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München - Wayne Bridge spielte für Chelsea und Manchester City - und findet nun viel Lob für Tuchel und Guardiola. Zudem verrät er Erinnerungen an Robben und Ballack.

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Englischer Meister, FA-Cup-Gewinner und Ligapokal-Sieger mit dem FC Chelsea, 36 Länderspiele und zwei WM-Teilnahmen: Wayne Bridge war in den 2000er-Jahren eine feste Größe im englischen Fußball.

Im Januar 2009 wechselte der Linksverteidiger für die damals äußerst stattliche Summe von 13 Millionen Euro von den Blues zu Manchester City. (SERVICE: Alles zur Champions League)

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Ganz genau verfolgt der heute 40-Jährige, wie seine beiden Ex-Klubs unter Thomas Tuchel und Pep Guardiola auf der Erfolgswelle reiten - und sich vor den Viertelfinal-Rückspielen der Champions League zu Titelfavoriten entwickelt haben. (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan Champions League)

Der Fantalk begleitet die Viertelfinal-Kracher in der Königsklasse PSG gegen FCB und BVB gegen ManCity am Dienstag und Mittwoch live im TV und Stream ab 20.15 Uhr

Im SPORT1-Interview (zur Verfügung gestellt von bettingexpert.com) spricht Bridge über die Aussichten des BVB gegen City, die Anlaufschwierigkeiten von Kai Havertz und Timo Werner bei Chelsea, verrät, womit ihn seine ehemaligen Teamkollegen Arjen Robben und Michael Ballack einst beeindruckten - und welcher aktuelle Bayern-Star ihn begeistert. (Champions League: Borussia Dortmund - Manchester City, Mi. 21 Uhr im LIVETICKER)

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SPORT1: Mr. Bridge, mit dem FC Chelsea und Manchester City haben zwei Ihrer ehemaligen Klubs gute Chancen auf den Einzug ins Halbfinale der Champions League und könnten im Finale aufeinandertreffen. Was würden Sie davon halten? 

Wayne Bridge: Das würde ich gerne sehen, um ehrlich zu sein. Das wäre sogar großartig! Nach den Ergebnissen aus den Hinspielen glaube ich auf jeden Fall, dass City und Chelsea ins Halbfinale einziehen - und sie beide im Endspiel zu sehen, das würde mir gefallen. 

SPORT1: Nach dem überraschend knappen Hinspiel: Wie bewerten Sie das Duell zwischen City und Dortmund vor dem Rückspiel am Mittwoch?

Bridge: Es war wirklich ein enges Hinspiel, aber in dieser Phase der Champions League ist das oft so. Dortmund steht vollkommen verdient im Viertelfinale, sie haben einige großartige Spieler. Aber: Ich glaube, dass City auf jeden Fall ein Tor schießen wird - und dann müsste Dortmund drei schießen, um weiterzukommen. Das wird sehr schwierig, wenn man bedenkt, wie stabil City in dieser Saison defensiv ist.

Das macht Manchester City unter Guardiola so stark

SPORT1: Was beeindruckt Sie am meisten an diesem Manchester City unter Pep Guardiola? 

Bridge: Als ich bei Chelsea war, hatten wir eine gewisse Mentalität, die Mannschaft war einfach voller Gewinner - und genau das sehe ich jetzt bei City. Man sieht bei Pep diesen hundertprozentigen Willen, gewinnen zu wollen, und wie er den Spielern seine Philosophie weitergeben möchte. Pep hat ganz eindeutig seine Art des Fußballspielens installiert, und die Spieler glauben und vertrauen ihm. Wenn du so ein Verhältnis hast, dann kann eine Mannschaft unaufhaltsam sein! Es ist nicht einfach für einen Trainer, zu einem Team zu kommen und die eigenen Vorstellungen umzusetzen. Du musst erst mal mit der Mannschaft zurechtkommen. Aber Pep war schon als Spieler ein Siegertyp und das hat er definitiv in seine Trainerlaufbahn mitgenommen, wenn man sich anschaut, wie viele Titel er schon gewonnen hat.

SPORT1: Auch Thomas Tuchel hatte beim FC Chelsea einen erfolgreichen Start. Wie bewerten Sie seine ersten Wochen an der Stamford Bridge? 

Bridge: Sehr erfolgreich, ja. Ich wusste erst nicht so recht, was ich erwarten sollte - aber von den ersten Auftritten und Ergebnissen war ich dann schon ein bisschen überrascht. Sie haben sehr guten Ballbesitzfußball gezeigt, Tuchel mag es, das Spiel zu dominieren. Ich hatte ein bisschen Sorge, was das Toreschießen angeht, aber das haben sie wirklich gut hinbekommen. Sie sind jetzt definitiv schwerer zu bezwingen mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, dazu hinten die Dreierkette, in der sich auch die Innenverteidiger im Spielaufbau trauen, Fußball zu spielen. Bis hierhin ist das wirklich super! Es wird interessant zu sehen sein, wie der Rest der Saison verläuft und was Tuchel nächste Saison mit dem Team erreichen kann. Das ist wirklich aufregend für Chelsea!

