München - Der FC Bayern gilt im Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund als Favorit. Doch es gibt Gründe, auf der Hut zu sein - vor allem wegen Dortmunds neuem Trainer Peter Stöger.

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Peter Stögers persönliche Bilanz gegen den FC Bayern macht nicht gerade Mut. In sechs Spielen mit dem 1. FC Köln gab es ein Unentschieden und fünf Niederlagen.

Und dennoch ist eine gehörige Portion Respekt zu spüren bei den Bayern vor dem Achtelfinale im DFB-Pokal am Mittwoch (ab 20.30 Uhr im Liveticker) gegen Borussia Dortmund. Denn Stöger hat den so arg ramponierten BVB in seiner noch kurzen Amtszeit wieder etwas aufgepeppelt.

SPORT1 nennt vier Gründe, warum die Bayern auf der Hut sein müssen.

- Stabilität

Das riskante Pressing unter Vorgänger Peter Bosz ohne Netz und doppelten Boden hat Stöger direkt in die Taktik-Mülltonne gekippt.

Stögers Devise heißt Stabilität und Kompaktheit. Das war schon in Köln sein Markenzeichen. Das ist nicht gerade attraktiv – ist den Borussen im Moment aber herzlich egal.

Die Abwehr steht tiefer, die Räume zwischen Mittelfeld und Abwehr werden möglichst dicht gemacht, sogar die Stürmer lassen sich weit zurückfallen. Gegen Hoffenheim am Samstag setzten die Schwarz-Gelben sogar im eigenen Stadion häufig auf Konter. Ein ähnliches Szenario ist am Mittwoch in München zu erwarten.

Die Ergebnisse geben Stöger erst einmal recht. In Mainz gewann der BVB 2:0, gegen Hoffenheim 2:1 – auch wenn Dortmund in beiden Spielen Glück hatte. Und die Bayern taten sich zuletzt ihrerseits in der Offensive schwer, gewannen dreimal in Folge mit dem Minimalergebnis 1:0.

- Rücksicht auf die Spieler

Stöger ist aber kein sturer Taktik-Guru. Er setzt seine Spieler vielmehr nach ihren Stärken ein. Seine Vorgaben sind kein Korsett, das die Spieler einschnürt, sondern ihnen Halt geben soll.

Markantes Beispiel ist Julian Weigl. Unter Bosz musste der defensive Mittelfeldspieler weiter vorne agieren, als ihm lieb war. Nun darf er das Spiel wieder aus der Tiefe lenken.

Auch Jeremy Toljan als rechter Verteidiger und Ömer Toprak als Innenverteidiger zeigten zuletzt zwei ordentliche Leistungen. Bei Bosz waren sie völlig von der Rolle und sogar ganz außen vor.

Und Aubameyang muss sich als Sturmspitze nicht im Pressing aufreiben, sondern soll sich auf seine Offensiv-Qualitäten konzentrieren.

- Neue Verschworenheit

Stöger gilt als Trainer, der einen guten Zugang zur Mannschaft findet. Das ist ihm offensichtlich auch in Dortmund schnell gelungen. Waren die Spieler unter Bosz noch jeder mit sich selbst beschäftigt, treten die Dortmunder nun wieder als Mannschaft auf.

Im Training etwa ist zu beobachten, dass Stöger die Grüppchenbildung beim BVB auflöst. "Ich habe den Eindruck, dass die Spieler jetzt merken, dass sie sich wieder zusammenraufen müssen", schwärmte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Samstag im ZDF von den psychologischen Fähigkeiten des Österreichers.

Auffällig ist auch der demonstrativ gemeinsame Jubel nach Toren. Nach dem Treffer von Sokratis  in Mainz – dem ersten unter der Regie von Stöger – sprintete der Grieche durch zur Mittellinie und feierte mit der gesamten Dortmunder Bank. Beim Last-Minute-Treffer von Pulisic gegen Hoffenheim war im Signal Iduna Park erstmals nach langer Zeit wieder so etwas wie Euphorie zu spüren.

- Selbstbewusstsein

Die Dortmunder wissen, dass die zwei Siege nur ein zartes Pflänzchen sind. Trotzdem hat Stöger dem Team schon wieder ein anderes Auftreten vermittelt. Unter Bosz schlichen die Spieler merklich verunsichert über den Platz, nun treten sie wieder mit einer anderen Körpersprache auf.

Vielleicht erinnern sie sich ja auch an den letzten Pokalauftritt in München. Im April im Viertelfinale galten sie auch als klarer Außenseiter, gewannen 3:2 – und später den Pokal.

Das möchte auch Stöger. "Ich weiß nicht, wie oft ich noch die Möglichkeit habe, ein Pokalfinale zu erreichen. Am liebsten würde ich den Pott natürlich gewinnen", sagt er. Dazu muss er erstmals in seiner Trainerkarriere die Bayern bezwingen.

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