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München - Der DFB-Pokal lebt nicht nur von seiner Spannung, sondern auch von seinen Sensationen. SPORT1 erinnert an die zehn denkwürdigsten im Achtelfinale.

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Diese Woche steigt das Achtelfinale des DFB-Pokals. Die Historie berechtigt zu der kecken Frage: Gibt es die große Sensation schon am Dienstag oder erst am Mittwoch?

Außenseitersiege sind quasi garantiert im Achtelfinale, wo sich mit Rot-Weiss Essen (gegen Leverkusen) sogar noch ein Viertligist tummelt. Die Zweitligisten Paderborn (in Dortmund) und Bochum (in Leipzig) stehen vor hohen Auswärtshürden, die der Fürther in Bremen erscheint etwas niedriger.

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SPORT1 zeigt im DFB-Pokal-Achtelfinale das Duell VfL Wolfsburg - Schalke 04 am 3. Februar ab 17.30 Uhr LIVE im TV und im STREAM - mit ausführlichen Vor- und Nachberichten und "Mixed Zone – Die Volkswagen Tailgate Tour Live"

Bei Jahn Regensburg – 1. FC Köln liegt die Überraschung schon in der Luft. Mut schöpfen können alle Underdogs aus der Historie und der ebenso abgedroschenen wie zutreffenden Floskel, dass der Pokal eben seine eigenen Gesetze hat.

SPORT1 nennt die Top-Ten der Achtelfinal-Sensationen.

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Platz 10:  1. FC Saarbrücken - VfB Stuttgart 3:0 nach Elfmeterschießen (5. 2. 1985)

Schon das erste Spiel in Stuttgart, das nach 120 torlosen Minuten abgepfiffen wird, ist eine Blamage für den VfB. Der amtierende Meister muss nach damaliger Regelung also zum Wiederholungsspiel nach Ludwigshafen, wohin der Zweitligist ausweicht. 30.000 kommen trotzdem, ihre Mannschaft zu sehen.

Und einen Meister, der jeder Beschreibung spottet. Da stehen sie nun, die Förster-Brüder, Karl Allgöwer, der junge Jürgen Klinsmann, Klublegende Hermann Ohlicher und wie sie alle heißen und müssen sich noch einmal verspotten lassen. 

Weniger über das eigentliche Spiel, das wieder keinen Sieger hat. Zweimal geht der VfB in Führung, zweimal gleicht der FCS aus. Nein, die Mega-Blamage passiert dem Team von Helmut Benthaus erst im Elfmeterschießen.

Die VfB-Saison erreicht ihren Tiefpunkt

Das Protokoll der VfB-Schande: Stefan Jambo überwindet Helmut Roleder, 1:0. Karl Allgöwer scheitert an Carsten Hallmann. 2:0 durch Michael Blättel. Karlheinz Förster scheitert an Hallmann. Norbert Schlegel trifft zum 3:0. Peter Reichert schießt am Tor vorbei – und damit ist es auch vorbei.

Die schon in der Liga verkorkste VfB-Saison hat ihren Tiefpunkt erreicht. Trainer Benthaus, wie bezeichnend, hat sich Reicherts Schuss schon gar nicht mehr angesehen und bereits den Gang in die Kabinen angetreten. Kollege Uwe Klimaschefski liefert den Spruch des Abends: "Man muss mal bedenken, vor zwei Jahren haben wir noch im Sandkasten gespielt, jetzt schlagen wir den deutschen Meister."

Platz 9: Energie Cottbus - MSV Duisburg 5:4 nach Elfmeterschießen (23. 10. 1996)

In der Regionalliga Nordost rennen sie alles nieder, über 50 Spiele werden sie am Saisonende ungeschlagen sein. Aber sind die Kicker von Energie Cottbus wirklich stark genug für einen Bundesligisten?

Die Antwort auf diese Frage interessiert nur 8000 Zuschauer, die an jenem Mittwochabend ins Stadion der Freundschaft kommen, das zuvor schon zwei Zweitligisten als Verlierer verlassen haben. Nun also Friedhelm Funkels MSV, passabel gestarteter Aufsteiger im Oberhaus.

