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Rettet Marco Rose seine Amtszeit in Gladbach ausgerechnet mit einem Erfolg im DFB-Pokal gegen seinen zukünftigen Klub? Niko Kovac könnte als Vorbild gelten.

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Die Tage rund um Ostern im April 2018 haben einen festen Platz in den Geschichtsbüchern von Eintracht Frankfurt gefunden. 

Die Gerüchteküche brodelte, Niko Kovac wurde täglich intensiver mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht. Und dann fiel er, der legendäre Satz: "Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass ich im nächsten Jahr hier nicht Trainer bin. Punkt... Stand jetzt."

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Zehn Tage später hatte das gesamte Umfeld Gewissheit - der Stand hatte sich vollständig verändert. Kovac sprach von einem "dynamischen Donnerstag", nachdem sich Hasan Salihamidzic gemeldet und einen Vertrag angeboten hatte. Der zuvor so beliebte Trainer war bei den Eintracht-Fans plötzlich unten durch, die Anhängerschaft fühlte sich getäuscht und hintergangen. Die Rufe nach einer sofortigen Ablösung wurden laut, die Frankfurter drohten ihre sportlichen Ziele zu verfehlen.

Bobic kritisiert FC Bayern

Ganz nebenbei stieg Sportvorstand Fredi Bobic in diesem Moment zum großen Helden für die Fans auf: "Die Bayern haben an sich gedacht, und nicht an das, was Eintracht wichtig ist." Die Hessen belegten zu diesem Zeitpunkt Rang fünf und rutschten nach nur einem Sieg aus den letzten fünf Bundesligapartien noch auf den achten Platz ab.

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Bobic kritisierte den FC Bayern scharf: "Aber so ist es im Fußball. Trotzdem halte ich die Vorgehensweise für respektlos." Der schwarze Peter wurde dem deutschen Abonnementmeister zugeschoben, der eigene Coach geschützt.

Das Ende ist bestens bekannt. Bobic hielt an Kovac fest, die Eintracht sicherte sich durch einen Geniestreich von Luka Jovic auf Schalke zunächst den Einzug in das DFB-Pokal-Finale und triumphierte in der Hauptstadt erstmals nach 30 Jahren – ausgerechnet gegen den FC Bayern München. Raus mit Applaus, Jubel statt Pfeifkonzert auf dem Frankfurter Römer rundeten die zweieinhalbjährige Amtszeit des Kroaten in Frankfurt somit ab.

Fans sind sauer auf Marco Rose

Kovac blickte zuletzt bei SPORT1 auf seine Aussage zurück: "Als ich damals gesagt habe 'Stand jetzt', da war es auch 'Stand jetzt'. Man hat jetzt ähnliche Fälle in der Bundesliga, mit Marco Rose und Fredi Bobic. Es ist leicht, auf Menschen zu zeigen, wenn man nicht selbst in so einer Situation ist."

Eben dieser Marco Rose musste in den vergangenen Wochen erleben, wie schnell sich der Wind in einem nervösen Business drehen kann. "Kein Söldner steht über dem Verein! Raus mit dem Charakterschwein" stand auf einem Banner, das Fans nach der offiziellen Verkündung des Wechsels zu Borussia Dortmund vor dem Gladbacher Stadion aufgehängt haben.

Und dann unterlief ihm auch noch ein pikanter Versprecher bei der offiziellen Pressekonferenz: "Grundsätzlich stehe ich zu allem, was ich gesagt habe, über Borussia Dortmund, die Fans und die Leute, mit denen ich zusammenarbeite", so Rose. Natürlich war hier Borussia Mönchengladbach gemeint... Die Entschuldigung jedenfalls konnte die aufgebrachten Gemüter nicht beruhigen.

"Stand jetzt" gab es von Rose in den Wochen zuvor zwar nicht zu hören, doch die von Manager Max Eberl bezifferte 98-prozentige Verbleibchance hatte ähnliche Züge. 

Die Enttäuschung nach der Entscheidung von Rose soll bei den Profis sehr groß gewesen sein, zwischenzeitlich kursierten wildeste Gerüchte über ein sofortiges Ende der Zusammenarbeit. Wären die Stadien aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht leer - es wäre wohl feindselig geworden im Borussia-Park.

Eberl wie einst Bobic in Frankfurt

Wie einst Bobic bei der Eintracht schwang sich nun auch Eberl bei den Gladbachern zum ganz starken Mann auf. "Der Kopfmensch wird emotional", titelte SPORT1 in einem Kommentar. "Ich bin überzeugt, dass wir wieder neue handelnde Personen finden, die dem Klub neue Kraft geben werden", sagte der Manager.

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Bobic klang vor drei Jahren ebenso: "Ich bin überzeugt davon, dass wir auch ohne Kovac ein sehr gutes Team behalten und für die Zukunft gerüstet sein werden. Glauben Sie mir: Wir sind vorbereitet und wissen, was wir zu tun haben." Parallelen also, egal wohin man schaut.

Titel heilen viele Wunden

Kann Rose auch in die Kovac-Rolle schlüpfen? "Bei allem Respekt: Ich habe alles gesagt, was es zu sagen gibt. Es gibt Fragen, die ich nicht mehr beantworten muss", bügelte der Coach diese romantischen Gedanken weg.

Doch auch Rose weiß: Ein Sieg im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen dessen neuen Klub Borussia Dortmund könnte die Gemüter nach nur einem Punkt aus fünf Pflichtspielen beruhigen.

Seit 26 Jahren warten die Fans der Gladbacher auf einen Titel, Rose hat noch die Möglichkeit, diesen Triumph feiern zu dürfen. In Frankfurt jedenfalls konnten die Fans danach ihren Frieden mit Kovac schließen - am Niederrhein wäre ein ähnlich lauter Applaus zu erwarten. Denn Titel heilen viele Wunden.