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München - Welche Folgen hätte ein gemeinsam veranlasster Spielabbruch für Schalke und die Bayern? SPORT1 fragt nach bei Hans E. Lorenz, Leiter des DFB-Sportgerichts.

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Was bis vor wenigen Tagen noch völlig abwegig erschien, wird nun auf einmal zu einer der drängendsten Fragen im deutschen Fußball: Was passiert, wenn ein Spiel aufgrund von Fehlverhalten der Fans oder Spieler abgebrochen und nicht mehr angepfiffen wird?

Besonders brisant ist dieses Thema im Hinblick auf die Partie des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern im Viertelfinale des DFB-Pokals. (DFB-Pokal, Viertelfinale: Schalke 04 - FC Bayern, Di. ab 20.45 Uhr im LIVETICKER)

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Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider deutete nach den Hetz-Bannern gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp an, dass er den Drei-Stufen-Plan des DFB ignorieren will und seine Mannschaft schon beim ersten Vorfall dieser Art vom Spielfeld holen würde.

Das passiert, wenn Schalke den Platz verlässt

Dass er damit eine Niederlage in Kauf nehmen würde, verdeutlichte Schneider bei Sky. "Warum nicht? Es wäre nur ein verlorenes Spiel". 

Hans Eberhard Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, stellt bei SPORT1 klar, dass Schalke tatsächlich damit rechnen müsste: "Dann muss diese Mannschaft die Konsequenzen in Kauf nehmen, dass das Spiel dann für den Gegner als gewonnen gewertet wird."

Die Rechts- und Verfahrensordnung beim DFB sehe vor, "dass ein Spiel nur vom Schiedsrichter abgebrochen werden kann", erklärt Lorenz. In dem Fall würde das Spiel für den Verein mit 0:2 verloren gewertet, der den Abbruch schuldhaft verursacht habe.

Es sei also nicht Sache eines einzelnen Vereins oder einer Mannschaft, ein Spiel abzubrechen. "Sonst würde jeder, der in der 90. Minute 0:3 zurückliegt, einen Spielabbruch provozieren."

Am Beispiel der Vorkommnisse in Sinsheim am Samstag verdeutlicht Lorenz die Sachlage: "Wenn es beim Spiel Hoffenheim gegen den FC Bayern aufgrund dieser Banner zu einem Spielabbruch gekommen wäre, wäre das Spiel für Hoffenheim als gewonnen und für Bayern als verloren gewertet worden. Von daher war es natürlich auch im Interesse der Bayern, dieses Spiel wie auch immer zu Ende zu führen."

"Es kommt stets auf den Einzelfall an"

Doch was ist, wenn beide Mannschaften für den Abbruch gleichermaßen verantwortlich gemacht werden müssten? Sei es nach einer Massenschlägerei auf dem Platz, bei dem der Auslöser nicht mehr nachvollzogen werden kann, oder wenn beide Fanlager diskriminierende Banner in die Höhe halten. Oder eben, wenn beide Mannschaften gemeinsam den Platz verlassen.

"Da kann man entscheiden, ob man das Spiel neu ansetzt. Denn da verteilt sich die Schuld auf beide Seiten", klärt Lorenz auf. Eine andere Möglichkeit: "Man könnte das Spiel auch für beide Mannschaften als verloren werten."

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Diese Entscheidung wäre bei einem Ligaspiel ohne weiteres anwendbar. Nur wie verfährt man da bei einem K.o.-Spiel im DFB-Pokal, bei dem es doch einen Gewinner geben muss? 

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Eine allgemeingültige Aussage lässt sich laut Lorenz hier nicht treffen: "Es kommt stets auf den Einzelfall an." Klar ist aber auch: Mittlerweile muss ich auch der DFB mit Szenarien beschäftigen, die bis vor wenigen Tagen auch undenkbar gewesen wären.