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Augsburg und Köln - In der zweiten Runde des DFB-Pokals streicht die TSG Hoffenheim überraschend die Segel, während RB Leipzig, der 1. FC Köln und Schalke 04 weiterkommen.

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Elfmeter-Held Marco Meyerhöfer hat die SpVgg Greuther Fürth schon zwei Tage vor Weihnachten beschert und Bundesligist TSG Hoffenheim aus dem DFB-Pokal geworfen. (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

Meyerhöfer verwandelte im Drama vom Punkt den 18. Schuss zum 7:6 für den Zweitliga-Dritten. Nach der regulären Spielzeit und der Verlängerung hatte es 2:2 (1:1) gestanden. Im Elfmeterschießen versagten den Hoffenheimern Kevin Vogt, Melayro Bogarde und Kasim Adams die Nerven.

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Sebastian Ernst (21.) und Meyerhöfer (46.) trafen für den formstarken Aufstiegsaspiranten aus Fürth in der regulären Spielzeit. Andrej Kramaric (13.) und Kevin Akpoguma (49.) waren für die Gastgeber erfolgreich. TSG-Torhüter Oliver Baum verhinderte mit einem gehaltenen Foulelfmeter gegen Paul Seguin (90.+4) das Aus nach 90 Minuten - es half nichts. 

Beim Geisterspiel in Sinsheim spielten die Fürther munter mit. Dennoch waren es die Hoffenheimer, die durch Christoph Baumgartner die erste Chance verbuchten (7.). Kurz darauf machte es Kramaric besser. Der kroatische Vize-Weltmeister profitierte von einem haarsträubenden Fehlpass des Fürther Torwarts Sascha Burchert.

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Baumann rettet sein Team in Verlängerung

Die Gäste ließen sich durch den Rückstand aber nicht aus dem Konzept bringen und agierten weiter auf Augenhöhe mit der TSG. Der Ausgleich durch Ernst war verdient, wenig später vergab Jamie Leweling per Kopf sogar die große Chance zur Führung (26.). Auch danach bestimmten die Franken, bei denen Mergim Mavraj, Emil Berggreen und Leon Schaffran fehlten, das Geschehen. Der zweite Treffer für den Zweitligisten lag in der Luft.

Das lag vor allem an der TSG. Die Gastgeber, die ohne Florian Grillitsch, Dennis Geiger und Diadie Samassekou sowie die Langzeitausfälle Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic, Pavel Kaderabek, Jacob Bruun Larsen und Konstantinos Stafylidis antraten, agierten zu arglos in der Defensive. Nach einer halben Stunde erhöhten die Hoffenheimer die Schlagzahl, die SpVgg wurde zum ersten Mal während der Begegnung in die Defensive gedrängt. Mijat Gacinovic hatte das zweite Tor für die TSG auf dem Fuß (41.). Danach konnte sich Fürth wieder vom Druck befreien.

Sekunden nach Wiederanpfiff nutzten die Gäste das schwache Abwehrverhalten der Hoffenheimer erneut, Meyerhöfer schloss einen Konter stark ab. Nur drei Minuten später traf TSG-Verteidiger Akpoguma auf der Gegenseite per Kopf nach einem Freistoß von Sebastian Rudy. Danach drängte Hoffenheim auf die erneute Führung, Fürth konterte allerdings gefährlich. Baumann rettete sein Team in die Verlängerung. Dort war erneut Fürth dem dritten Tor nahe, die Hoffenheimer Abwehr hatte ihren Namen oftmals nicht verdient. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen. 

Poulsen: Wir hätten die Begegnung gerne verlegt

RB Leipzig hat sich für seine "Niederlage" im Pokal-Terminstreit gerächt und dem FC Augsburg gründlich das Weihnachtsfest verdorben. Die spielerisch klar überlegene Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann setzte sich im einseitigen Bundesliga-Duell völlig verdient mit 3:0 (1:0) bei den bayerischen Schwaben durch und zog zum dritten Mal nacheinander ins Cup-Achtelfinale ein. (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

Willi Orban (11.) brachte den Finalisten von 2019 mit seinem Kopfballtreffer früh auf die Siegerstraße, den Rest besorgten Joker Yussuf Poulsen nach feinem Solo (74.) und Angelino mit einem schönen Schuss von der Strafraumgrenze (82.). Augsburg konnte sich bei seinem überragenden Torhüter Rafal Gikiewicz bedanken, dass das vierte Pokalduell mit RB (jetzt 2:2 Siege) nicht viel früher entschieden war.

"Ich habe immer betont, dass die Mentalität der Mannschaft außergewöhnlich war und ist. Die Art und Weise war beeindruckend", sagte Nagelsmann. Poulsen ergänzte mit einem Lächeln, RB hätte die Begegnung "auf jeden Fall" gerne verlegt, "aber jetzt sind wir froh, dass wir es nicht gemacht haben".

Leipzig hatte die Begegnung wegen des engen Kalenders erst im neuen Jahr spielen wollen, was Augsburg ablehnte. Der FCA werde schon noch "merken", dass RB auch jetzt bereit für den Pokalfight sei, sagte Nagelsmann dazu pikiert - und behielt recht. Weil er den Gegner "sehr tief" und deshalb "eher begrenzten Raum" erwartete, setzte er auf "viele unbequeme, bewegliche Mittelfeldspieler". Das war genau der richtige Ansatz.

