben".

Reaktion auf die Proteste gegen Montagsspiele

Der DFB-Boss verwies darauf, dass die von ihm vorgetragenen Bedenken eine Woche nach den Protesten während des Bundesligaspiels Frankfurt gegen RB Leipzig erfolgt seien.

Bei jener Partie hatten Frankfurter Ultras während des Spiels den Rasen mit Tennisbällen übersät - aus Protest gegen die Ansetzung an einem Montag. Das Spiel musste unterbrochen werden.  

Vor diesem Hintergrund bezeichnete Grindel seine Warnung als "nachvollziehbar". Sie sei jedoch "nicht entscheidend" gewesen für den Austragungsort des Länderspiels Deutschland gegen Peru. 

ANZEIGE: Sichern Sie sich jetzt das neue DFB-Trikot - hier geht es zum Shop

Die Veröffentlichung der internen DFB-Absprache, die letztlich zur Ausbootung Frankfurts führte, hatte über das Wochenende für Schlagzeilen gesorgt. 

Fanvertreter der Eintracht prangerten Grindel am Sonntag an. "Die Aussagen von Herrn Grindel zeigen einmal mehr seine Ahnungslosigkeit und Hilflosigkeit beim Thema Fankultur", heißt es in einer Stellungnahme des Nordwestkurve Frankfurt e.V., dem Dachverband der Eintracht-Anhänger.

Eintracht-Fans sauer: "Grindel untragbar"

Die Initiatoren des Statements forderten offen den Rücktritt des DFB-Präsidenten. "Dieser Mann war und ist untragbar!", schrieben sie. "Kein ernstzunehmender Fanvertreter kann mit einem Verband unter diesem Präsidenten auch nur ein weiteres Wort wechseln!"

Zusätzliche Brisanz hatte die Angelegenheit dadurch erhalten, dass Grindels Vize Koch dem Präsidenten offenbar von seinem Vorhaben abzubringen versuchte. 

"Eine negative Stimmungslage kann gerade dann aufkommen, wenn herauskommt, dass wir Frankfurt abgelehnt haben, obwohl Frankfurt jetzt in der Abfolge der Länderspielstandorte klar an der Reihe ist", schrieb Koch laut der vom Spiegel veröffentlichten E-Mails an Grindel. 

Inklusive der Warnung: "Wenn nach einer Ablehnung Frankfurts Stimmung insbesondere gegen dich persönlich wegen deiner Haltung gemacht würde (es bleibt ja nichts geheim), wäre das geradezu kontraproduktiv."

Am Samstag hatte Koch eine Kontroverse mit Grindel noch bestritten. Bei Sky nannte er es "fast eine Zumutung" und "strafbares Verhalten", dass der Spiegel aus internen Mails zitiere.

Auch Grindel kritisierte am Sonntag, dass die interne Kommunikation an die Öffentlichkeit gelangt sei. "Schön ist das nicht. Das muss ich ganz klar sagen", sagte er.

Trotz der Kritik an seiner Person verspürt der DFB-Präsident nach eigener Aussage weiter "großen Rückhalt" bei den Landesverbänden. "Ich kann mich gar nicht beschweren", sagte Grindel auf SPORT1-Nachfrage.