München - Joshua Kimmich überzeugte gegen Frankreich - im defensiven Mittelfeld. Die Position-Rochade erinnert an Vorgänger Philipp Lahm. Eine Modell für die Zukunft?

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Joshua Kimmich durfte mal wieder auf seiner angestammten Position ran. 

Beim FC Bayern und in der Nationalmannschaft hat sich der 23-Jährige so sehr als Rechtsverteidiger eingespielt, da gerät fast in Vergessenheit, dass er eigentlich auf der Sechs zuhause ist. 

Zum Auftakt der Nations League gegen Weltmeister Frankreich ließ ihn Joachim Löw nach längerer Zeit wieder im defensiven Mittelfeld ran. Ein kluger Schachzug des Bundestrainers.  

Kimmich erwies sich an der Seite von Toni Kroos vor der Abwehr als Kreativposten und Stabilisator. Er hatte die beste Pass- (94 Prozent) und beste Zweikampfquote (78) aller Startelfspieler, kam ohne Foul aus.

98 Aktionen am Ball und 89 Pässe unterstrichen seine Präsenz. Damit trug er maßgeblich zum geglückten ersten deutschen Auftritt nach dem WM-Debakel in Russland bei.

Löw und Mitspieler schwärmen

"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Er war sehr gut am Ball, sehr zweikampfstark - ich bin zufrieden", lobte Löw anschließend.

Auch Kimmichs Mitspieler gerieten ins Schwärmen. Während Thomas Müller von einer "fehlerlosen Leistung" sprach und seinen Kollegen ob seiner "Ruhe am Ball" pries, reagierte Mats Hummels wenig überrascht: "Josh ist ja ein ausgebildeter Sechser, Achter, deshalb war klar, dass er das kann."

Stellt sich die Frage: Wenn es gegen Kaliber wie Paul Pogba, Blaise Matuidi oder N’Golo Kante klappt, warum sollte Kimmich nicht häufiger auf der Sechs zum Einsatz kommen? 

Auf der Position fühlt er sich nach eigenen Angaben am wohlsten. Und Löw hatte während der WM 2014 schon Kimmichs Vorgänger Philipp Lahm mit Erfolg von der rechten Abwehrseite ins defensive Mittelfeld beordert.

"Er ist sicherlich eine sehr gute Lösung für die Sechs", sagte Löw.

Kimmich habe, befand Bayern-Kollege Mats Hummels, "wirklich alles für diese Position. Aber den kannst du gefühlt überall hinstellen - es kommt immer was dabei raus."

Das gleiche "Problem" wie Lahm

Es war sicherlich nett gemeint. Doch genau das ist Kimmichs "Problem". Schon Pep Guardiola hatte ihn einst in München als Sechser ausprobiert. Nur um später festzustellen: Kimmich ist als offensiv gefährlicher Rechstverteidiger zu wertvoll, um in einem anderen Mannschaftsteil zu spielen.

Sowohl bei Bayern als auch in der Nationalmannschaft gab es nach Lahms Abtritt hinten rechts keine adäquate Alternative zu ihm.  

Das war einst schon seinem Vorgänger zum Verhängnis geworden. Lahm hätte selbst gerne viel mehr und viel früher im Mittelfeld gespielt. Das Problem: Niemand verteidigte so gut wie er, niemand schlug so gefährliche Flanken. Mit Ausnahme einer Zwischen-Saison war die Rechtsverteidiger-Position fest für Lahm reserviert. 

"Ich bin bereit"

Gleiches Schicksal droht jetzt Kimmich. Ihm selbst ist das bewusst. Wenngleich er nach dem Frankreich-Spiel durchaus Ambitionen auf die neue Position anmeldete. "Von mir aus sehr, sehr gerne. Ich bin bereit", sagte er. 

Schon im nächsten Testspiel am Sonntag gegen Peru (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) könnte er jedoch schon wieder als Rechtsverteidiger nach hinten rücken. Anders als gegen die favorisierten Franzosen dürfte Löw im Duell mit den Südamerikanern offensiver aufstellen. 

Immerhin weiß der Bundestrainer seit Donnerstag, dass er Kimmich auch jederzeit ins Mittelfeld verschieben kann.

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