Horst Hrubesch und Timo Werner arbeiteten in der deutschen U21 zusammen
Horst Hrubesch und Timo Werner arbeiteten in der deutschen U21 zusammen © Imago

Eppan - Horst Hrubesch analysiert bei SPORT1 die neue Generation der Nationalmannschaft. Werner, Süle, Brandt oder Sane: Der frühere U21-Trainer ist von ihnen überzeugt.

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Sieben Spieler aus den Jahrgängen 1995 und 1996 kämpfen im DFB-Trainingslager in Eppan um ein WM-Ticket für Russland.

Timo Werner, Leroy Sane, Joshua Kimmich, Niklas Süle, Leon Goretzka, Julian Brandt und Jonathan Tah sind aber nicht nur Kandidaten für potenzielle WM-Überraschungen. Sie sind Hoffnungsträger für eine neue Weltmeister-Generation.

Horst Hrubesch kennt die Jungstars im vorläufigen WM-Kader ganz genau, trainierte sie unter anderem in der U21 und bei den Olympischen Spielen in Rio. Ihren Weg verfolgt Hrubesch bis heute, noch immer steht er mit ihnen in Kontakt.

"Ich bin stolz auf die Jungs. Vor allem darauf, wie sie sich entwickelt haben - auch charakterlich. Dass sie kicken können, wissen sie. Aber das sind alles Typen, die mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Das ist auch eine Stärke, die dazu verhilft, erfolgreich zu sein und nach Niederlagen wieder aufzustehen", schwärmt Hrubesch bei SPORT1.

"Alle haben eine Riesen-Qualität"

Vielmehr Enttäuschung als Niederlage wäre für die Jungstars eine Nicht-Berufung in den finalen WM-Kader. Am 4. Juni gibt Bundestrainer Joachim Löw die vier Streichkandidaten bekannt.

"Wenn es nach mir geht, braucht keiner gestrichen zu werden. Die haben alle eine Riesen-Qualität, aber wir wissen ja auch, dass der deutsche Kader eine sehr große Qualität hat. Wird aber doch jemand von ihnen gestrichen, sind sie alle jung genug, um wiederzukommen", sagt Hrubesch.

2008 holte die Trainer-Legende, aktuell noch bis September 2018 Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft, mit der deutschen U19-Nationalmannschaft den EM-Titel. 2009 gelang ihm das Kunststück auch mit der U21. 2016 gewann er mit der deutschen Olympia-Auswahl in Brasilien die Silbermedaille.

Als goldene Generation will Hrubesch die Jahrgänge 1995 und 1996 nicht bezeichnen. Es sei schlichtweg eine "sehr gute", ebenso wie die Jahrgänge 1987 und 1988 um die Weltmeister Sami Khedira, Mats Hummels, Mesut Özil und Jerome Boateng "sehr stark" waren.

Lobend stellt Hrubsch indes fest, dass "die Spieler ihre Entwicklung immer wieder selbst vorangetrieben haben". So wechselte Tah 2015 von Hamburg nach Leverkusen und wurde dort Stammspieler. Sane reifte bei Manchester City in dieser Saison zum Stammspieler in einem Starensemble. Süle setzte sich auf Anhieb bei den Bayern durch. Werner steht längst bei vielen europäischen Topklubs auf dem Zettel.

Müller dient als Vorbild

Vor Einzelgängen der Jungspunde warnt Hrubesch jedoch ausdrücklich. "Die Mannschaft mit den besten Individualisten wird den WM-Titel nicht gewinnen, denn wenn es hart auf hart kommt, kannst du nur als Team überleben. Man kann mal egoistisch sein, aber am Ende muss man eine Einheit demonstrieren. Das ist der entscheidende Faktor."

Im Kreise der Nationalmannschaft müssen die Jungstars nun mit den zahlreichen etablierten Stars wie Sami Khedira und Manuel Neuer eine Einheit bieten. Längst zählen Titel-Sammler wie Thomas Müller sogar zu ihren Vorbildern.

"Er wurde mit Anfang 20 Profi beim FC Bayern, stieß dann schon relativ früh zur Nationalmannschaft. Bei der WM 2010 war er dann Stammspieler und Torschützenkönig. Das war so ein Werdegang, an dem sich meine Generation orientiert hat", sagt Süle zu SPORT1.

Einen erfolgreichen WM-Werdegang, womöglich sogar eine WM-Überraschung zu werden, traut Hrubesch seinen Ex-Schützlingen zu. "Jeder der Jungs hat das Zeug dazu. Wenn Süle spielt, kann er die große Überraschung werden. Oder Brandt. Wenn Werner alle Spiele macht, kann er Torschützenkönig werden. Sie haben alle schon nachgewiesen, dass sie die Qualität dazu haben."