Konetzke bringt Cottbus in Führung

Energie, vom letzten DDR-Auswahl-Trainer Eduard Geyer gedrillt und angetrieben, geht nach 67 Minuten durch Thoralf Konetzke in Führung. Völlig verdient. Funkel sagt später: "Meine Mannschaft hat bis zum Rückstand wohl gedacht, das hier ist ein Freundschaftsspiel." Der Schiedsrichter hat die Pfeife schon im Mund, da gelingt Thorsten Wohlert mit der ersten MSV-Chance der Ausgleich.

Normal wirft ein solches Ereignis die Kleinen zurück, in der Verlängerung setzen sich dann die Großen durch. So geht es auch Geyer durch den Kopf: "Nach dem 1:1 habe ich gedacht, der Kahn geht unter. Aber die Mannschaft hat eine tolle Moral bewiesen." Denn in Cottbus ist um die Jahrtausendwende nichts normal, die große Zeit der Lausitzer, die es auf sechs Bundesligajahre bringen sollten, fängt gerade erst an.

Neun von zehn Elfmeter-Schützen treffen

Dieser Abend ist ein Vorgeschmack. Jens Melzig glückt das 2:1 (96.), das Miroslav Bicanic prompt egalisiert (99.). Schlusspfiff. Es kommt zum Elfmeterschießen. Neun von zehn Schützen treffen, einer nicht: Marc Kienle scheitert an Kay Wehner. Jörg Woltmann macht den Deckel drauf auf die Energie-Leistung, die keiner erwartet hat.

Es erwartet auch keiner wirklich, dass man sich diese Namen wird merken müssen. Hoßmang, Benken, Irrgang, Kronhardt… Doch ein halbes Jahr später stehen die Lausitzer als zweiter Drittligist überhaupt im Pokalfinale.

Platz 8: 1. FC Saarbrücken - Karlsruher SC 5:3 nach Elfmeterschießen (5. 2. 2020)

Das Los meinte es gut mit dem 1. FC Saarbrücken – und dennoch: Einen echten Heimvorteil hat der Viertligist nicht im Duell mit dem Zweitligisten. Corona ist zwar nur eine vage Bedrohung, Zuschauer dürfen noch kommen, aber der heimische Ludwigspark wird schon seit Jahren renoviert.

Also müssen die Saarbrücker wie schon im Ligaalltag auch für dieses Spiel nach Völklingen ausweichen, wo 6800 Zuschauer im Hermann-Neuberger-Stadion zwei lange Stunden vergeblich auf Tore warten. Ein Zwei-Klassen-Unterschied ist bis zuletzt nicht erkennbar und so steuern beide Teams auf ein Elfmeterschießen zu.

Beide Trainer geben ihr Debüt

Kurios, dass beide Trainer ihr Debüt gaben. Saarbrücken hat trotz Tabellenführung Dirk Lottner gefeuert und Lukas Kwasniok das Kommando übergeben, den im Abstiegskampf der 2. Liga taumelnden KSC übernimmt Christian Eichner (für Alois Schwartz). Die Verunsicherung wegen dieser Personalien mag das bescheidene Niveau der Partie auch erklären, die Höhepunkte ergeben sich erst nach Abpfiff des Fußballspiels.

Im Elfmeterschießen zeigen die Amateure keinerlei Nerven und verwandeln alle fünf Schüsse. Dagegen scheitert David Pisot an Daniel Batz, von dem man noch mehr hören sollte in jener Pokalsaison.

Schorch verwandelt entscheidenden Strafstoß

Den entscheidenden Elfmeter verwandelt Christopher Schorch, der in jungen Jahren mal im Farm-Team von Real Madrid spielte, aber dort nie so einen Gänsehautmoment erleben durfte wie vor einem Jahr. "Meine Güte, wie geil ist das denn? Zum ersten Mal seit 35 Jahren steht der FCS im Viertelfinale des DFB-Pokals", verkündet der Stadionsprecher euphorisiert.

Die Reise ging bekanntlich noch weiter, denn mit seinen Elfmeterparaden gegen Fortuna Düsseldorf führte Daniel Batz den Viertligisten sogar ins Halbfinale, ehe der Traum von Berlin gegen Bayer Leverkusen platzte.

