München und Berlin - Toni Kroos äußert nach dem schwachen Auftritt des DFB-Teams gegen Brasilien Kritik. Dabei nimmt sich der Real-Spieler vor allem die Spieler aus der zweiten Reihe zur Brust.

Deutschland unterliegt Brasilien völlig verdient mit 0:1. Dabei tun sich bei der von Bundestrainer Joachim Löw eingesetzten B-Elf einige Baustellen auf.

Toni Kroos äußert deutliche Kritik und nimmt sich vor allem die Spieler aus der zweiten Reihe zur Brust, die gegen Brasilien die Chance verpassten, für sich zu werben. Löw ist vor allem mit der Körpersprache seiner Spieler nicht zufrieden.

SPORT1 fasst die Stimmen von ZDF und aus der Mixed Zone zusammen:

Toni Kroos: "Mannschaftlich überwiegt heute das Negative. Wir sind nicht so gut, wie uns immer eingeredet wird. Wir haben uns viel zu leicht abkochen lassen. Heute war es deutlich zu wenig von allen. Wir haben viele Bälle verloren, entweder durch technische Fehler oder weil wir uns in den Zweikämpfen nicht durchgesetzt haben."

... zu den neu rein gekommenen Spielern: "Natürlich ist es schwierig mit vielen Umstellungen, aber jeder einzelne ist auch für sich verantwortlich, dass er sein Bestes gibt. Heute hatten einige Spieler die Chance sich zu zeigen, haben es aber nicht getan. Ich habe von allen mehr erwartet. Da ist noch eine Menge Luft nach oben."

... über die Bedeutung der Niederlage für die WM: "Wir sind nicht der absolute Favorit, der nach Russland fährt. Das war vorher Quatsch und ist auch jetzt Quatsch. Aber vielleicht gibt es jetzt ein paar mehr, die das auch so sehen."

Joachim Löw (Bundestrainer): "Dass die Brasilianer mit ihrer verletzten Seele mit ihrer besten Mannschaft spielen und hochmotiviert auftreten, war so zu erwarten. Das war heute nicht unser Tag. Es war ein Test und wir haben einige Wechsel gemacht. Das hat man der Mannschaft natürlich auch angemerkt. Wir haben uns viele Abspielfehler, viele leichte Fehler erlaubt und damit die Brasilianer stark gemacht. Wenn die brasilianische Seele jetzt ihren Frieden findet, ist das absolut okay."

... über A- und B-Elf: "Es wäre vermessen zu sagen, dass es zwei gleichstarke Mannschaften geben kann. Heute waren ein paar junge Spieler auf dem Platz, die ihre Erfahrungen gemacht haben und daraus ihre Lehren ziehen werden. Man hat gemerkt, dass wir nicht so ganz eingespielt und harmonisch waren."

... über das Gegentor: "So etwas darf nicht passieren. Im Sechzehner gibt es Manndeckung und nichts anderes. Da hätte man sich schneller zuordnen müssen. Man muss immer verteidigen zwischen Gegenspieler und Tor. Da standen wir aber eigentlich in jeder Situation irgendwie schlecht."

... über die Fehler des DFB-Teams: "In der ersten Halbzeit hatten wir viele Ballverluste, so sind wir nicht in die Gänge gekommen. Das Umschalten nach Ballgewinn hat mir vor allem in der ersten Halbzeit gefehlt. Vor allem die Körpersprache hat bei vielen Spielern nicht gestimmt. Das war keine ganz runde Leistung von uns. Jeder hat auf jeder Position mit sich selbst gekämpft. Jeder einzelne kann natürlich besser spielen."

... über die Auswechslung von Jerome Boateng: "Er hat einen Schlag auf den Knöchel bekommen. Einer ist da mit dem ganzen Gewicht auf die Achillessehne drauf gefallen. Ich glaube aber, dass es nicht ganz so schlimm ist. Ich denke nicht, dass da etwas gerissen ist."

... über Neuer: "Ich gehe davon aus, dass er das ein oder andere Spiel macht vor der Nominierung, ansonsten müssen wir mal sehen, wie sein Fitnesszustand insgesamt ist. Ich bin aber sehr optimistisch."

Ilkay Gündogan: "Es war ein bisschen Licht da, aber auch viel Schatten. Wir haben viele einfache Fehler gemacht und viele Kontersituationen zugelassen. Es gibt noch einiges zu verbessern. Ich selbst kann es auch deutlich besser machen. Am Ende war es zum Glück nur ein Test. Wir müssen nun selbstkritisch sein und ansprechen, woran wir feilen müssen. Zum Glück haben wir noch etwas Zeit."

Kevin Trapp: "Wir hatten unsere Chancen. Das war ein Spiel, das wir nicht hätten verlieren dürfen."

Julian Draxler: "Jeder einzelne hat schauen können, wo er steht gegen zwei Weltklasse-Mannschaften. Der Bundestrainer wird sicherlich auch einige Erkenntnisse gewonnen haben, was auch das Ziel des Ganzen war. Gegen Spanien haben wir ein gutes Spiel gemacht, heute war es dagegen schwach. Wir haben nicht gut gespielt. Ich sehe aber nicht schwarz in Richtung WM, sondern es war ein Weckruf zur richtigen Zeit."

... über die Rotation: "Es war richtig, dass sich viele Spieler Richtung WM zeigen konnten und da war es dem Bundestrainer schon klar, dass er nicht voll auf Ergebnisfußball spielen kann. Wir haben es uns selbst schwierig gemacht, ich habe Brasilien nicht so stark gesehen. Fakt ist, dass wir nicht gut waren, aber ich kann jetzt nicht bei jedem in den Kopf schauen, warum das so war."

... über seine eigene Leistung: "Ich hätte auch mehr Dampf machen können und war nicht zielstrebig genug. Über beide Spiele gesehen bin ich aber mit meiner Leistung zufrieden."

Mario Gomez: "Ich glaube, wenn es nur ums Gewinnen gegangen wäre, hätte der Trainer anders aufgestellt. So war es für uns nur ein Test. Aber als Fußballer will man natürlich immer gewinnen."

... über seine eigene Leistung: "Ich wollte in den Tagen mein bestmögliches anbieten und habe das auch gemacht. Nun werde ich das auch in den nächsten zwei Monaten tun. Mal schauen, ob das reicht."

Thiago Silva (Kapitän Brasilien): "Was wir heute hier gezeigt haben, war ein Stück mehr als sonst. Es war eine Frage des Stolzes, nach all dem, was geschrieben und gesagt worden ist. Dieses Trikot hat ein bisschen mehr Respekt verdient. Deshalb bin ich überglücklich über den Sieg gegen einen großen Gegner."

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