Niklas Süle wechselte 2017 von Hoffenheim zum FC Bayern © Imago

Eppan - Niklas Süle gehört zu den Senkrechtstartern der Saison. Trotzdem muss der FCB-Profi um sein WM-Ticket zittern. Im exklusiven SPORT1-Interview gibt sich Süle zuversichtlich.

von

In seinem ersten Jahr beim FC Bayern absolvierte Niklas Süle bereits 42 Pflichtspiele für den Rekordmeister. Jetzt will sich der 22-jährige Innenverteidiger auch in der Nationalmannschaft etablieren. SPORT1 traf Süle zum exklusiven Interview.

SPORT1: Herr Süle, auffällig ist, dass Sie sich im Vergleich zur Hoffenheim-Zeit körperlich verändert haben. Sie wirken sehr drahtig und austrainiert.

Niklas Süle: Ich habe meine Ernährung umgestellt und gemerkt, dass ich mich dadurch besser fühle. In Punkto Ernährung könnte ich aber noch viel, viel mehr machen. 

SPORT1: Jupp Heynckes soll Sie bei Bayern sehr früh auf das Thema Ernährung angesprochen haben. 

Süle: Das Thema Ernährung spielt vor allem für die Trainer eine wichtige Rolle. Auch für alle Trainer, die ich bisher hatte. Da nehme ich keinen raus. Ich habe vor allem bei den Bayern gemerkt, dass ich mehr machen muss und wollte dann auch in Sachen Ernährung etwas umstellen. Ich bin immerhin der einzige Spieler, der in dieser Saison nicht einmal ein Training durch eine Verletzung versäumt hat. Dann kann man so viel nicht falsch gemacht haben.

Niklas Süle und SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg trafen sich im DFB-Mannschaftshotel in Eppan © SPORT1

SPORT1: Ist Ihre Rolle beim DFB die gleiche wie beim FC Bayern? Mats Hummels und Jerome Boateng sind gesetzt - und Sie der erste Stellvertreter? 

Süle: Auf meiner Position sind wir bei der Nationalmannschaft wirklich gut besetzt: Matthias Ginter, Antonio Rüdiger, Jonathan Tah - da hat der Trainer die Qual der Wahl, wen er vorne sieht. Hinter mir liegt ein sehr gutes Jahr, in dem ich meine eigenen Erwartungen übertroffen habe. Selbst als alle Spieler fit waren, habe ich gespielt. Darum bin ich gut drauf!

SPORT1: Reicht das für das WM-Ticket?

Süle: Also, um jetzt nicht mit einer diplomatischen Antwort auszuweichen: Natürlich gehe ich davon aus, dass ich in Russland dabei bin. Trotzdem bin ich mir völlig bewusst darüber, dass wir sehr viele starke Spieler auf dieser Position haben. Am Ende entscheidet der Trainer, das respektieren alle Spieler im Team. 

SPORT1: Sie haben in jungen Jahren schon unter vielen namhaften Trainern gespielt, wie Julian Nagelsmann, Carlo Ancelotti, Jupp Heynckes und Joachim Löw.

Süle: Und nicht zu vergessen Markus Gisdol. Mit Julian Nagelsmann habe ich ja länger gearbeitet, er hat mich vor allem im taktischen Bereich weitergebracht. Julian ist ein absoluter Taktik-Freak, das hat uns damals in Hoffenheim und mir persönlich sehr geholfen. Bei Herrn Heynckes hat mir das Menschliche sehr imponiert: Jeder hat seine Spielzeit bekommen und wir hatten einen super Team-Spirit. 

SPORT1: Jupp Heynckes hat gesagt, Sie werden einmal der begehrteste Innenverteidiger der Welt sein.

Süle: Also mir hat Herr Heynckes oft gesagt, dass ich noch lange nicht zu den besten Innenverteidigern gehöre, es aber werden kann. Jupp Heynckes war ein großer Förderer von mir, dafür bin ich ihm sehr dankbar.

SPORT1: Müssen Sie sich manchmal kneifen, wie steil Ihre Karriere bis jetzt bergauf gegangen ist?

Süle: Mein Vater hat mir prophezeit, dass ich schon in meiner ersten Bayern-Saison oft spielen werde. Ich habe dann gesagt: Papa, langsam! Aber ich habe es mir erarbeitet, und ein bisschen Glück gehört auch immer dazu. 

