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Berlin und München - Der Viertelfinaleinzug des FC Bayern ist ein hartes Stück Arbeit. Auf die neue Flügelzange ist Verlass, aber in der Defensive hapert es weiterhin. Die Lehren.

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Nach kräftezehrenden 120 Minuten atmete Niko Kovac erleichtert auf.

"Es war ein hartes Stück Arbeit", sagte der Trainer des FC Bayern nach dem 3:2-Erfolg nach Verlängerung im Pokal-Achtelfinale bei Hertha BSC. "Aber wenn man nach 120 Minuten durchkommt, ist man auch glücklich."

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Rundum zufrieden war Kovac wegen der Extraschicht allerdings nicht. Schließlich überlagerten erneut einige Mankos eine ansonsten dominante Vorstellung der Bayern.

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SPORT1 zeigt die Lehren aus dem Pokalspiel der Münchner:

- Hinten hakts

Gleich den ersten Torschuss der Hertha von Maximilian Mittelstädt (3.) musste Manuel Neuers Vertreter Sven Ulreich passieren lassen.

Insgesamt waren zwei von nur drei Berliner Torschüssen drin. In den vergangenen beiden Spielen musste Bayerns Nummer zwei damit fünfmal hinter sich greifen - die defensive Anfälligkeit lässt sich aber nicht ihm allein ankreiden.

Wie schon beim zweiten Gegentor in Leverkusen (1:3) war der frühe Rückstand in Berlin die Konsequenz einer Fehlerkette: Von einem Abstoß vom gegnerischen Tor ausgehend, kamen die Bayern in den Duellen immer den entscheidenden Schritt zu spät.

Hinzu kam erneut ein individueller Fehler, diesmal von Mats Hummels vor dem Ausgleich von Davie Selke (67.), der die Bayern zum Nachsitzen zwang.

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"Der Hauptkritikpunkt in dieser Saison ist einfach, dass wir zu viele billige Tore hergeben, beziehungsweise zu viele schwerwiegende Fehler machen", haderte Kovac. Diese Fehler müsse man reduzieren. "Wenn wir das schaffen und nicht jedes Mal zwei oder drei Gegentreffer kassieren, dann gewinnen wir Spiele auch leichter." (Die Stimmen zum Pokal-Achtelfinale)

- Flügelzange funktioniert

Umso wichtiger war daher, dass auf die offensiven Außenbahnen Verlass war. Der sehenswerte Volleyschuss von Serge Gnabry (7.) brachte die Bayern nach dem frühen Schock prompt zurück ins Spiel. Auch im Anschluss war Gnabry einer der Aktivposten im Offensivspiel der Bayern.

Sein zweiter Treffer nach einer sehenswerten Kombination über Niklas Süle, Robert Lewandowski und James war die logische Konsequenz (49.). Danach baute der 23-Jährige bis zu seiner Auswechslung in der 89. Minute aber mehr und mehr ab.

Für die Entscheidung sorgte schließlich Gnabrys Flügelkollege Kingsley Coman (98.), der zuvor auf dem linken Flügel Valentino Lazaro immer wieder schwindelig spielte, aber bei seinen Hereingaben häufig die letzte Präzision vermissen ließ.

"Der King hatte zwei schwere Verletzungen und er braucht sicher noch seine Zeit", sagte Kovac vor der Partie.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Erben von Franck Ribery und Arjen Robben immer zuverlässiger in ihre Rolle finden.

- James hängt sich rein

Wegen seiner Reservistenrolle wirkte James in den vergangenen Wochen zunehmend gefrustet, sein Startelf-Comeback in Leverkusen könnte rückblickend einen Wendepunkt darstellen.

Auch im Pokal durfte der Kolumbianer gleich wieder von Beginn an ran - und zeigte bis zu seiner Auswechslung in der 119. Minute eine sehr engagierte Leistung, die er mit seiner Vorlage zu Gnabrys zweitem Treffer krönte. Seine 163 Ballkontakte wurden nur von Thiago übertroffen (178).

"Die Ballsicherheit, die er an den Tag legt, das ist schon immens wichtig. Mit ihm haben wir sehr viel mehr Qualität", sagte Kovac.

Da im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool (Dienstag, 19. Februar, ab 21 Uhr im LIVETICKER) Thomas Müller gesperrt fehlt, ist Kovac auf James' Fähigkeiten ganz besonders angewiesen.

- Ribery als Joker

Mit seinem ersten Wechsel wartete Kovac bis zur 89. Minute: Doppelpacker Gnabry machte Platz für Franck Ribery, der nach seinem im Trainingslager erlittenen Muskelfaserriss sein Comeback feierte.

Der Franzose rückte auf seinen angestammten linken Flügel, Coman wechselte auf die rechte Seite – und stand so beim entscheidenden 3:2 in der Verlängerung goldrichtig.

Zwar erfolgte die Umstellung sehr spät, doch der Schachzug machte sich in der Verlängerung bezahlt.

"Der Matchwinner war Ribery", analysierte Hertha-Trainer Pal Dardai in der ARD. "Wir haben es hingekriegt, Coman und Gnabry über fast 90 Minuten zu verteidigen. Und dann kommt Ribery. Wegen ihm hatten wir oft Chaos-Momente."

Über 90 Minuten hat der 35-Jährige in dieser Saison nur vier Pflichtspiele. Da Coman in der Hinrunde wegen seiner Sprunggelenksverletzung lange nicht zur Verfügung stand und auch Gnabry immer wieder mit leichten Blessuren zu kämpfen hatte, war Ribery häufig gesetzt und wurde eher aus- als eingewechselt.

Für die zweite Saisonhälfte ist ein Rollentausch mit Ribery und dem aktuell noch verletzt fehlenden Robben als Edeljoker eine erfolgsversprechende Option.