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Schalke 04 kündigt eine Aufklärung der rassistischen Beleidigungen gegen Jordan Torunarigha an. Doch der Klub steckt in einem Dilemma. Der SPORT1-Kommentar.

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Es war im August vergangenen Jahres, als Schalkes scheinbar allmächtiger Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies für einen Eklat gesorgt hatte. 

Als Redner beim Tag des Handwerks in Paderborn hatte Tönnies Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert und vorgeschlagen, man solle lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Tönnies begründete seinen Vorschlag mit einer rassistischen Schmähung: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren." 

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Tönnies ließ eine - eher halbherzige - Entschuldigung folgen und musste sein Amt drei Monate ruhen lassen. Seit diesem Jahr sitzt er bei Schalker Spielen wieder auf der Tribüne. 

Von dort soll es am Dienstagabend beim Pokalspiel gegen Hertha BSC von Schalker Fans Affenlaute gegen den Berliner Spieler Jordan Torunarigha gegeben haben. So berichtet es zumindest dessen Mitspieler Niklas Stark.

Gelb-Rot für Torunarigha, Rot für Wagner

Torunarigha habe auf dem Platz geweint und sogar das Feld verlassen wollen. Schließlich war er offenbar emotional so angegriffen, dass er in der turbulenten Schlussphase nach einer wilden Grätsche von Omar Mascarell mit Schalkes Trainer David Wagner aneinandergeriet und völlig außer sich einen Wasserkasten auf den Boden warf. Torunarigha sah Gelb-Rot, Wagner Rot.

Wagner und auch Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider haben sich nach dem Spiel für das vermeintlich schlimme Verhalten einiger Zuschauer entschuldigt, inklusive einer Anzeige. 

Das ist wichtig, aber auch das Mindeste. 

Dennoch steckt der Klub in einem Dilemma. Es ist eben nicht gerade glaubwürdig, wenn Fans nach rassistischen Beleidigungen womöglich mit einer drastischen Stadionsperre belegt werden, der eigene Aufsichtsratsboss aber verhältnismäßig milde sanktioniert wird.

Tönnies taugt nicht als Vorbild

Schalke merkt jetzt umso schmerzhafter: Tönnies taugt nicht als Vorbild.

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Erinnern sollten sich die Schalker Fans an einen anderen Vorfall des Vorjahres. Bei einer Gedenkminute für die Opfer des Anschlags auf eine jüdische Synagoge in Halle hatte ein Zuschauer respektlos die deutsche Nationalhymne angestimmt - und war von Fans zum Schweigen gebracht worden. 

Vielleicht gehen einige Schalker Anhänger ja noch einmal in sich und liefern bei der neuen Schalker Anlaufstelle #stehtauf Hinweise auf den oder die Urheber der rassistischen Beleidigung. 

Es wäre zu wünschen!