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Bremen - Claudio Pizarro spricht im SPORT1-Interview über die Situation bei Werder Bremen, emotionale Pokal-Momente und das Achtelfinal-Duell gegen BVB und Erling Haaland.

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Claudio Pizarro ist eine lebende Legende. Der mittlerweile 41-jährige Peruaner hält in Deutschland gleich mehrere Rekorde.

Er ist der am häufigsten eingesetzte ausländische Spieler in der Bundesliga, der älteste Bundesliga-Torschütze, der erste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der in 21 Kalenderjahren in Folge mindestens einen Treffer erzielt hat und außerdem Rekordtorschütze von Werder Bremen.

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Am Dienstag trifft Werder im DFB-Pokal auf Borussia Dortmund. (DFB-Pokal: Werder Bremen - Borussia Dortmund ab 20.45 Uhr im LIVETICKER). Pizarro durfte den Pott bereits sechsmal in seiner Laufbahn in die Höhe strecken. In der ersten Runde der laufenden Saison traf er gegen den SV Atlas Delmenhorst doppelt binnen 25 Minuten.

Die Werder-Ikone spricht mit SPORT1 über das anstehende Pokal-Highlight, die aktuell schwierige Situation in Bremen, ihre Tore, Titel und das anstehende Karriereende.

SPORT1: Werder Bremen befindet sich in der Liga im Abstiegskampf. Wie angespannt ist die Stimmung in der Kabine?

Claudio Pizarro: Sehr, sehr. Wir sind in einer schwierigen Situation. Wir wissen das, wir sprechen viel darüber und wir arbeiten auch daran, dass wir aus der Situation herauskommen. Wir haben gut angefangen in der Rückrunde, verlieren dann aber ein Spiel zuhause, was wir eigentlich gewinnen müssen. Es ist natürlich schwierig, wir stehen ganz unten und müssen jetzt mehr kämpfen, aber auch besser Fußball spielen.

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SPORT1: Wie nehmen Sie Trainer Florian Kohfeldt wahr?

Pizarro: Es ist natürlich für den ganzen Verein schwer: Für den Trainer, für die Spieler, für das Präsidium, für die Fans - für alle, die etwas mit Werder zu tun haben. Und wir alle müssen versuchen, das Beste zu geben, um aus dieser Situation wieder rauszukommen.

SPORT1: Welche Rolle nehmen Sie derzeit ein? Nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben.

Pizarro: Das Wichtigste spielt sich natürlich auf dem Platz ab, leider spiele ich derzeit nicht so oft.

Pizarro hofft auf mehr Einsätze

SPORT1: Sie würden also gerne öfter spielen?

Pizarro: Ja, natürlich. Wenn es nicht so gut läuft und man kann helfen, spielt aber nicht so oft, dann ist das natürlich schwierig. Aber wie Sie sagen habe ich auch einen Job außerhalb des Platzes und spreche beispielsweise mit den Jungs. Ich war schon in diesen Situationen und weiß, wie schwierig das ist. Ich versuche zu übermitteln, dass wir die Ruhe bewahren, aber auch auf dem Platz alles geben müssen, sodass wir Punkte holen. Denn alle Punkte sind jetzt wichtig.

SPORT1: Was muss Werder tun, um die Klasse zu halten?

Claudio Pizarro: Das ist natürlich schwierig zu beantworten. Aber wir glauben an unsere Stärken und wir haben auch schon oft gezeigt, dass wir Fußball spielen und auch schwierige Spiele gewinnen können. Ich glaube, dass es eine Kopfsache ist. Jetzt müssen wir den Spieß umdrehen und wieder Punkte holen.

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SPORT1: Im DFB-Pokal haben Sie in Deutschland alles erlebt. Sie haben oft in Berlin gespielt und sechs Mal den Pokal gewonnen. Was macht das Finale aus?

Pizarro: Das ist für mich eines der geilsten Gefühle, die man als Profifußballer haben kann. Ich stand da jetzt schon acht oder neun Mal und versuche jedes Jahr wieder dahin zu kommen, weil es einfach etwas Spannendes und Spezielles ist.

