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Sotschi - Julian Draxler ist der Kapitän der DFB-Auswahl in Russland, Shkodran Mustafi sein Stellvertreter. Aber nun drängt auch Joshua Kimmich in die Verantwortung.

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Joshua Kimmich glaubt von sich schon länger, dass er das Zeug hat, einer Mannschaft mehr zu geben als seine reine sportliche Qualität.

"Ich war in den Jugendmannschaften immer ein Leader-Typ", erzählte er schon vor einem Jahr als EM-Frischling im deutschen EM-Kader. "In Stuttgart war ich auch Kapitän. In München habe ich zunächst eine untergeordnete Rolle. Aber in die Rolle des Leaders wächst man hinein."

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Beim FC Bayern mag das auch angesichts der begrenzten Einsatzzeiten, die ihm Trainer Carlo Ancelotti in der vergangenen Saison gegönnt hat, noch etwas dauern. Aber in der Hierarchie der Nationalmannschaft hat er sich während des FIFA Confederations Cup deutlich nach oben gearbeitet. 

Klose: "Kimmich geht voran"

Ein stiller Leader, im Schatten der Turnierkapitäne Julian Draxler und Shkodran Mustafi? "Still würde ich weglassen", widerspricht Miroslav Klose, der in Russland dem Trainerstab von Bundestrainer Joachim Löw angehört, auf SPORT1-Nachfrage. "Er geht voran, nimmt die Jungs mit. Das ist fantastisch."

Seit 17 Spielen steht Kimmich im DFB-Dress von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz. Er ist die Konstante schlechthin auf der rechten Außenbahn, egal ob in der Viererkette oder im Mittelfeld, wenn Löw wie in Russland häufig mit Dreier-Abwehrreihe spielen lässt.

Der Fluch der guten Tat verhindert, dass er auf seiner vermeintlichen Lieblingsposition im zentralen defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommt. Kimmich hat das längst akzeptiert.

"Für mich hat nicht die Positionsfrage die oberste Priorität, sondern die Frage, ob ich spiele oder nicht", sagt er dazu im Gespräch mit SPORT1. "Wenn ich die Möglichkeit habe, auf dem Platz zu stehen, würde ich zu jeder Zeit die Rechtsverteidigerposition der Sechserposition vorziehen."

Bierhoff: "Joshua hat keine Angst, sich einzubringen"

Bei Löw steht er nicht nur in jedem Spiel auf dem Rasen, er beeinflusst das Spiel der DFB-Auswahl wesentlich. Ob er jetzt Innenverteidiger Matthias Ginter wie in den letzten beiden Partien in der Defensive unterstützt oder Torvorlagen gibt, wie in Russland bereits gegen Australien und Kamerun geschehen: Kimmich wirkt in diesen Tagen omnipräsent.

"Joshua ist ein unglaublich positiver Typ", findet Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. "Er ist sehr aktiv und wissbegierig. Er hat keine Angst, sich einzubringen." Das kommt auch innerhalb der Mannschaft gut an. 

"Jo Kimmich ist ein super Typ", sagt Benjamin Henrichs, der als dessen Backup derzeit nicht das glücklichste Los hat. "Wir verstehen uns nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Er gibt mir viele Tipps. Er hilft mir wirklich viel und man merkt auch, dass er einen mitreißt und pusht." Darüber hinaus sei der 22-Jährige "unglaublich ehrgeizig". 

Löw prophezeit Kimmich "Riesenkarriere"

Nicht zuletzt diese Eigenschaft lässt Löw glauben, dass vor Kimmich "eine Riesenkarriere" liegt. "Joshua ist eines der allergrößten Talente, die ich in den letzten zehn Jahren gesehen habe", urteilt er. "Er hat diesen Biss und diesen Hunger, in jedem Training an seine Leistungsgrenze zu gehen." 

Im Halbfinale des FIFA Confederations Cup gegen Mexiko (Donnerstag, ab 20 Uhr im LIVETICKER, Highlights ab 23.30 Uhr im TV) wird diese Bereitschaft wohl auch wieder gefordert sein. Bei den Mexikanern kommt Superstar Chicharito über die halblinke Angriffsposition auf ihn zu. Ein schwieriges Duell? Bei Klose löst es eher Achselzucken aus: "Bei Joshua mache ich mir mal gar keine Gedanken."