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München - Huub Stevens kandidiert nicht mehr für einen Posten im Aufsichtsrat des FC Schalke 04. Im SPORT1-Interview erklärt er die Gründe für seinen Rückzug.

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Die Nachricht kam überraschend. Huub Stevens wird ab dem Sommer kein offizielles Amt mehr beim FC Schalke 04 inne haben. Der 67-Jährige verkündete am Montag seinen bevorstehenden Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Königsblauen. Drei Jahre gehörte er dem Kontrollgremium an.

Doch nach der nächsten Mitgliederversammlung will er sich zurückziehen und nur noch für seine Familie da sein.

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SPORT1 erreichte Schalkes Jahrhunderttrainer am Montagabend und sprach mit ihm über seine Entscheidung, einen drohenden Abstieg von S04 und Neuzugang Shkodran Mustafi.

SPORT1: Herr Stevens, Sie werden im Schalker Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren. Da dürfte sich Ihre Frau freuen, weil Sie mehr Zeit haben werden für die Familie.

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Huub Stevens: Nicht nur meine Frau, sondern auch meine lieben Enkelkinder.

SPORT1: Wie haben die Leute auf Schalke reagiert?

Stevens: Ganz ehrlich? Das weiß ich nicht, weil ich gar keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, weil es der letzte Tag im Transfergeschäft war. Da müssen wir vom Aufsichtsrat auch mitentscheiden, zumal ich im Sportausschuss des Aufsichtsrates sitze. Es war noch mal ein hektischer Tag, weil wir alles mit absegnen mussten.

Huub Stevens: So schwer fiel dem Jahrhundertrainer der Schalke-Rückzug

SPORT1: Ist Ihnen der Entschluss schwer gefallen?

Stevens: Ziemlich schwer sogar. Ich wollte Schalke immer helfen und jetzt soll es nicht so aussehen, als ob ich den Klub im Stich lasse. Es war nicht einfach, diese Entscheidung zu treffen. Aber ich werde nicht jünger und darum habe ich mit allem Respekt vor Schalke gesagt, dass ich wieder mehr bei meiner Familie sein will. Schalke kann mich immer anrufen, egal wann. Ich werde bereit stehen, um mit einem Rat zu helfen. Ich will nur eben den ganzen Stress nicht mehr.

SPORT1: Hatte Ihre Frau vor Freude feuchte Augen?

Stevens: (lacht laut) Nein, das nicht. Aber sie hat all die Jahre gesehen, was dieser Job im Fußball für Kraft kostet, auch im Dezember war ich selten daheim. Jedes einzelne Training früher als Trainer, die vielen Spiele und in der jüngeren Vergangenheit die vielen Termine mit dem Aufsichtsrat - das schlauchte auf Dauer ganz schön. Darum habe ich mir gesagt, dass das bitte ein anderer machen soll. Wer meine Hilfe braucht, der weiß mich zu finden. Ich bin ein Schalker und bleibe ein Schalker.

SPORT1: Kritiker werden sagen, dass Huub Stevens den Klub in seiner schwierigsten Phase im Stich lässt. Was sagen Sie dazu?

Stevens: Ich renne nicht weg. Ganz und gar nicht. Wer das sagt, hat nichts kapiert. Ich werde alle Verpflichtungen wahrnehmen bis zur Versammlung. Ich stelle mich nur nicht mehr zur Wiederwahl. Das ist etwas ganz anderes. Die Mitglieder haben dann jetzt die Chance, andere und jüngere Leute zu wählen, die Schalke auch im Herzen haben wie ich. Und ich tue dies auf eine Art und Weise, mit der ich dem Verein nicht schade. Ich lasse Schalke nicht im Stich. Ich habe dem Klub schon oft geholfen und werde das auch in der Zukunft tun, wenn meine Meinung zu bestimmten Themen gefragt ist. Ich werde immer helfen, damit meine ich aber nicht, dass ich noch mal auf der Bank sitzen werde, sondern ich könnte mir vorstellen, Spieler zu beobachten, Scouting-Aufgaben zu übernehmen oder einfach nur ein Urteil zu einem Spieler abzugeben.

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Stevens hofft im Abstiegskampf auf die Rettung

SPORT1: Wird Schalke sich retten?

Stevens: Wenn ich das wüsste. Das hoffen alle Schalker. Es gibt noch genug Spiele, um zu punkten. Aber mit jedem weiteren Spiel wird es schwieriger und die Angst vor dem Abstieg größer.

SPORT1: Wie schwer waren die vergangenen Monate emotional für Sie?

Stevens: Das war verdammt hart, das ist doch klar. Wenn ich nur daran denke, dass wir in der letzten Minute gegen die Kölner verloren haben, dann tut das weh. Oder die letzten Minuten in Bremen, als es darum ging, diesen einen Punkt noch zu retten. Sowas geht an die Nerven.

SPORT1: Was war in den zurückliegenden Wochen besonders hart für Sie?

Stevens: Es ist so schwer, mit anzusehen, dass mein Verein unten drin steht und da nicht wirklich rauskommt. Das tut weh. Die Jungs versuchen oft alles, aber es ist dann doch eine Kopfsache, gerade für die jungen Spieler. Ich hoffe, dass sie durch diese Situation lernen, mental stärker zu werden. Es muss eine gewisse Erfahrung in die Truppe rein. Auch in der Kabine müssen Spieler dabei sein, die den Kollegen helfen können. Spieler wie Klaas-Jan Huntelaar, Benjamin Stamboli oder jetzt Shkodran Mustafi können mit ihrer Erfahrung helfen im Miteinander.

