Bundestrainer Joachim Löw und Oliver Bierhoff stellen nach dem peinlichen WM-Aus dem DFB-Präsidium ihre Analyse vor. Präsident Reinhard Grindel stärkt beide.

von Sportinformationsdienst

Joachim Löw verließ das Münchner Edelhotel schweigend durch die Tiefgarage, hinter verschlossenen Türen hatte der Bundestrainer mit seinem Vortrag aber schon wieder überzeugt.

Nach etwas mehr als zwei Stunden im Tagungsraum "Ludwig" bekam der 58-Jährige zusammen mit Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff auch vom Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) volle Rückendeckung versprochen. Die wohl schwierigste Etappe von Löws WM-Aufarbeitung kommt allerdings noch.

Grindel lobt überzeugende Analyse

"Joachim Löw und Oliver Bierhoff haben heute eine sehr überzeugende Analyse der WM vorgelegt", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel im Anschluss an die Sitzung: "Das gesamte DFB-Präsidium ist der festen Überzeugung, dass die sportliche Leitung auf dem richtigen Weg ist." Weitere Details - wie beispielsweise personelle Konsequenzen in Löws Trainerstab - wurden nicht bekannt.

Erst am kommenden Mittwoch (29. August) wird Löw seine Erkenntnisse der kritischen Öffentlichkeit präsentieren und zugleich den Kader für die kommenden beiden Länderspiele gegen Weltmeister Frankreich (6. September) und Peru (9. September) nominieren.

Zudem deutete Grindel an, dass im Rahmen dieses Termins bekannt gegeben wird, welche Spieler in Zukunft nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen werden.

Richtungsweisende Spiele im September

Die ersten beiden Heim-Auftritte nach dem WM-Aus werden richtungweisend sein. Zu erwarten ist ein eher sanfter Umbruch - auch wenn Löw in seiner Analyse wohl eingeräumt hat, in Russland auf zu viele Weltmeister von 2014 gesetzt zu haben.

Bisher haben lediglich Mesut Özil, der allerdings geräuschvoll, und Mario Gomez (mit Hintertürchen) ihren Rücktritt erklärt. Zu den ersten Streichkandidaten könnte beispielsweise Sami Khedira gehören, der allerdings angekündigt hatte, Löw weiter zur Verfügung zu stehen.

Löw mit 90-minütiger Analyse

Der Bundestrainer, ganz in schwarz gekleidet, war am Freitag als einer der letzten Sitzungsteilnehmer um 14.15 Uhr im Taxi vor dem Haupteingang des Münchner Hotels vorgefahren. Bierhoff holte den 58-Jährige eine Viertelstunde später in den Tagungsraum, wo Löw das Wort ergriff und rund 90 Minuten lang analysierte.

Bereits am Dienstag hatte der 58-Jährige während des Gipfeltreffens bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) das Vertrauen der Bundesliga-Vereine ausgesprochen bekommen. Beschlossen wurde ein engerer Austausch auf allen Ebenen bis in die Trainerausbildung und die U-Bereiche.

Neuer Sportdirektor soll kommen

Am Freitag könnten auch die Spannungen zwischen Grindel und Bierhoff ein (Rand-)Thema gewesen sein. Der DFB-Präsident hatte vor allem die von Bierhoff verantworteten Marketingmaßnahmen kritisiert. Verkündet wurde, dass der Universitätsprofessor Tobias Haupt ab dem 1. Oktober die Leitung der DFB-Akademie übernimmt, die Bierhoff bislang alleine verantwortete. Noch kommen soll ein Sportdirektor.

Grindel war es gut zwei Stunden vor dem Bundesliga-Auftakt zwischen Rekordmeister Bayern München und der TSG Hoffenheim derweil noch wichtig zu betonen, dass der DFB bei der Präsidentschaftswahl der Europäischen Fußball-Union (UEFA) im Februar 2019 Amtsinhaber Aleksander Ceferin unterstützen wird. 

Ceferin soll unterstützt werden

"Er hat die UEFA hervorragend repräsentiert und wichtige Akzente gesetzt, gerade in der Interessenabwägung zwischen kleineren und größeren Verbänden", sagte Grindel. Die gegenseitige Rückendeckung in Europas Dachverband ist für den DFB vor allem am 27. September bedeutend, wenn die EM 2024 vergeben wird.

Die einzigen Bewerber sind Deutschland und die Türkei. Ceferin hat bei Stimmgleichheit im UEFA-Exekutivkomitee die entscheidende Stimme.