Borussia Moenchengladbach v Eintracht Frankfurt - DFB Cup Semi Final
Mehmet Scholl wurde mit dem FC Bayern acht Mal Deutscher Meister und fünf Mal Pokalsieger © Getty Images

München - Düdelingen-Coach Dino Toppmöller spricht bei SPORT1 über Mehmet Scholl. Er lobt ihn zum DFB und pflichtet ihm bei in Sachen Kritik an sogenannten "Systemtrainern".

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Aus dem WM-Debakel hat der DFB seine Schlüsse gezogen, unter anderem wurde im Trainer- und Betreuerstab umgebaut - Dino Toppmöller würde sich allerdings Mehmet Scholl als Verstärkung für den Verband wünschen.

Für den Trainer des F91 Düdelingen, das am Donnerstag zu Hause gegen den AC Mailand Premiere in der Europa League feiert (Europa League: F91 Düdelingen - AC Mailand, Do. ab 21 Uhr im LIVETICKER), wäre Scholl genau der richtige Mann für den DFB.

"Absolut. Oliver Bierhoff hat seine Qualitäten als Sportdirektor, insbesondere im Marketing", sagt Toppmöller bei SPORT1: "Vielleicht sollte man jemanden wie Scholl neben ihm installieren. Er wäre ein Mann, der andere Bereiche gut abdecken kann, das würde gut passen."

Zuletzt gab es auch schon deutliche Signale seitens des DFB für einen engen Austausch mit Scholl.

DFB-Chefausbilder: "Offene Türen eingerannt" 

"Inhaltlich hat Mehmet bei uns offene Türen eingerannt, auch wenn seine öffentliche Kritik an Domenico Tedesco und Hannes Wolf nicht gut war", sagte Trainer-Chefausbilder Daniel Niedzkowski kürzlich der Sport Bild.

In seiner Radiosendung "Mehmets Schollplatten" im Bayerischen Rundfunk fand Scholl im Dezember 2017 deutliche Worte über die sogenannten "Systemtrainer" wie Schalkes Domenico Tedesco: "Die Tedescos, die Wolfs - sie sprießen aus dem Boden und der deutsche Fußball wird sein blaues Wunder erleben."

Mit Niedzkowski gebe es beim DFB "einen jungen dynamischen Typ, der mit Sicherheit taktisch viel mitgeben kann und in seinen Interviews sehr kompetent rüberkommt", freut sich der Sohn des früheren Bundesliga-Trainers Klaus Toppmöller (unter anderem Bayer Leverkusen und Hamburger SV)

"Da müsste jetzt zusätzlich noch jemand wie Ottmar Hitzfeld einige Wochen über seine Erfahrung bezüglich Mannschaftsführung referieren."

Toppmöller wirbt für Scholl beim DFB

Scholl hatte vor einigen Monaten die deutsche Trainer- und Talentausbildung kritisiert und moniert, dass individuelle Klasse verloren gehe, weil die Spieler heutzutage in zu viele Systeme gepresst werden.

Toppmöller wünscht sich den Ex-Profi als Bindeglied zwischen den Generationen. "Fußballer sind spezielle Typen, die man anders anpacken muss. Das weiß Scholl, weil er selbst Profi war. Scholl hat auch mit anderen großen Spielern gekickt und weiß, wie man mit ihnen umgeht. Solche Leute müssen idealerweise Positionen besetzen, die wichtig sind", erklärt Toppmöller.

So wie es beim FC Bayern und Borussia Dortmund der Fall ist. "Bei Bayern heißen die Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, zwei ehemalige überragende Fußballer und absolute Persönlichkeiten mit einer sehr hohen Intelligenz."

Auch in Dortmund gebe es mit Michael Zorc einen Mann "mit vielen Spielen auf dem Buckel. Diese Leute haben die sportliche Kompetenz, um einen Verein auch zu führen."

Zwar gebe es auch Beispiele von Trainern, "die vielleicht nicht so hoch gespielt haben, aber durch ihre soziale Intelligenz dafür geeignet sind, Menschen zu führen", meint Toppmöller, allerdings aber eben auch Coaches, "die ihre Bücher wälzen und alles über Fußball wissen, aber nicht wissen, wie ein Fußballer tickt."

"18 Systeme rückwärts furzen"

"Ich zitiere Mehmet Scholl, dass es nicht wichtig ist, 18 Systeme rückwärts furzen zu können. Ich denke eine gewisse Fußball-Fachkompetenz muss da sein", sagt Toppmöller.

Das entscheidende sei, "zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte zu finden."

In diesem Punkt schwärmt Toppmöller geradezu von Scholl. "Mehmet Scholl war ein überragender Fußballer. Einer meiner Lieblingsspieler. Was er sagt, damit hat er absolut recht."

Und Toppmöller sagt auch, warum: "Für mich als Trainer wäre es viel wichtiger zu wissen, wie ein Jupp Heynckes einem Arjen Robben erklärt, warum er jetzt auf der Bank sitzt. Die Sozialkompetenz, die Mannschaftsführung, diese Dinge sind für mich viel interessanter als ein Spielaufbau oder ein System. Das wissen die Spieler selbst auf ihrer Position."