Stevens erklärt Kabak-Abgang und Mustafi-Verpflichtung

SPORT1: Was sagen Sie zum Transfer von Ozan Kabak nach Liverpool?

Stevens: Man muss doch ehrlich sein. Wenn ein Verein wie der FC Liverpool bei uns anklopft für einen Spieler, dann kannst du stur sein und Nein sagen. Aber doch nicht in der Situation, in der sich Schalke befindet. Der Spieler möchte auch gerne so eine Chance wahrnehmen und wechseln. Wenn dann die finanzielle Sache gut geklärt werden kann, dann musst du das machen. Und du kannst es dann umsetzen, wenn du einen Ersatz bekommst.

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SPORT1: Und wie beurteilen Sie den Wechsel von Shkodran Mustafi zu Schalke? Er war länger verletzt.

Stevens: Ich hoffe, dass er der gewünschte Ersatz für Kabak sein kann. Er hat Erfahrung, ist ein Leader auf dem Platz. Nur hoffe ich ganz schwer, dass er wieder seinen Rhythmus findet, um wichtig zu sein auf dem Rasen. Dann ist Mustafi ein absoluter Gewinn. Kabak ist natürlich ein Verlust.

SPORT1: Sie klingen enttäuscht...

Stevens: Sicher ist das schade, dass so ein Spieler uns verlassen muss. Aber in der jetzigen Situation kann Schalke sich nichts wünschen. Kabak ist ein junger Verteidiger, der in den vergangenen Monaten auch sehr unter dem Druck gelitten hat. Er hat sich nicht mehr so wohl gefühlt. Vor allem in den Spielen zuletzt. Das hat zum großen Teil mit Druck zu tun. Kabak hatte, wie viele andere, oft seinen Kopf nicht frei.

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SPORT1: Ist der Druck auf Schalke momentan unmenschlich?

Stevens: Es gibt den Spieler, der Druck hat, damit er sich mit seinem Team für die Champions League oder die Europa League qualifizieren kann und es gibt den Druck im Abstiegskampf. Das auf Schalke ist ein schrecklicher Druck. Jetzt ist diese Belastung voll da. Das spürt man von außen. Es ist weiß Gott nicht einfach, die Köpfe der Spieler frei zu kriegen. Und das gelingt nicht alleine, da braucht man alle im Klub. Man muss sich untereinander helfen, das ist ganz wichtig.

"Vom ersten Tag an ein gutes Gefühl bei Christian Gross"

SPORT1: Wie hilft Christian Gross. Sie haben ihn mitbekommen.

Stevens: Ich bin nicht beim Training und nicht in der Kabine, aber ich hatte vom ersten Tag an ein gutes Gefühl bei Christian Gross. Nach der Woche, in der ich im Dezember eingesprungen bin, habe ich mit Christian gesprochen und in diesem Gespräch hat er auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht. Er ist ruhig und erfahren, das braucht Schalke. Und er hat dem Team einen kleinen Push nach vorne gegeben. Das habe ich auch schon in der Woche mit mir feststellen können. Das waren kleine, wertvolle Schritte, die jetzt weiter gegangen werden müssen.

SPORT1: Was muss Gross noch machen?

Stevens: Er ist so ein erfahrener Trainer, er braucht keinen Rat von mir. Wenn doch, kann er mich immer anrufen.

SPORT1: Sie werden ab jetzt wieder mehr Privatsphäre genießen können. Worauf freuen Sie sich besonders?

Stevens: Also, natürlich freue ich mich sehr auf meine Familie. Aber aufgrund der aktuellen Lage in der Welt können wir abends nicht mehr außer Haus. Leider können wir nirgendwo hin. Darum hoffe ich, dass die Menschen sich weiter an die Regeln halten, damit wir ganz schnell aus dieser Krise rauskommen. Wir möchten uns doch alle wieder so bewegen, wie wir das vor Corona tun konnten. Ich appelliere an die Vernunft der Leute.

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Erneute Rückkehr? Stevens legt sich fest

SPORT1: Und keine Angst, dass es wieder kitzelt und Sie wieder in die Veltins Arena wollen?

Stevens: Nein. Das sollen ab jetzt andere machen. Ich freue mich auf gemütliche Abende vor dem Fernseher mit einem guten Glas Wein in der Hand. Ich werde den ganzen Zirkus schon vermissen, man vermisst immer etwas, aber die Spannung bleibt weiter in mir. Aber auf eine andere Art und Weise. Wenn Schalke spielt, werde ich immer am Fernseher mitfiebern. Und ich hoffe, dass wieder öfter erfolgreicher Fußball gespielt wird.

SPORT1: Ein Abstieg wäre eine Katastrophe, oder?

Stevens: Oh ja. Daran will ich nicht denken. Mir tut jeder einzelne Mitarbeiter leid. Da käme einiges auf den Klub zu. Die Fans sind jetzt leider nicht im Stadion, aber sie leiden auch zu Hause mit.

SPORT1: Die Finanzchefin von Schalke sagte zuletzt, dass man ein Jahr 2. Liga hinbekäme. Wie sehen Sie es?

Stevens: Lieber nicht. Aber wenn es so kommen wird, dann glaube ich, dass wir das schon verkraften können. Doch ich wünsche mir so sehr, dass Schalke in der Bundesliga bleiben kann. Ich sehne mich nach der alten Zeit zurück.