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München - HSV-Profi Toni Leistner nimmt sich nach dem Spiel einen Fan zur Brust - auf der Tribüne. Üble Beleidigungen waren der Auslöser. Ist Leistner Täter oder Opfer?

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Unglaubliche Szene in Dresden.

Nach Ende des Pokalspiels stürmt der neue HSV-Verteidiger Toni Leistner während eines Interviews auf die Tribüne und packt einen Anhänger von Dynamo Dresden am Kragen. Er sei "massiv" beleidigt worden, gibt er später zu Protokoll.

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Nun diskutiert ganz Fußball-Deutschland: Ist der Profi-Kicker Täter oder Opfer? Pro & Contra der SPORT1-Redakteure Carsten Arndt und Christian Paschwitz.

Leistner muss sich nicht alles gefallen lassen! (Carsten Arndt)

Irgendwann ist Schluss!

Was sich am Montagabend in Dresden abspielte, mag auf viele verstörend gewirkt haben - in erster Linie war es aber einfach nur menschlich.

Ich könnte kaum mehr Verständnis dafür aufbringen, dass Toni Leistner den feigen Pöbler mal kräftig durchgeschüttelt hat!

Da haben Fans endlich wieder die Möglichkeit, ins Stadion zu gehen, und ein armer Idiot tritt all das mit Füßen.

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Leistner kommt als gebürtiger Dresdner, der jahrelang auch für Dynamo die Knochen hingehalten hat, in seine Heimat, und wird aus der vermeintlichen Anonymität der Masse massiv angefeindet.

Wäre es "nur" um seine Person gegangen, hätte er damit sicherlich umgehen können, so etwas ist er als Fußballer nun mal gewohnt. Doch wenn gezielt Frau, Kind und sogar der ungeborene Nachwuchs zur Zielscheibe werden, tun sich menschliche Abgründe auf. Irgendwann ist jede Grenze überschritten.

Dass Leistner in dieser absoluten Ausnahmesituation dann auch noch einen Aufschrei wegen nicht eingehaltener Corona-Abstände entgegenschlägt, ist so Deutsch wie weiße Socken in Sandalen.

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Am Ende hat er Partei für die Menschen ergriffen, die ihm im Leben am wichtigsten sind. Und das nicht durch massive Gewalteinwirkung, was definitiv in höchstem Maße zu verurteilen wäre. Sondern durch einen kräftigen Wachrüttler. Einen, von dem zu hoffen wäre, dass er auch dazu führt, dass Fans in den Kurven noch mehr aktiv zusammenstehen, wenn wieder mal ein Schwachkopf aus der Reihe fallen sollte.   

"Was viele leider immer wieder vergessen. Auch hinter dem Profifußballer Toni Leistner steckt ein Mensch wie du und ich. Ein Papa und Ehemann", schrieb Leistners Frau Josefin am Montag auf Instagram.

Besser kann man es nicht ausdrücken.

Täter oder Opfer - die große Leistner-Debatte
Täter oder Opfer - die große Leistner-Debatte ©

Leistners Verhalten gehört drastisch bestraft! (Christian Paschwitz)

Als wäre die Blamage im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden nicht schon peinlich genug: Eine derartige Entgleisung wie von HSV-Abwehrmann Toni Leistner ist durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigen, und kaum zu entschuldigen.

Auf die Tribüne zu stürmen, einem Fan an die Gurgel zu gehen und diesen umzuschubsen, ist schlichtweg ein No-Go. Bei allem Verständnis für Emotionalität: Auch einem Profi, selbst bei einer Partie unter besonderem Stern wie in diesem Fall die Rückkehr zum Ex-Verein, darf so etwas einfach nicht passieren - mögen fehlgeleitete Fans ohne Manieren Leistner und seine Familie noch so beleidigt haben.

Reagierte Otto-Normal-Verbraucher in gleicher Weise, sei's auf offener Straße oder am Arbeitsplatz (und ein Stadion ist der Arbeitsplatz eines Berufskickers) - Kündigung und Strafanzeige wären gewiss.

Dieses Verhalten gehört daher von Vereinsseite drastisch bestraft - und Leistner womöglich sogar aussortiert beim HSV.

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Fassungslos macht dabei auch, wie Leistner - obendrein mit 30 Jahren Lebenserfahrung schließlich kein naiver Teenager mehr, sondern Ehemann und Familienvater - nun gar noch in die Opferrolle schlüpfen kann, indem Dynamo seine Pöbel-Attacke verteidigt.

Er trage das Herz am rechten Fleck - bitte was? Leistner trug ausschließlich Frust in sich. Und trat vor allem seine Rolle als Vorbild für Millionen Nachwuchsspieler mit Füßen, deren Trainer nun mal wieder müßig erklären müssen, warum sich Fairplay und Respekt trotzdem gehören.

Seine Eskapade in Coronazeiten führt zudem vor Augen, wie unausgegoren jedes Hygienekonzept im Fußball am Ende doch sein kann. Wenn nämlich durch derlei Disziplinlosigkeiten jedweder Sicherheitsabstand und Maskenzwang ad absurdum geführt werden.