Platz 7: 1. FC Bocholt - Eintracht Braunschweig 3:1 n. V. (14. 1. 1984)

Eigentlich hätten sie gewarnt sein müssen, die Braunschweiger. Der Gegner, den ihnen das Los zugeteilt hat, hat schließlich drei Monate zuvor schon den Zweitligisten Stuttgarter Kickers rausgeworfen (3:2). Doch hatte er sich nicht auch in der 1. Runde mit Hassia Bingen rumgequält und erst in der Wiederholungspartie gewonnen?

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Es war schon komisch mit dem Pokalsieger des Niederrheins, der immerhin mal 2. Bundesliga Nord spielte: je schwerer die Gegner, desto höher gewinnt er. Die von Aleksandar Ristic gecoachte Eintracht, die in der Bundesliga auf Platz 14 steht, wird im FC-Stadion Am Hünting schon mit zwei Toren distanziert.

Eintracht-Verteidiger Bruns sieht Rot

Wenn der 1. FC dazu auch eine Verlängerung braucht und die Gäste ab der 84. Minute in Unterzahl agieren müssen. Da sieht Verteidiger Matthias Bruns beim Stand von 1:1 die Rote Karte. In der Verlängerung schießen Spieler mit im Ruhrpott wohl klingenden Namen die Tore, die der Eintracht den Garaus machen: der spätere Duisburger Michael Tönnies (100.) und Leo Ricken (109.), nicht verwandt mit Lars, der schon das 1:0 (2.) mit einem 25-Meter-Freistoß erzielt hatte.

So interessiert Reinhard Kindermanns Ausgleich (54.) nur noch die Statistiker. 7000 feiern ihren 1. FC, der mit dem Traumlos FC Bayern belohnt wird, sich auch im Viertelfinale teuer verkauft und ehrenvoll ausscheidet (1:2).

Tristesse dagegen bei der Eintracht, die der kicker "eine Mannschaft ohne Rückgrat" nennt. Trainer Ristic sagt düster: "Das war nicht nur ein schwarzer Tag, sondern wir haben ein schwarzes Jahr. Wir haben Qualitätsprobleme bei 16 Profis." Die an diesem Tag von Amateuren vorgeführt werden.

Platz 6: Bayern München Amateure - VfB Stuttgart 7:6 nach Elfmeterschießen (8. 11. 1994)

Ein Spiel gegen Bayern München war für die Cracks des VfB Stuttgart nichts Besonderes. In jener Zeit kam es sogar vor, dass man den Rekordmeister noch schlagen konnte. Eike Immel, Thomas Berthold, Axel Kruse oder Fredi Bobic hatten das schon zur Genüge erlebt. Wie sollten sie sich da vor den Amateuren der Bayern fürchten?

Hermann Gerland macht die Bayern heiß

Trainer Jürgen Röber warnt vergebens vor den Tücken, die dieses Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße vor nur 3500 Zuschauern birgt. Sein Gegenüber Hermann Gerland hat sein Team natürlich heiß gemacht, für die meisten ist es der Höhepunkt ihrer Karriere, nur der 36 Jahre alte Weltmeister Hansi Pflügler und der bundesligaerfahrene Keeper Uwe Gospodarek haben schon Besseres erlebt.

Die Bayern-Bubis erwischen einen Blitzstart, Frank Gerster trifft früh (3.). Der Ex-Münchner Thomas Strunz (11.), der später wieder zu Bayern geht, und Fredi Bobic (14.) drehen die Partie binnen drei Minuten, aber die Entscheidung gelingt den Gästen nicht.

Drei Stuttgarter schießen am Tor vorbei

Wolfgang Gerstmeiers umjubelter Ausgleich (70.) verschafft den Zuschauern das Vergnügen einer Verlängerung und sodann eines Elfmeterschießens. Obwohl Immel gleich zwei Bälle hält und Gegenüber Gospodarek keinen (!), jubeln am Ende die Bayern. Denn gleich drei Stuttgarter (Poschner, Kienle und Dubajic) schießen am Tor vorbei.

So darf Oldie Pflügler den "Matchball" ausführen und das 7:6 erzielen. Nach 18 Elfmetern ist die Sensation perfekt und Gästetrainer Röber völlig fertig: "Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe – als Trainer und auch als Spieler."

