Bundesweit protestierten Fans gegen den DFB und Dietmar Hopp
Bundesweit protestierten Fans gegen den DFB und Dietmar Hopp © Getty Images
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Nach den Fanprotesten gegen Dietmar Hopp und den DFB bezieht nun der Verband Stellung. Dabei verteidigt der DFB sein Vorgehen, gesteht aber auch Fehler.

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Die Vorkommnisse rund um die Fanproteste gegen Dietmar Hopp und den DFB wirken noch immer nach. Nun hat der DFB sich zum Umgang mit den Protesten geäußert - und eigene Fehler eingeräumt.

Die Vorfälle in Sinsheim hätten dabei keinesfalls eine "Lex Hopp" geschaffen, hieß es in einer auf der DFB-Webseite veröffentlichten Erklärung: "Die DFB-Haltung ist eindeutig: Wir dulden in unseren Stadien keine personifizierten Gewaltandrohungen oder gar Diskriminierungen. Diese Regelung schützt alle!"

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Daher gelte auch weiterhin der Drei-Stufen-Plan, den UEFA und FIFA schon vor Jahren für Fälle von Rassismus und Diskriminierung festgelegt hat. Dieser gelte für den DFB nun auch bei personifizierten Gewaltandrohungen.

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Allerdings räumte der Verband bei der Umsetzung dieses Drei-Stufen-Plans eigene Fehler ein. "Wenn in Berlin Fangruppen ihren Unmut gegenüber Entscheidungen des DFB mit einer harten Wortwahl zum Ausdruck bringen, muss das der DFB selbstverständlich aushalten. Und auch gegen kreative Spruchbänder, wie sie von Fans des MSV Duisburg zu sehen waren, ist nichts einzuwenden."

DFB "durchaus kritikfähig"

Der DFB sei "durchaus kritikfähig und lässt auch Kritik im Stadion zu", hieß es in dem Statement. Der Verband sei harte Kritik gewohnt und könne damit umgehen. 

Zugleich suche man weiterhin den Dialog mit den Fans. Daher soll es "noch vor dem kommenden Bundesliga-Wochenende ein Treffen mit der AG Fankulturen geben", um den "konstruktiven Dialog mit den Fanorganisationen auch in dieser emotionalen Thematik aufzunehmen".

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Dabei möchte der DFB auch in einen Diskurs starten, welche Formen der Kritik gangbar sind und wo eine rote Linie verläuft. "Nicht tolerieren können wir personifizierte Gewaltandrohungen und erst recht kein diskriminierendes Verhalten", heißt es weiter.

DFB erklärt sich im Fall Torunarigha

Bezüglich der Kritik, der DFB habe bei den rassistischen Beleidigungen gegen Hertha-Profi Jordan Torunarigha nicht konsequent den Drei-Stufen-Plan umgesetzt, äußerte sich der Verband ebenfalls.

"Der Fall Torunarigha lag insofern anders, als das niemand aus dem Schiedsrichterteam während des Spiels die rassistischen Beleidigungen mitbekommen hat. Der Schiedsrichter wurde erst nach Ende der regulären Spielzeit, vor der Verlängerung, über den Vorfall unterrichtet, der sich etwa in der 70. Spielminute zugetragen hat. Der DFB muss sich aber die Frage gefallen lassen, ob der Fußball in der Vergangenheit immer alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, um rassistischen und diskriminierenden Äußerungen unmissverständlich entgegenzutreten und die Betroffenen zu schützen."

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Torunarigha war im Pokalspiel bei Schalke 04 (2:3 n.V.) mit rassistisch motivierten Beschimpfungen konfrontiert worden. In der Verlängerung sah der sichtlich aufgebrachte Hertha-Verteidiger die Gelb-Rote Karte.

DFB-Präsident Fritz Keller betonte: "Aus der besonderen Verantwortung des Fußballs heraus müssen wir bei Diskriminierungen oder personalisierten Gewaltandrohungen handeln und können nicht länger wegschauen."

Man müsse gemeinsam mit allen relevanten Akteuren diskutieren, "wo bei Kritik, die selbstverständlich zulässig ist, auch wenn sie überzeichnet daherkommt, künftig die rote Linie verläuft. Wir begrüßen es sehr, dass auch die Fanorganisationen im Dialog mit den Verbänden ihren Beitrag leisten wollen".