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SPORT1: Was war in diesem Wettbewerb Ihr schönstes Tor?

Pizarro: Schwierig zu sagen. Gegen Kaiserslautern haben wir mit Bayern mal 3:0 gewonnen und da habe ich ein schönes Tor geschossen. Es war ein Finale, ein entscheidendes Tor, und dann gewinnt man das Spiel. Ich glaube, es war ein Lupfer.

SPORT1: Das Tor im Dortmunder Signal-Iduna-Park in der letzten Saison war auch nicht von schlechten Eltern.

Pizarro: Das war auch nicht schlecht, weil wir dadurch die Chance hatten, in das Elfmeterschießen zu kommen und eine Runde weiterzukommen. Das war ein wichtiges Tor auf jeden Fall.

Pizarros emotionalster Titel

SPORT1: Was war der emotionalste Titelgewinn für Sie? War es einer mit Werder oder der Triple-Gewinn mit Bayern? 

Pizarro: Alle waren sehr wichtig. Ich würde mich für Werder entscheiden weil es der einzige war, den ich mit dem Klub gewonnen habe und die Bedeutung des Pokalsieges für Werder sehr groß war. Wir hatten sehr viel Spaß in diesem Jahr, und dann konnten wir das Spiel gewinnen.

SPORT1: Im Halbfinale 2009 haben Sie den Hamburger SV ausgeschaltet...

Pizarro: Das Jahr war sehr gut von uns. Für die Fans war es sehr wichtig, gegen Hamburg zu gewinnen - und dann ins Finale zu kommen war etwas sehr Spezielles.

SPORT1: Sie sind in der ewigen Torschützenliste des DFB-Pokals auf Platz sieben. Gerd Müller wird wohl unerreicht bleiben. Aber wie sehr nervt Sie Robert Lewandowski, der mit Ihnen gleichauf bei 34 Treffern und zwei Tore hinter Dieter Müller auf Rang drei liegt?

Pizarro: Das nervt mich nicht. Er ist ein super Spieler und sowas kann passieren. Das ist auch schon mit Giovane Elber passiert - ich habe seinen Rekord (ausländische Rekordtorjäger, Anm. d. Red.) gebrochen und dann ist das so. Dann sagst du: 'Ich hätte viel mehr Tore machen können, wenn ich die Chancen dazu gehabt hätte.' Aber so ist Fußball. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe. Ich hoffe natürlich, dass ich noch ein paar Chancen habe und die dann auch nutze.

SPORT1: Glauben Sie, dass Ihnen jemand den Titel als ältester Torschütze nochmal wegnimmt?

Pizarro: Das glaube ich nicht, das wird sehr schwierig. Der Fußball ist nicht mehr so einfach wie früher. Ich bin jetzt 41 Jahre alt und ich glaube, es wird schwierig, dass jemand in den nächsten Jahren in meinem Alter noch in der Bundesliga spielt.

SPORT1: Wie groß ist bei Werder noch der Ärger über das verlorene Halbfinale gegen den FC Bayern im letzten Jahr? Ein unglücklicher Elfmeter aus Ihrer Sicht hat das Weiterkommen verhindert.

Pizarro: Das sind Sachen, die passieren im Fußball. Wir haben ein gutes Jahr gespielt, in diesem Moment war Bayern besser. Trotzdem haben wir gekämpft und am Ende leider verloren. Dieses Jahr haben wir wieder die Chance und ich hoffe, dass wir ein gutes Spiel in Dortmund abliefern und gewinnen.

SPORT1: Wie schwer wird es gegen den BVB?

Pizarro: Sehr, sehr schwierig. Ich glaube, sie sind sehr gut drauf momentan und wir nicht. Aber der Pokal ist ein anderer Wettbewerb, da konzentriert und man sich anders und bereitet sich anders vor. Wir haben sie letztes Jahr ausgeschaltet und jetzt versuchen wir das wieder.