Torwart Eike Immel schimpft: "Ich bin ja wirklich kein Elfmetertöter, aber wenn ich schon mal zwei halte… Dass einer am Torhüter scheitert, kann mal passieren, aber dass man das Tor nicht trifft? Wir haben den Verein viel Geld gekostet." Auch die Bayern haben unerwartete Kosten, stürmt doch Präsident Fritz Scherer in die Kabine und verspricht: "Heute gibt’s 5000 Mark Siegprämie!"

Platz 5: FC St. Pauli - Hertha BSC 4:3 n. V. (21. 12. 2005)

Die Hamburger sind drei Jahre nach ihrem Bundesliga-Intermezzo in die Regionalliga abgestürzt,  Hertha BSC hat sich dagegen für die Zwischenrunde des UEFA-Pokals qualifiziert und ist nach der Bundesliga-Hinrunde Fünfter. Die größte Titelchance verspricht aber der Pokal.

Und dieses Jahr will auch Hertha mal nach Berlin fahren, Trainer Falko Götz stellt die bestmögliche Elf auf. Wer fehlt, ist auch wirklich verletzt (Joe Simunic, Dick van Burik). Manager Dieter Hoeneß spricht vom "fast wichtigsten Spiel des Jahres" und verlangt, "dass der Unterschied zwischen Regionalliga und Bundesliga deutlich wird".

19.800 Zuschauer am ausverkauften Millerntor sehen das etwas anders; aber zunächst werden sie enttäuscht: Marko Pantelic (8.) und Gilberto (40) sorgen für ein ernüchterndes 0:2. Da trifft ausgerechnet Ex-Herthaner Michel Mazingu-Dinzey noch mit dem Pausenpfiff und leitet die Aufholjagd ein.

St. Pauli erzwingt die Verlängerung

Vier Minuten vor Abpfiff egalisiert Felix Luz und erzwingt eine Verlängerung. Und da hat der Regionalligist mehr zuzusetzen, holt selbst das 2:3 durch Marcelinho (100.) auf. Florian Lechner (105.) und Robert Palikuca (109.) wenden das Blatt endgültig.

Selbst der eingewechselte Kevin-Prince Boateng kann Hertha nicht mehr retten, und wieder fahren sie nicht nach Berlin (zum Finale). St. Pauli wirft im Viertelfinale sogar noch Champions League-Teilnehmer Werder Bremen raus, erst Bayern kann sie stoppen.

Platz 4: Arminia Bielefeld - Werder Bremen 3:1 (4. 3. 2015)

Zwei Klassen Unterschied stehen vor der Partie auf dem Papier, zwei Tore trennen die Klubs hinterher. Nur dass der Drittligist mehr erzielt als der Bundesligist.

Für die Bremer, deren glanzvolle Jahre der Schaaf-Ära vorbei sind, ist der Pokal die Chance auf den internationalen Wettbewerb, der über die Liga kaum zu schaffen ist. Arminia freut sich schon auf die Rückkehr in die 2. Bundesliga, neun Punkte Vorsprung hat sie in der 3. Liga auf ihre Verfolger.

Werder lässt Ersatztorwart Koen Casteels ran

Werder macht, was viele im Pokal machen: den Ersatztorwart bei Laune halten. Leider ein Fehler, Debütant Koen Casteels, heute die Nummer 1 des VfL Wolfsburg, empfiehlt sich nicht für weitere Einsätze. Die Alm ist mit 26.601 Zuschauer ausverkauft, die Südtribüne kleidet ihre Hoffnungen in eine Choreographie: "Vorwärts Arminia!" Und die Spieler gehorchen.

Sie verstecken sich keineswegs, halten die Partie offen und gehen sogar in Führung: 1:0 durch Manuel Junglas mit links (32.), auch dank freundlicher Unterstützung von Casteels, der die Situation mit einem riskanten Pass erst heraufbeschwört. Der tiefe Boden erschwert die Bremer Aufholjagd, der Ball läuft nur bei Arminia, deren Trainer Norbert Meier das Gros seiner Karriere bei Werder verbracht hat.

