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München und Kaiserslautern - Vor dem DFB-Pokalspiel des 1. FC Kaiserslautern gegen Fortuna Düsseldorf spricht Dr. Markus Merk bei SPORT1 über die Partie und die Situation beim Drittligisten.

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Dr. Markus Merk ist bekannt als Mann klarer Worte.

Anfang Dezember vergangenen Jahres wurde der dreifache Weltschiedsrichter des Jahres zum stellvertretenden Vorsitzenden und Sprecher des Aufsichtsrates des 1. FC Kaiserslautern gewählt.

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Im Interview mit SPORT1 spricht der 57-Jährige über die finanzielle Situation des Drittligisten, die sportliche Situation beim FCK sowie den DFB-Pokal aus der Sicht eines Schiedsrichters. (DFB-Pokal Achtelfinale: 1. FC Kaiserslautern - Fortuna Düsseldorf ab 18.30 Uhr im LIVETICKER)

SPORT1: Herr Dr. Merk, wenn man einen Arzt fragen würde "Wie geht es dem FCK?" – was würde dieser antworten?

Dr. Markus Merk: Der Arzt würde sagen: "Es ist ein Patient." Wir leben zwischen Tradition und Moderne. Das Jahr 2020 ist für den Verein ein fantastisches Jahr. Der berühmt-berüchtigte Betzenberg feiert in diesem Jahr im Mai seinen einhundertsten Geburtstag. Unser Idol Fritz Walter wäre im Oktober hundert Jahre alt geworden. Also ein Jahr der Festlichkeiten. Für uns ist es auch ein Jahr des Aufbruchs. Nachdem es hier im letzten Jahrzehnt so viele Turbulenzen gab. Wir wissen, 3. Liga ist unser Alltag. Trotzdem ist es ein Aufbruchsjahr. Wir haben eine neue Führung, tolle Mitarbeiter im Verein. Und immer noch unser größtes Gut: die Fans. Ich weiß, dass uns viele die Daumen drücken, dass wir den "Patienten FCK" von der Intensivstation runterbringen. Daran arbeiten wir täglich.

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SPORT1: Neben der hohen Stadionmiete, die man berappen muss, hat Lautern ja immer noch einiges an finanziellen Altlasten. Wie steht es finanziell um den Verein?

Merk: Als wir am 1. Dezember vergangenen Jahres angetreten sind, wussten wir natürlich, dass sich der Verein in einer wirtschaftlich unfassbar schwierigen Lage befindet. Wir haben diese Herausforderung angenommen. Unsere Aufgabe war zunächst den Ist-Zustand zu überblicken. In den letzten Wochen gab es Gespräche mit Investoren. Es gibt in Kaiserslautern fast schon eine Schicksalsgemeinschaft, zwischen der Stadt, der Stadiongesellschaft und dem 1. FCK. Wir arbeiten an partnerschaftlichen Lösungen. Stand heute schauen wir positiv in die Zukunft, auch wenn es immer noch unfassbar schwierig ist.

"Wir müssen Geduld bewahren"

SPORT1: Den Stadionnamen abgeben ist in Kaiserslautern keine Option?

Merk: Zum hundertjährigen Geburtstag von Fritz Walter ist es natürlich in diesem Jahr kein Thema. Ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass Fritz ein guter Freund von mir gewesen ist. Ich weiß, dass es ihm persönlich am wenigsten ausmachen würde, wenn es denn dem Verein hilft. Aber im Moment ist es für uns kein Thema.

SPORT1: Wie groß ist denn der Zwang, aufzusteigen?

Merk: In den vergangenen Wochen war es schön, dass sich das Team stabilisiert hat. Fünf Siege und ein Unentschieden vor der Winterpause, das hat uns gut getan. Wir müssen Geduld bewahren. Wir wissen ganz genau, wo wir stehen. Wir sind demütig. Alle Drittligisten wissen: Irgendwann muss man aufsteigen, denn nur dann ist es finanziell ertragreich.

