Eppan - Trotz einer überragenden Saison beim FC Barcelona wird Marc-Andre ter Stegen hinter Manuel Neuer nur Nummer zwei im DFB-Tor sein. Sein Mentor spricht bei SPORT1.

von Florian Plettenberg , Jochen Stutzky , Onur Özdamar

Für den FC Barcelona absolvierte Marc-Andre ter Stegen in dieser Saison 48 Pflichtspiele und stand in zehn der letzten 14 Länderspiele zwischen den Pfosten.

Dennoch wird er bei der WM in Russland nur die Nummer zwei im deutschen Tor sein, weil Manuel Neuer nach achtmonatiger Verletzungspause wohl rechtzeitig fit wird und auf dem Weg zur Topform ist.

Wie SPORT1 am Freitagvormittag beobachtete, kam es zwischen Joachim Löw und ter Stegen zu einer fünfminütigen Unterredung - samt Handshake. Möglich, dass der Bundestrainer dem Barca-Keeper noch einmal die Gründe für seine Entscheidung mitteilte.

"Marc hätte es verdient, bei der WM zu spielen, weil er im Rhythmus ist", sagt dagegen Uwe Kamps im Gespräch mit SPORT1 zu ter Stegens Dilemma: "Aber Manuel hat natürlich durch die Vergangenheit super viele Erfolge auf der Fahne und hat daher auch die Berechtigung zu spielen." 

Ter Stegen reifte unter Kamps zum Weltklasse-Torhüter

Zehn Jahre ist es her, da trainierte ter Stegen erstmals unter Kamps, dem Torwart-Coach von Borussia Mönchengladbach. Unter Kamps reifte der heute 26-Jährige zum Stammtorwart der Fohlenelf, ehe der gebürtige Mönchengladbacher 2014 zum FC Barcelona wechselte. Noch heute stehen sie in Kontakt.

Wie geht sein ehemaliger Schützling mit der Rolle als Neuers Schattenmann um?

"Ich denke, dass Marc das Gefühl hatte, bei der WM spielen zu können. Dann kommt man im Trainingslager an und die Dinge werden relativ schnell geklärt. Das muss er akzeptieren, aber es ist natürlich bitter. Für ihn tut es mir super leid, dass er seine Chance wahrscheinlich nicht bekommt. Aber man muss auch sagen, dass es toll ist, dass Neuer wieder gesund geworden ist", ordnet der 53-Jährige das Schicksal seines einstigen Schützlings ein.

Neuer-Comeback? "Birgt ein Risiko"

Jedoch warnt der Ex-Profi, der als Torwart in 518 Pflichtspielen für die Gladbacher im Tor stand, auch vor einem zu schnellen Comeback Neuers.

"Das birgt natürlich schon ein Risiko. Er ist seit zwei, drei Wochen im Mannschaftstraining. Das ist noch keine allzu lange Zeit. Dadurch ist kein Spiel-Rhythmus vorhanden und eben dieser ist für einen Torwart schon wichtig - damit man wieder ein Gefühl für Raum und Zeit bekommt", erklärt Kamps.

Neuer jedoch lässt sich davon nicht beirren. In den bisherigen Trainingseinheiten und in beiden Tests gegen die U20 gab sich der Bayern-Keeper keine Blöße.

Im Gegenteil: Neuer strotzt vor Selbstbewusstsein. Ter Stegen bleibt derzeit nichts anderes übrig, als hinzunehmen, dass an einem fitten Neuer derzeit kein Vorbeikommen ist. Es ist eine Rolle, die er nach außen hin zu akzeptieren scheint, denn ter Stegen resigniert nicht.

"Marc ist für das Turnier vorbereitet"

Er wirkt auf dem Platz zwar introvertiert, dafür aber höchst fokussiert. Ter Stegen wird wissen, dass er ganz schnell wieder der Hoffnungsträger zwischen den Pfosten sein kann - wenn Neuer entgegen aller Erwartungen eben doch nicht fit wird.

"Marc ist für das Turnier vorbereitet", macht Kamps klar: "Er hat mit Barcelona eine super Saison gespielt. Er hat sehr gut gehalten und in den letzten Jahren eine tolle Entwicklung genommen - vor allem auch in der Nationalmannschaft."

Aufmunternde Worte, die er ter Stegen in den kommenden Tagen auch direkt zukommen lassen will. Kamps: "Wir werden mit Sicherheit nochmal Kontakt haben und schreiben. Er ist aber gefestigt, weil er in Barcelona auch geduldig sein musste. Das ist ein toller Weg. Seine Zeit in der Nationalmannschaft wird noch kommen. Wir können froh sein, dass wir in Deutschland so tolle Torhüter haben."

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