Die Bielefelder Alm bebt

Nach 57 Minuten bebt die Alm erneut, Verteidiger Sebastian Schuppan erhöht nach einer Ecke auf 2:0 – mit rechts (57.). Werder-Kapitän Clemens Fritz krempelt die Ärmel hoch und schlüpft in die eher ungewohnte Rolle des Torjägers, sein 2:1 mit links (76.) aus 16 Metern bringt die Spannung zurück.

Doch der herausragende Junglas sorgt nach einem Konter für klare Verhältnisse (84.) – wieder mit links. Bei Werder regiert der Frust, Fritz fliegt nach einem taktischen Foul vom Platz (89.). Mit Recht.

Der kicker urteilt: "Bielefeld warf alles rein, Bremen hingegen war in allen Mannschaftsteilen schwach und erlebte einen Rückfall in vergangene Zeiten." In mancherlei Hinsicht, schon zum vierten Mal in Folge scheiden die Bremer gegen einen Drittligisten aus.

Platz 3: VfL Osnabrück - Borussia Dortmund 3:2 (27. 10. 2009)

Jürgen Klopp ist im zweiten Jahr BVB-Trainer, Titel hat er noch keine gewonnen – und der Traum vom Pokal platzt schon früh.

An der ausverkauften Bremer Brücke überrollt der Drittligist die Borussen regelrecht: Angelo Barletta trifft per Rechtsschuss und Kopfball schon vor der Pause (37., 42.). In der Videoanalyse wird Klopp seinen Spielern später allein 13 Fehler im Aufbauspiel nachweisen. Die Meister von morgen sind noch Lehrlinge, aus 69 Prozent Ballbesitz machen die Sahin, "Kuba" und Barrios viel zu wenig.

Zorc kritisiert Hummels und Subotic

Die Innenverteidigung mit  Mats Hummels und Neven Subotic, beide am Anfang ihrer Karriere, trifft die Kritik von Manager Michael Zorc besonders: "Wir haben verteidigt wie im Kindergarten! Wenn man das als amateurhaft bezeichnet, beleidigt man die Amateure." Nach Nuri Sahins 2:1 (55.) drückt Borussia, aber aus einem eigenen Freistoß entsteht das 3:1 durch Benjamin Siegert (69.).

Das 3:2 durch Lucas Barrios fällt, als in Osnabrück längst gefeiert wird – in Minute 96! Die Osnabrücker Spieler kassieren für ihren Husarenstreich insgesamt 100.000 Euro Prämie. Sie scheitern in der nächsten Runde übrigens ausgerechnet am BVB-Rivalen Schalke (0:1).

Platz 2: TSG 1899 Hoffenheim - Bayer Leverkusen 3:2 (2. 12. 2003)

An diesem Tag im Advent 2003 hört die Fußballwelt außerhalb des Kraichgaus erstmals etwas von einem Dorfklub namens Hoffenheim. Und von dem Trainer Hansi Flick, den Experten als Meisterspieler mit Bayern natürlich bestens bekannt.

Als Trainer muss er sich seine Sporen noch verdienen und wie sollte das besser gelingen, als einen berühmten Kollegen zu düpieren? Auf Leverkusens Bank sitzt Weltmeister Klaus Augenthaler, der ohnmächtig mitansehen muss, wie der Regionalligist sein Team zunächst geradezu überrennt.

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Zur Freude der 6500 Zuschauer im ausverkauften Dietmar-Hopp-Stadion heißt es schon nach 29 Minuten 2:0 durch Tore von Sieger und Throm, und den Vorsprung rettet die TSG bis in die Halbzeit. Augenthaler bringt nun Nationalspieler Oliver Neuville, und nach Treffern seiner Legionäre Lucio und Dimitar Berbatov herrscht ab Minute 67 Gleichstand.

Das Erfolgsgeheimnis soll in einem Lied liegen

Doch keine Sensation? Irrtum. Nun sticht Flicks Joker Kai Herdling, der noch die Bundesligazeiten der TSG erleben wird. Auf sein 3:2 (77.) hat Bayer keine Antwort mehr. Nach der Pleite grollt Augenthaler: "Ich habe meine Mannschaft gewarnt. Aber wenn sie meint, mit angezogener Handbremse spielen zu können, dann hat sie sich getäuscht. Vielleicht geht es einigen hier schon wieder zu gut. So könnten wir noch nicht mal in der Regionalliga bestehen."

