München - Der Bundestrainer plant für die nähere Zukunft mit Kimmich auf der Sechs. Wer ersetzt ihn als Rechtsverteidiger? Einem Rookie traut Löw den großen Sprung zu.

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Als es um personelle Fragen ging, war Joachim Löw ungewohnt redselig. 

Vielleicht lag es daran, dass das Duell mit Peru am Sonntag (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) offiziell nur ein Freundschaftsspiel ist. Und derlei Partien wird ja gemeinhin eher wenig Bedeutung zugemessen.

Womöglich hat der Bundestrainer im Vorfeld dieses Spiels jedoch ein personelles Planspiel preisgegeben, das das Spiel der Nationalmannschaft nachhaltig verändern könnte. 

In den Hauptrollen: Joshua Kimmich, Matthias Ginter und Rookie Thilo Kehrer. 

Der Dramaturgie wegen empfiehlt es sich, die Personalien in exakt jener Reihenfolge abzuarbeiten.

Beginnen wir also mit Joshua Kimmich. Den hatte Löw beim 0:0 gegen Weltmeister Frankreich im defensiven Mittelfeld getestet und auf dieser Position für höchst tauglich befunden.

Kimmich "die Lösung für die Zukunft"

Auf der Sechs, verkündete Löw am Samstag bei der Pressekonferenz, sei der Bayern-Akteur "die Lösung für die nahe Zukunft". In seinen Worten schwang eine bemerkenswerte Verbindlichkeit mit. 

Das DFB-Team spielt in diesem Jahr unter anderem noch zweimal gegen die Niederlande und einmal gegen Frankreich (jeweils in der Nations League). Gegner, gegen die die zuletzt arg konteranfällige deutsche Defensive einen Stabilisator dringend gebrauchen kann.

Offenbar hat Löw Kimmich für diese Aufgabe auserkoren. Was eine gewisse Vakanz auf dessen ursprünglicher Position hinten rechts in der Abwehrkette schafft. Womit wir bei Matthias Ginter wären.

Der Gladbacher löste Löw beim Pressetalk auf dem Podium ab, dankte seinem Trainer artig für die Bewährungschance, die er ihm gegen Frankreich gewährt hatte. Was man eben so sagt als Nationalspieler, der bei zwei Weltmeisterschaften im Kader stand, aber nicht auf einen einzigen Einsatz kam. 

Jetzt, da Kollege Kimmich anderweitig verplant ist, mag Ginter zwar erster Anwärter auf die Rechtsverteidiger-Position sein und deshalb auch gegen Peru zur Startelf zählen. Nur ist der frühere Dortmunder in seinem Spiel nach vorne limitiert.

Und dem DFB-Team hat in der Vergangenheit gerade auf dieser Position Offensivpower immer gut getan. Zu Zeiten, in denen Kimmich noch den rechten Flügel rauf- und runterwetzte, war er häufig Torvorbereiter. Allein in der WM-Quali legte er neun Treffer auf und erzielte zwei selbst. Werte, die man von Ginter nicht erwarten kann.

Löw vergleicht Kehrer mit Boateng

An eine Dauerlösung mag man bei ihm daher nicht so wirklich glauben. An dieser Stelle kommt Thilo Kehrer ins Spiel.

Der 21-Jährige hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gar kein Länderspiel bestritten. Das gegen Peru könnte sein erstes sein. Und doch spielt er in Löws Planungen schon eine bedeutende Rolle.

Kehrer, befand der Bundestrainer am Samstag, sei zwar gelernter Innenverteidiger, könne aber genauso gut auf dem Flügel verteidigen. Löw stellte dabei einen bemerkenswerten Vergleich an. 

Kehrer könne "vielleicht so eine Entwicklung nehmen wie Jerome Boateng in der Vergangenheit".

Wechsel nach Paris als Karrieresprung

Der Münchner hatte in der Nationalmannschaft ebenfalls häufig den Rechtsverteidiger gegeben. Heute ist er Löws Abwehrchef, ungeachtet der verkorksten WM. Ein Werdegang, den künftig auch Kehrer beschreiten soll. Zumindest wenn es nach seinem Trainer geht. 

Mit steilen Aufstiegen kennt sich Kehrer aus. Gerade erst ist er für 37 Millionen Euro von Schalke 04 zu Paris Saint-Germain gewechselt. 

Von Tradition zu Kommerz. Ein Quantensprung in einem Sommer. Es heißt ja, man wächst an seinen Aufgaben. Löw wird Kehrers Entwicklung genau verfolgen. Insgeheim plant er schon jetzt mit ihm als Geheimwaffe.