Pizarro über Haaland: Er kann ein paar Rekorde brechen

SPORT1: Was sagt denn der Altmeister Pizarro über den Shootingstar Erling Haaland?

Pizarro: Der wird ein Guter, glaube ich, ein sehr Guter - man kann sehen, dass er Qualität hat und die Klasse, viele Tore zu machen. Er ist auch dabei im Pokal, also wird es nicht einfach.

SPORT1: Glauben Sie, dass er ein Weltstar werden kann?

Pizarro: Ich glaube, er kann ein paar Rekorde brechen mit seiner Qualität.

SPORT1: Worauf muss man gegen Dortmund besonders aufpassen?

Pizarro: Auf alles, sie sind eine komplette Mannschaft mit einem guten Trainer. Wenn sie eine Schwächephase haben, dann müssen wir die Chance nutzen und am Ende wird der gewinnen, der weniger Fehler macht.

SPORT1: Was würde Ihnen nochmal Berlin bzw. erstmal das Viertelfinale mit Bremen bedeuten?

Pizarro: Viel, ich habe es ja schon vorhin gesagt. Wir wollen immer ins Finale nach Berlin - das erzähle ich immer in der Kabine, bevor wir ein Pokalspiel haben. Es wird wichtig sein, dass die Jungs motiviert sind, und wir spielen zudem auch zu Hause. Diesen Vorteil müssen wir nutzen.

Pizarro als Motivator in der Kabine

SPORT1: Wie kann man sich Ihre Ansprache vorstellen? Wie ein Lehrer vor der Klasse, der sagt: "Männer, das ist so geil"…?

Pizarro: Ja, kann man so sagen. Aber ich bin eigentlich mehr ein Mensch, der viel lacht und versucht positive Energie reinzubringen, damit sich die Jungs motivieren vor dem Spiel.

SPORT1: Woher kommt diese positive Energie bei Ihnen? Die Situation ist im Moment nicht einfach, aber man hat bei Ihnen das Gefühl, dass Sie da immer versuchen, anders ranzugehen.

Pizarro: Ich bin einfach ein glücklicher Mensch. Ich weiß auch, dass die Situation nicht einfach ist, aber deswegen werde ich nicht die ganze Zeit ein langes Gesicht ziehen oder anfangen zu heulen. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass man weiterarbeitet und immer nach vorne guckt, wenn man aus der Situation rauskommen will. Die einzige Möglichkeit, die du hast, ist noch mehr und hart zu arbeiten. Und wenn das nicht genug ist, dann hast du wenigstens alles gegeben. Aber das Wichtigste ist, dass man alles versucht, um aus dieser Situation rauszukommen.

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SPORT1: Was bedeuten Ihnen die Rekorde, die Sie in der Bundesliga aufgestellt haben?

Pizarro: Dafür bin ich sehr dankbar, das bedeutet mir viel. Das sind Preise, die man nicht so einfach bekommt. Wenn ich sowas bekomme, dann heißt das, ich habe etwas Gutes gemacht. Ich freue mich richtig und es erfüllt mich mit Stolz. Ich versuche immer, der Bundesliga, Deutschland und den Leuten, die mich gut aufgenommen haben, etwas Gutes zurückzugeben.

Pizarros Wünsche nach seinem Karriereende

SPORT1: Sie spielten schon im Laufe der vergangenen Saison mit dem Gedanken aufzuhören. Können Sie jetzt sagen, am Saisonende ist definitiv Schluss?

Pizarro: Ja, ich glaube schon.

SPORT1: Was machen Sie nach dem Karriereende?

Pizarro: Ich werde etwa sechs Monate mit meiner Familie im Urlaub verbringen und mir Gedanken darüber machen, was ich als Nächstes machen werde. Ich habe schon ein paar Möglichkeiten. Aber ich versuche das momentan abzublocken, weil ich mich auf Werder konzentrieren will. Danach werde ich nachdenken und gucken, was ich danach machen kann - natürlich wird das in Verbindung mit Fußball stehen. Aber wo genau und was, das weiß ich noch nicht.