Durch seine dreiteilige Abrechnung mit dem DFB sorgt Mesut Özil für ein Beben in Deutschland. Jetzt reagiert auch die deutsch-türkische Politikerin Sevim Dagdelen.

Der türkischstämmigen Linken-Politikerin Sevim Dagdelen fehlt bei den Angriffen von Mesut Özil auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen seiner unklaren Position zum türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan das nötige Maß an Redlichkeit.

"Seine Kritik ist zwar berechtigt, aber Özil verspielt seine eigene Glaubwürdigkeit, wenn er sich mit Erdogan gemein macht, der dabei ist, in der Türkei einen islamistischen und ultranationalistischen Unterdrückungsstaat zu etablieren, der Kurden, Aleviten und andere Minderheiten diskriminiert", sagte die Vorsitzende der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag der Augsburger Allgemeinen.

Aus Dagdelens Sicht ist die kritiklose Haltung des deutsch-türkischen Weltmeisters von 2014 gegenüber Erdogan und dessen Regime in der Türkei in seiner Rücktrittserklärung aus der Nationalmannschaft nicht akzeptabel.

Dagdelen: Özil-Kritik "Schlag ins Gesicht"

"Es ist ein Schlag ins Gesicht der unzähligen politisch Verfolgten in der Türkei, wenn die beschworene Verpflichtung gegenüber der Herkunft der Eltern nicht einmal jetzt dazu führt, dass Özil auch nur ein Wort über die Inhaftierung von deutschen Staatsbürgern als politische Geiseln oder die Verfolgung kritischer Journalisten verliert", klagte Dagdelen.

"Das ist kein Ruhmesblatt für einen Spieler der deutschen Nationalmannschaft, der Vorbildfunktion hat und für Fair Play stehen sollte, nicht nur auf dem Rasen", führte die 42-Jährige weiter aus.

Dem stimmte bereits am Vortag der DFB selbst zu. Manche von Özils Aussagen seien für den DFB "in Ton und Inhalt nicht nachvollziehbar", hieß es in einer Pressemitteilung.

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