München - Für seine vorzeitige Verlängerung mit Joachim Löw wurde DFB-Präsident Reinhard Grindel scharf kritisiert. Bei SPORT1 wehrt und erklärt er sich nun.

von Florian Plettenberg , Jochen Stutzky

War es ein Fehler, schon vor der WM mit Joachim Löw zu verlängern?

DFB-Präsident Reinhard Grindel ist genau das nach dem Vorrunden-Aus immer wieder vorgeworfen worden. Die Ausdehnung des Deals bis zum Jahr 2022 sei kurzsichtig gewesen, hätte die Diskussion um den Neuaufbau behindert und würde den DFB noch mehr Geld für eine Abfindung kosten, sollte Löw daran scheitern, so der Tenor.

Vor dem Auftakt der Nations League gegen Frankreich (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) wehrt sich Grindel nun gegen die Kritik - und führt im Gespräch mit SPORT1 seine Beweggründe aus.

Grindel: "Bedingungen waren völlig andere"

"Die Bedingungen für die Vertragsverlängerung waren völlig andere, als die, die in der Öffentlichkeit diskutiert worden sind", sagt der 56-Jährige - und verweist auf den Zusammenhang der Zukunft Löws mit der Zukunft von Oliver Bierhoff.

"Wir haben im DFB eine Organisationsreform durchgeführt und unsere Direktion von sieben auf vier verringert", erklärt er: "Einer der vier Direktoren ist Oliver Bierhoff geworden, für den Spitzenfußball, die Nationalmannschaft und die Fußballentwicklung. Deshalb haben wir mit Bierhoff einen neuen Vertag abgeschlossen, gerade auch im Hinblick auf die Etablierung der Akademie bis zum Jahr 2024. Hier war eine langfristige Entwicklung notwendig."

Aus Grindels Sicht war es folgerichtig, sich dann auch mit Löws Zukunft zu befassen.

DFB fürchtete "Unruhe" bei Nicht-Verlängerung

"Wir haben uns vor der WM gefragt, wie es wirke, wenn wir mit Bierhoff verlängern und mit Löw nicht", erklärt Grindel: "Früher waren die Verträge der beiden immer parallel.  Vor diesem Hintergrund haben wir im Präsidium intensiv diskutiert: Trauen wir Jogi Löw den Umbruch, der unabhängig vom Ausgang der WM notwendig war, in Richtung WM 2022 zu? Oliver Bierhoff und meine Kollegen im Präsidium haben dies bejaht."

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Die Konsequenz: "Um Diskussionen vor der WM zu vermeiden - wir verlängern langfristig mit Bierhoff und mit Löw nicht, was zweifelsohne zu Unruhe geführt hätte - und vor dem Hintergrund, dass alle Präsidiumskollegen und Oliver Bierhoff gesagt haben, dass sie Joachim Löw den notwendigen Umbruch zu trauen, haben wir uns zu dieser Vertragsverlängerung entschieden."

Grindel betont auch, dass er den Schritt nicht bereue: "Das Vertrauen in Jogi Löw ist ungebrochen. Wir glauben, dass er die Zukunft gut gestalten kann. Deswegen würden wir uns sicherlich immer wieder so verhalten, wie wir es getan haben."

Volles Vertrauen in Löw

Löws Auftritte in den vergangenen Wochen hätten ihn in dieser Ansicht bestärkt, so Grindel: Der Bundestrainer habe "die richtige Analyse vorgenommen und auch aufgezeigt, welche Konsequenzen zu ziehen sind".

Nicht nur mit dem Gewinn der WM 2014 habe Löw ja seine Qualitäten bewiesen: "Wir müssen uns auch immer einmal in Erinnerung rufen, dass er vor einem Jahr den Confed-Cup mit einer sogenannten B-Elf gewonnen hat. Die Mannschaft bestand aus vielen Spielern, die so noch nie zusammen gespielt haben. Die hat er zu einer Mannschaft zusammengeführt."

Grindel ist zuversichtlich, "dass er das auch jetzt wieder schaffen wird, sowohl mit den erfahrenen Spielern, die hoffentlich ein anderes Bild als in Russland abgeben, als auch mit den neuen, die in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren dazukommen müssen".