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Der FC Bayern gibt einen sicher geglaubten 4:1-Vorsprung gegen die TSG Hoffenheim fast noch aus der Hand. Thomas Müller wirft seinem Team "Bequemlichkeit" vor. Doch es ist nicht nur das.

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Der FC Bayern hat das Viertelfinale des DFB-Pokals erreicht. Nach dem 4:3-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim herrschte statt Jubel allerdings Erleichterung, denn aus Bayern-Sicht glich der Abpfiff von Schiedsrichter Sascha Stegemann einer Erlösung.  

"Die Art und Weise wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, darüber müssen wir sprechen", sagte ein unzufriedener Cheftrainer Hansi Flick anschließend.  

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Zu Recht! 

Bayern dominiert die erste Hälfte - und bricht dann ein

Seine Elf dominierte die TSG in der ersten Hälfte fast nach Belieben, spielte druckvoll und mit viel Tempo. Wie schon am Samstag bei Mainz 05, ließen die Bayern in den zweiten 45 Minuten jedoch Dominanz und Spielwitz vermissen. 

Hinzu kamen leichtfertige Ballverluste und wenig Positionstreue, wodurch ein sicher geglaubter Sieg fast noch aus der Hand gegeben wurde. 

"Die letzten 30 Minuten waren nicht gut. Das hat sich schon in Mainz angedeutet, das darf nicht passieren", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.  

Joshua Kimmich ergänzte: "Wenn das Spiel in die Verlängerung geht, wird es sicher eng, weil die Hoffenheimer dann den psychologischen Vorteil gehabt hätten."  

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Hoffenheim drückt in den letzten zehn Minuten

Vor allem in den letzten zehn Minuten wurde es im Bayern-Strafraum vogelwild. Robert Lewandowski erhöhte per Kopf zum 4:1 (80.), danach stellten die Bayern aber das Fußballspielen und Verteidigen ein.

Hoffenheim drückte, Munas Dabbur traf per Doppelpack (82. + 90.+2) und köpfte dazwischen sogar noch völlig freistehend aus kurzer Distanz am Tor vorbei.  

Thomas Müller sprach anschließend von "Bequemlichkeit", davon, dass man "zu nachlässig" agiert habe. 

Kritik am eigenen Spiel äußerte auch Kapitän Manuel Neuer: "Die letzten 20 bis 30 Minuten haben wir es ein bisschen schleifen lassen. Das wurde bestraft, das haben wir jetzt erfahren müssen. Das darf uns natürlich so nicht passieren."

Auswechslungen von Lewandowski und Müller wirken sich negativ aus

Ein Grund für das Wackel-Ende der Bayern: Drei Wechsel in zwei Minuten sowie ein paar Umstellungen. Joshua Zirkzee und Michael Cuisance kamen für Lewandowski und Müller (81.) ins Spiel.

Zirkzee ließ Sekunden später eine Großchance zum 5:1 aus, Cuisance gewann kaum einen Zweikampf und ließ halbherzig eine Flanke von Steven Zuber zu, die zum gefährlichen Dabur-Kopfball führte.  

Nach dem 4:2 musste auch noch Jérôme Boateng verletzt raus, nachdem er zuvor schmerzhaft auf den Rücken gefallen war. Álvaro Odriozola kam so zu seinen ersten Pflichtspielminuten für die Bayern.

Der Spanier wurde zum Rechtsverteidiger, Benjamin Pavard zog nach innen, Linksverteidiger Alphonso Davies nahm es mit der Positionstreue nicht mehr zu genau, es herrschte Chaos.  

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Müller: "Gesehen, was passieren kann, wenn wir zu selbstsicher sind"

"Es war nicht schön. Die Jungs die reingekommen sind, machen echt einen guten Job. Es hat mir ein bisschen leid getan, weil sie vielleicht mit einem schlechten Gefühl nach Hause gehen. Aber das müssen sie gar nicht", sagte Müller anschließend.  

Den Ur-Bayern hielt es in der Schlussphase, wie die anderen Reservisten, nicht mehr auf den Plätzen. Sie standen und zitterten mit - auch die geschonten Thiago und Leon Goretzka.  

Müller mahnend: "Man hat gesehen, was passieren kann, wenn wir uns zu selbstsicher sind und wir es nicht mehr schaffen, die Meter zu machen."

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Coutinho kein Faktor - Leistungssteigerung gegen Leipzig nötig

Erschwerend kam hinzu, dass die Flick-Elf zu viele Bälle leichtfertig hergab. Auch, weil Philippe Coutinho mitunter viel zu kompliziert spielte.

"Philippe hat phasenweise gute Sachen gemacht, er hat es phasenweise aber auch zu kompliziert gespielt. Es ist klar, dass er ein Erfolgserlebnis braucht. Das hat aber nicht geklappt", sagte Salihamidzic bei Sky.

"Die meisten Probleme hatten wir, wenn wir bei eigenem Ballbesitz die Bälle verloren haben. Dann tut es weh, wenn man hoch steht", erklärte Müller und legte damit den Finger in die Wunde.

Um am Sonntag gegen pfeilschnelle Leipziger nicht unter die Räder zu kommen, bedarf es vor allem defensiv einer deutlichen Leistungssteigerung.

"Deswegen werden wir von der ersten Minute an da sein", versprach Müller und fügte hinzu: "Ich habe keine Angst, denn wissen wir, dass wir müssen, dann weiß ich, dass wir da sind."