DFB-Auswahl Joachim Löw
DFB-Auswahl Joachim Löw © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
Lesedauer: 2 Minuten

Der Confed Cup zeigt: Die DFB-Auswahl hat ein unglaubliches Reservoir an Topspielern. Doch trotz aller Qualität darf sich Beckenbauers Fehler nicht wiederholen.

Anzeige

Die einen sagen, Joachim Löw sät in Russland gerade die Saat für den WM-Titel 2018.

Andere behaupten, er fährt beim FIFA Confederations Cup in Russland bereits die erste Ernte für eine Arbeit ein, die er weit im Vorhinein getan hat.

Anzeige

Denn der Bundestrainer war wesentlich daran beteiligt, dass die Nachwuchsteams des DFB seit Jahren einheitliche Spielinhalte gelehrt bekommen.

Beim Turnier der Kontinentalmeister profitiert er nun davon, dass dem nachrückenden Nachwuchs viele Aspekte seiner Taktik und Spielphilosophie bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind.

Während er früher vor Turnieren seine Auswahl wochenlang und intensiv auf seine Linie bringen musste, kann er nun auf einem viel höheren Level mit seiner Arbeit beginnen.

Sein Team scheint zusammengewürfelt, die Spieler kennen einander allerdings schon gut aus den DFB-Juniorenteams und wissen grundsätzlich, was von ihnen bei der Landesauswahl verlangt wird.

Ähnliches führte im Vorjahr bereits zur olympischen Silbermedaille von Rio de Janeiro.

Auf dieser Basis hat Löw es geschafft, binnen kürzester Zeit die aufnahmewilligen Festplatten seiner Spieler mit einem bemerkenswerten Upgrade zu versehen. Vergleichbares gilt auch für Stefan Kuntz bei der UEFA U-21 Europameisterschaft 2017.

Dass Löws Mannschaft in der neuen Zusammensetzung gut genug ist, drei Kontinentalmeister zu bezwingen und Südamerikas Champions Chile ein verdientes Remis abzutrotzen, hat international für enormes Aufsehen gesorgt.

Über das anfänglich belächelte DFB-Team heißt es inzwischen nur noch genauso respektvoll wie schulterzuckend: Deutschland ist eben Deutschland, egal wer in den Trikots steckt.

Der Erfolg des Projekts Russland 2017 beschert Löw für die kommenden Monate einen ungeahnten Luxus: Er kann sich zurücklehnen und eine komplette Saison lang den Konkurrenzkampf seiner inzwischen rund 40 ernsthaften und jetzt auch international bewährten Kandidaten für den WM-Kader beobachten.

Und wenn am Ende beispielsweise ein Sami Khedira nicht in Topverfassung sein sollte, kann er ohne Wimpernzucken und guten Gewissens auf - um nur ein paar Namen zu nennen -  Leon Goretzka, Emre Can, Sebastian Rudy oder Julian Weigl zurückgreifen.

Man sollte nun nicht den Fehler Franz Beckenbauers wiederholen, der den deutschen Fußball nach dem WM-Titel 1990 für "auf Jahre hinaus unschlagbar" erklärte.  

Aber angesichts des derzeitigen Spielerreservoirs kann sich die DFB-Auswahl im Sommer 2018 fast nur selbst schlagen.

Dass sie das allerdings durchaus hinbekommt, hat sie beim EM-Halbfinalaus 2016 gegen Frankreich gezeigt.

Löws Ziel wird es sein, bis zur WM auch diesbezüglich noch das entscheidende Upgrade zu installieren.