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SPORT1: Können Sie einen Einblick in die finanziellen Verpflichtungen des Vereins geben?

Merk: Die Zahlen sind ja überwiegend öffentlich. Die Pacht für das Stadion würde eigentlich 3,2 Millionen Euro jährlich betragen. In den letzten zwei Jahren war das eben reduziert auf 425.000 Euro. Dieser Wert ist eben jetzt für uns eine Richtlinie, an der wir uns orientieren und an dem wir versuchen, die Verhandlungen so zu gestalten, dass es für alle Parteien erträglich wird.

SPORT1: Was zeichnet das Team aus, das Sie zusammengestellt haben?

Merk: Es geht einfach um Herzblut. Leute aus der Region, die wollen, dass der Verein weiter existiert. Ich kann sagen: Es ist die schwierigste Phase in der 120-jährigen Vereinsgeschichte. Aber eins war immer klar für mich: Wenn der Verein mich braucht und ich für ihn etwas tun kann, dann werde ich mich nicht wegducken. Ich habe die Verantwortung übernommen. Das Schlimmste wäre für mich, wenn ich eines Tages in der Pfalz sitzen würde und sagen müsste: "Du hast es nicht versucht."

SPORT1: Gab es in Ihrer Laufbahn Probleme, wenn sie als bekennender Fan der Roten Teufel Spiele gepfiffen haben?

Merk: Ich war in meiner aktiven Zeit als Schiedsrichter ja öfter in München, in Hamburg, in Mailand, in Madrid, in Barcelona oder in Manchester als auf dem Betzenberg. Interessenskonflikte gab es da auch in der Ferne nie. Mitte der 1990er Jahre gab es da schon Diskussionen. "FCK-Mitglied pfeift Dortmund gegen Bayern" war mal eine Schlagzeile (lacht). Man hat sich das erarbeitet, dass man diese Spiele pfeifen darf. Wohlwissend, dass ich aus Kaiserslautern komme, aber immer professionell war. Und das wussten auch die Spieler.

"Wir wollen den Betzenberg beben sehen"

SPORT1: Was macht den DFB-Pokal und erst recht das Finale aus der Sicht eines Schiedsrichters aus?

Merk: Ich durfte 1992 das 50. DFB-Pokalfinale pfeifen. Darauf hat man ja nicht nur als Fußballer hingearbeitet, sondern auch als Schiedsrichter. Das ist ein fantastischer Moment. Irgendwann sollte ich als Erster zum zweiten Mal das Finale pfeifen – das habe ich abgelehnt. Ich habe gesagt, es gibt nur einmal im Jahr ein Pokal-Finale. Es gibt so viele Schiedsrichter-Kollegen, die dieses Finale nie pfeifen dürfen. Diese Erinnerung des einmaligen Finals, war großartig. Auch wenn ich da jetzt als Fußball-Fan bin, ist die Stimmung immer noch großartig. Als Lauterer träume ich natürlich davon, ein Finale noch einmal mit dem 1. FCK erleben zu dürfen.

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SPORT1: Nachdem ja mit Nürnberg und vor allem Mainz schon zwei Hochkaräter ausgeschaltet wurden, kommt mit Düsseldorf nun das Tabellenschlusslicht aus der Bundesliga. Kommt Lautern weiter?

Merk: Wir wollen den Betzenberg mal wieder beben sehen. Die ganze Region freut sich auf dieses Spiel. Wir wissen ganz klar: Achtelfinale im DFB-Pokal als Drittligist ist eine Zugabe. Wir sind alle heiß auf dieses Spiel. Kaiserslautern hat ja immer davon gelebt, so ein wenig der Underdog zu sein.

SPORT1: Wie groß ist auch der finanzielle Anreiz des Viertelfinales?

Merk: Immer diese Diskussionen über Geld. Natürlich ist das ein wichtiges Thema. Aber was lange in Kaiserslautern zu kurz gekommen ist: Wir müssen wieder über Fußball reden. Wir freuen uns auf ein Achtelfinale – aus dem sportlichen Aspekt.