Moskau und München - Mesut Özil steht nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft massiv in der Kritik. Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela und Cacau kritisieren den Umgang mit Özil scharf.

von Maximilian Lotz , Jochen Stutzky

Patrick Owomoyela hat den zuletzt heftig kritisierten Mesut Özil in Schutz genommen und den Umgang mit dem Nationalspieler in der Öffentlichkeit scharf verurteilt.

Vor allem die zunehmend rassistisch motivierte Kritik prangerte der Ex-Nationalspieler an.

"Es ist klar, dass gewisse Leute aus der Hecke schießen, die besser die Klappe halten sollten", sagte Owomoyela am Rande des Legends Cups in Moskau zu SPORT1.

Owomoyela sieht Fehler im Umgang mit Erdogan-Affäre

"Generell ist es schwierig einem Misserfolg, ein Gesicht zu geben. Man hätte besser die Mannschaft als solche thematisiert, weil man gemeinsam Erfolg und Misserfolg hat. Das Ganze jetzt an einem Namen oder einem Gesicht oder an einem Thema vor dem Turnier festzumachen, da ist von einigen Personen einiges nicht richtig gewesen, bei der Eindämmung des kleinen Schwelbrands", ergänzte der 38-Jährige.

Das Treffen von Özil und Ilkay Gündogan in London mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan entpuppte sich als starke Belastung in der WM-Vorbereitung.

Gündogan hatte sich anders als Özil anschließend der Kritik gestellt. DFB-Präsident Reinhard Grindel und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hatten Özil zuletzt öffentlich zu einem Statement gedrängt.

"Es war nie mein Weg, eine Kuh durchs Dorf zu treiben, daher sollte das nie zum Thema werden. Die Medien brauchen immer auch einen Sündenbock, aber es ist unfair, das an einer Person festzumachen", sagte Owomoyela.

Cacau: Statement wäre "in Mesuts Sinne"

Der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau bezeichnete die Causa Özil als "sehr zerfahrene Situation", würde eine Stellungnahme des Arsenal-Stars aber begrüßen.

"Ich denke, es wäre in Mesuts Sinne, wenn er sich äußert. Das würde der ganzen Geschichte einen Dämpfer geben. Man stürzt sich immer darauf, dass er noch nichts gesagt hat. Aber jeder hat seine eigenen Ziele und er muss selbst entscheiden, was er tut", sagte Cacau zu SPORT1.

Die Kritik aus dem rechten politischen Spektrum verurteilte der Ex-Nationalspieler ebenfalls.

"Wir pauschalisieren sehr oft, das ist nicht gut. Wir müssen die Dinge differenziert sehen. Wir müssen auch Kritik ausüben dürfen, wir müssen auch Dinge ansprechen können, ohne zu pauschalisieren, dann ist viel geschafft", sagte der 37-Jährige. "Pauschalisieren und in eine Schublade stecken tut unserer Gesellschaft nicht gut."

Kuranyi nimmt Özil in Schutz

Auch der frühere Nationalspieler Kevin Kuranyi hält die ständige Kritik an Mesut Özil für falsch. "Man darf die Schuld nicht auf einen Spieler schieben. Klar weiß er, dass er einen Fehler vor der Weltmeisterschaft gemacht hat. Er weiß auch, dass er vieles hätte anders machen müssen", so der 36-Jährige.

"Beim Turnier hieß es, es sei alles ausgeräumt, aber jetzt machen sie die Schublade wieder auf, um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen und die Schuld auf andere zu schieben", ist sich Kuranyi sicher.

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