SPORT1: Welcher Mitspieler, egal ob bei Bayern oder in der Nationalmannschaft, imponiert ihnen am meisten?

Süle: Ich spiele bei den Bayern mit Spielern wie Mats Hummels und Jerome Boateng zusammen. Sie sind beide Weltmeister und gehören zu den besten Spielern der Welt. Neben solchen Spielern kann ich in meiner Entwicklung den nächsten Schritt machen. Allein von Mats Hummels‘ Kopfballspiel könnte ich mir gerne eine Scheibe abschneiden. Für einen jungen Spieler wie mich ist es aber auch beeindruckend zu sehen, wie Arjen Robben tagtäglich arbeitet und was der alles erreicht hat. Den muss man ja fast bremsen.

SPORT1: Mit einem Superblock bremsten Sie in der Champions League gegen Real Madrid Superstar Ronaldo aus und stellten ihn auch sonst weitgehend kalt.

Süle: Ich hatte gute Momente und stand oft gut. Ronaldo ist zwar schnell, aber vielleicht doch nicht mehr ganz so schnell wie vor vier, fünf Jahren. Ich kam aus dem Kaltstart rein und hatte Glück, dass ich gesund geblieben bin.

SPORT1: Steigerten Ihre Leistungen gegen Ronaldo Ihr Selbstvertrauen?

Süle: Warum? Drei Tage später habe ich gegen Kölns Simon Terodde gespielt und habe überhaupt nicht gut ausgesehen gegen ihn. Ich war in diesem Spiel kaputt und enttäuscht. Daher habe ich es nicht gut gemacht. Bei Bayern muss man aber jede Woche gut abliefern.

SPORT1: Setzt Sie das unter Druck?

Süle: Gar nicht. Das muss man lernen und das weiß man vorher, wenn man zu den Bayern wechselt. Druck ist etwas Geiles. Uns Fußball-Profis kitzelt das, wenn man solche Spiele hat. 

SPORT1: Wie schalten Sie ab?

Süle: Ich verbringe mit Thomas Müller sehr oft Zeit auf dem Golfplatz. Das ist aber mittlerweile tatsächlich mehr ein harter Konkurrenzkampf als ein Abschalten. Bei Thomas und mir ist das übrigens immer eine besondere Situation. Egal, ob wir gegeneinander Mario Kart oder Golf spielen. Golfspielen ist für mich dennoch ein toller Ausgleich zu allem. Und zu Hause verbringe ich gerne Zeit mit meiner Freundin, meinem Hund und meinem Bruder.

SPORT1: Welches Utensil haben Sie aus München mit nach Eppan gebracht?

Süle: Meinen Nintendo Switch. Der ist in diesen Tagen ganz wichtig mit den Jungs. Ansonsten habe ich nichts Privates dabei.

SPORT1: Auf dem spielen Sie dann sicher Mario Kart. Wie gut sind Sie darin?

Süle: Ich würde sagen, dass ich bei Mario Kart der Beste bin (lacht).

SPORT1: Spielen Sie FIFA?

Süle: Früher habe ich viel FIFA gezockt. Mittlerweile kaum mehr, denn ich bin einfach zu oft weg. Meine Freundin freut sich auch, wenn ich mir mal Zeit für sie und unseren Hund habe.

SPORT1: Nächste Woche soll es ein FIFA-Turnier mit den Spielern der U20 geben.

Süle: Meine Prognose: Ich komme mindestens ins Halbfinale. In der Nationalmannschaft spielen wir übrigens gar nicht so oft FIFA. Bei den Bayern hatten wir eine Phase, da haben wir es mehr gezockt. Da war ich mit Sebastian Rudy der Beste. Thomas Müller hingegen spielt ein bisschen komisch. Immer passen und gehen, passen und gehen. So wie im echten Leben. Es sieht komisch aus, ist aber effektiv.

SPORT1: Sie sollen ein schlechter Verlierer sein.

Süle: Würden Sie in der Mannschaft fragen, bekämen Sie ganz sicher die Antwort, dass ich der schlechteste Verlierer bin. Spielen wir Mario Kart, sage ich schon im Vorfeld, dass wir eh nicht spielen brauchen, weil ich gewinne. Werde ich dann nur Vierter, rege ich mich auf.