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Leipzig-Sieg hätte höher ausfallen können

Leipzig mit den neu ins Team gerückten Emil Forsberg und Dani Olmo spielte dominant und war technisch überlegen. Nordi Mukiele hatte per Kopf die erste gute Gelegenheit, doch Gikiewicz zeigte seine erste von zahlreichen Paraden (10.). Die anschließende Ecke brachte dennoch die Gästeführung: Angelino trat sie, Orban war aus fünf Metern zur Stelle. FCA-Kapitän Jeffrey Gouweleeuw hatte sich zuvor verschätzt.

Kapitän Marcel Sabitzer (13.) und Marcel Halstenberg (21.) vergaben Chancen zu einem zweiten Treffer, ehe die Hausherren erstmals überhaupt im RB-Sechzehner auftauchten. Dass Augsburgs Coach Heiko Herrlich gleich fünf Neue brachte, um körperlich dagegenhalten zu können, machte sich nicht positiv bemerkbar. Die Halbzeitbilanz machte die Kräfteverhältnisse deutlich: 28:72 Prozent Ballbesitz, 2:8 Ecken, 1:12 Torschüsse aus Sicht der Gastgeber. (Ergebnisse/Spielplan des DFB-Pokals)

Nach dem Seitenwechsel legte Augsburg seine Zögerlichkeit immer mehr ab und attackierte deutlich früher. Das eröffnete RB Räume, Gikiewicz musste gegen Kevin Kampl (50.) und Forsberg (52.) retten. Poulsen, schon beim 2:0 in der Liga Mitte Oktober per Traumtor erfolgreich, brachte nach einem Konter die Entscheidung, die Angelino formschön abrundete.

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Köln ringt Osnabrück dank Modeste nieder

Dank Anthony Modeste hat der 1. FC Köln erstmals seit drei Jahren das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht. Der Stürmer entschied das Zweitrundenduell mit dem hartnäckigen Zweitligisten VfL Osnabrück mit seinem Tor und bescherte dem Favoriten zwei Tage vor Heiligabend ein glanzloses 1:0 (1:0). Modeste (45.+1) traf unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff. Für den lange verletzten Franzosen war es das erste Tor seit dem 1:1 in der Bundesliga beim FC Augsburg am 7. Juni. 

"Wir hätten das Spiel früher entscheiden können, das hätte den Nerven gut getan. Das haben wir versäumt, waren im letzten Drittel zu ungenau", sagte FC-Torhüter Timo Horn: "Wir haben vorne das eine Tor geschossen, das den Unterschied gemacht hat. Das reicht, um eine Runde weiterzukommen. Das war das Ziel."

Für den Einzug ins Achtelfinale erhält Köln etwa 700.000 Euro - Geld, das der FC angesichts seiner Verluste durch die Corona-Pandemie gut gebrauchen kann. Auf wen die Kölner in der nächsten Runde treffen, wird am 3. Januar ausgelost. Angesetzt ist das Achtelfinale am 2. und 3. Februar.

Kölns Trainer Markus Gisdol hatte vor dem Tabellenzehnten der 2. Liga gewarnt - und die Gäste aus Osnabrück erwiesen sich von Beginn an als unangenehmer und schwieriger Gegner. Mit viel Einsatz, Laufarbeit und lautstarken Kommandos gelang es dem VfL, den Favoriten vom eigenen Tor fernzuhalten. Bei einem Freistoß von Sebastian Kerk (28.) hatte Osnabrück zudem die erste gute Chance. Köln kam dagegen zunächst nicht in die Gefahrenzone. (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen)

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Es mangelte an Tempo, Ideen und Präzision, um den Zweitligisten vor Probleme zu stellen. Am auffälligsten war noch Ismail Jakobs, doch auch der deutsche Junioren-Nationalspieler konnte sich nicht entscheidend durchsetzen. Sein erster Torschuss (35.) flog deutlich vorbei. Kurz darauf landete der Ball nach einer Grätsche von Ellyes Skhiri eher zufällig an der Latte (36.) des Osnabrücker Tores.

Köln kam nun zu einigen Abschlüssen und erhöhte den Druck. Modeste wurde bei seiner ersten gefährlichen Aktion gerade noch geblockt (45.), kurz darauf traf der Franzose nach schönen Zuspiel von Ondrej Duda zum 1:0. Mit der Führung im Rücken kontrollierte der FC fortan das Spiel. Osnabrück stieß bei allem Bemühen an seine Grenzen und beschäftigte die Kölner Defensive, die zuletzt in der Liga bei RB Leipzig ohne Gegentreffer geblieben war, viel zu wenig.

Das Spiel blieb zäh und auf mäßigem Niveau. Kölns Torhüter Timo Horn musste kaum eingreifen, der eingewechselte Jan Thielmann (73.) verpasste bei einem der wenigen ordentlichen Angriffe den zweiten Treffer knapp.

Schalke kann doch noch siegen

Huub Stevens lachte erleichtert und klatschte zufrieden in die Hände: Mit einem bitter nötigen Erfolgserlebnis hat der Jahrhunderttrainer sein wohl letztes Intermezzo als Aushilfscoach bei Schalke 04 beendet und dem Bundesliga-Tabellenletzten ein wenig Einkaufsgeld für den Winter verschafft.