Das Erfolgsgeheimnis der Hoffenheimer ist, so geht die Legende, übrigens ein Song. Vor den Spielen läuft im Bus immer "Alright" von Reamonn, und prompt machen die TSG-Spieler auf dem Feld alles richtig. Den Pokal gewinnen sie zwar nicht, aber fortan wird man noch viel hören von diesem Verein, der seit mittlerweile zwölf Jahren Bestandteil der Bundesliga ist.

Platz 1: Eintracht Trier - Borussia Dortmund 2:1 (28. 10. 1997)

Der Champions-League-Sieger im Mosel-Stadion; auch wer nicht an eine Sensation glaubt, will dieses Spiel sehen. Wann kommt schon mal Borussia Dortmund nach Trier?

Die Eintracht lässt Zusatztribünen für 5000 Sitzplätze aufbauen und so säumen 17.900 Menschen an einem Dienstagnachmittag (Anpfiff: 14 Uhr!) das Spielfeld. Vereinsrekord. Zudem wird erstmals in der 92-jährigen Klub-Historie ein Trierer Spiel live übertragen, auf Südwest 3. Euphorie hier, Tristesse da.

Borussia Dortmund steckt in der Krise

Der BVB steckt in einer Krise und hat erst am Wochenende die Abstiegsplätze verlassen. Unter dem neuen Trainer Nevio Scala läuft es noch nicht so richtig, aber das enthebt Borussia nicht der Favoritenrolle.

Der Tabellenführer der Regionalliga Südwest hat keinen Möller, Freund, Kohler, Heinrich oder Herrlich. Der Ex-Nürnberger Dirk Fengler ist der Einzige mit Bundesliga-Erfahrung, mal abgesehen von Trainer Karl-Heinz Emig (64 Spiele für Kaiserslautern und Hertha BSC).

Kollege Scala beugt jeder Überheblichkeit vor und attestiert der Eintracht zumindest Zweitliga-Niveau, und auch sonst hätten alle gewarnt sein müssen. In der 2. Hauptrunde hat Eintracht bereits UEFA-Cup-Sieger Schalke 04 rausgeworfen, in der Gäste-Kabine ist das Loch noch zu sehen, dass ein Schalker aus der Wut über die Blamage getreten hat.

Pokal-Schreck Rudi Thömmes schlägt zu

Auch bei Borussia Dortmund reißt die Eintracht aus Trier an diesem Nachmittag tiefe Wunden. Pokal-Schreck Rudi Thömmes, der schon das entscheidende 1:0 gegen Schalke erzielt hat, schlägt wieder zu. Nach 37 Minuten führen die Trierer schon wieder gegen einen Europacup-Sieger und wieder brechen sie nicht ein.

Im Gegenteil: Als Rene Schneider Thömmes (wen sonst?) im Strafraum legt, erhöht Czakon per Elfmeter auf 2:0 (50.). Scalas zweiter Anzug ist dünn: Ricken, Reuter, Chapuisat und Sammer fehlen. Er kann nur Talente einwechseln: But, Kirovski, Gambo. Ins Tor aber trifft nur der alte Haudegen Jürgen Kohler.

Sein 2:1 in der 53. Minute wird den Endstand markieren. "Verdient gewann der Regionalliga-Tabellenführer, der in der zweiten Hälfte keine BVB-Chancen zuließ", schreibt der kicker. Der Rest ist Jubel und Freude, gemixt mit einem Schuss Überheblichkeit.

Warum lässt Emig die Journalisten warten? "Unser Trainer ist anscheinend schon nach Berlin vorgefahren", witzelt Präsident Hans-Joachim Doerfert. Der Spaß wäre beinahe Ernst geworden. Eintracht wirft auch Waldhof Mannheim raus und scheitert im Halbfinale gegen Bundesligist MSV Duisburg erst im Elfmeterschießen.

Und der BVB? Jürgen Kohler sagt dicht neben der Stelle, wo die Schalker ihr Loch getreten haben: "Für uns hat der Abstiegskampf begonnen. Wer das nicht sieht, sollte den Verein wechseln."