SPORT1: Nach der 2:5-Niederlage gegen West Bromwich Albion hat Ihr ehemaliger Teamkollege Joe Cole gesagt, Tuchel müsse lernen, dass die Premier League nicht die Bundesliga sei. Was hat er damit gemeint? 

Bridge: Ich will ganz ehrlich sein: Ich verfolge die Bundesliga nicht allzu intensiv. Aber was Joe gemeint hat und was ich auch immer gesagt habe: Es gibt in der Premier League kein einziges einfaches Spiel! Du kannst nach Stoke fahren oder wie jetzt gegen West Brom spielen, und die Spieler werden kämpfen ohne Ende. Da zollt niemand irgendjemandem zu viel Respekt. Selbst wenn ManCity aktuell zu einem Abstiegskandidaten fährt, kennen die keinen Respekt. Sie werden alles geben, dich bearbeiten, aggressiv sein, es ist eine sehr harte Liga. Als ich bei Chelsea war, hatten wir wirklich diese Siegermentalität, dass wir in die Spiele gegangen sind und überzeugt waren, dass wir gewinnen würden. Aber wir sind nie in eine Partie gegangen und dachten, dass es einfach werden würde - das gab es einfach nicht.

Kai Havertz und Timo Werner? "Habe keine Zweifel!"

SPORT1: Kai Havertz und Timo Werner tun sich offensichtlich noch etwas schwer, sich daran zu gewöhnen. Woran liegt es, dass sie bei Chelsea noch nicht so eingeschlagen haben - und was müssen sie besser machen? 

Bridge: Sie haben beide schon angedeutet, wozu sie fähig sind. Einige Auftritte von ihnen waren wirklich ordentlich. Ich habe keine Zweifel daran, dass sie eine viel bessere nächste Saison spielen und zeigen, wozu sie in der Lage sind, wenn sie die Chance dazu bekommen - und ich denke, die werden sie bekommen. Sie haben ganz eindeutig die Qualität! Aber es ist wirklich schwierig für sie. Erstens sind sie beide noch sehr jung. Und sie sind in ein komplett neues Land, in eine ganz andere Liga gewechselt. Das an sich ist schon schwierig genug, dazu kommt noch die Corona-Pandemie. Sie hatten noch keine richtige Vorbereitung mit Chelsea, aber jetzt merkt man schon, dass sie sich langsam zurechtfinden. Im Sommer haben sie dann eine richtige Vorbereitung und ich hoffe, dass sie dann richtig durchstarten.

SPORT1: Wenn wir auf Ihre Karriere zurückblicken: Wer waren Ihre härtesten Gegenspieler? 

Bridge: Da muss ich Shaun Wright-Phillips und Aaron Lennon nennen. Sie waren klein, wendig und auf den ersten Metern unglaublich schnell. Ich war auch nicht der Langsamste, aber ihr Antritt, ihre Richtungswechsel, ihr tiefer Körperschwerpunkt - das waren wahrscheinlich die härtesten Gegenspieler. Die beiden haben mir das Leben immer schwer gemacht.

Bridge schwärmt von Matt Le Tissier

SPORT1: Und welche Mitspieler haben Sie besonders beeindruckt? 

Bridge: Ohje, da gibt es so viele. Matt Le Tissier war unglaublich am Ball, ein sensationeller Spieler.

Matt Le Tissier spielte in seiner Profi-Karriere nur für den FC Southampton - und erzielte dort 162 Liga-Tore
Matt Le Tissier spielte in seiner Profi-Karriere nur für den FC Southampton - und erzielte dort 162 Liga-Tore © Imago

SPORT1: Oh ja, Le Tissier hat auch einige großartige Tore geschossen. 

Bridge: Unglaublich, was er für fantastische Tore geschossen hat! Ich hätte ihn gerne öfter für England spielen sehen. 1998 hat er mal in einem Länderspiel für die B-Nationalmannschaft einen Hattrick geschossen, durfte aber trotzdem nicht mit zur WM. Das war eine echte Enttäuschung. Und wenn ich an Chelsea denke, da gab es so viele beeindruckende Mitspieler ...

So haben Ballack und Robben bei Chelsea beeindruckt

SPORT1: Dann lassen Sie uns über zwei sprechen, die auch in Deutschland gespielt haben. Hätten Sie damals gedacht, dass Arjen Robben einmal so eine Karriere haben würde, wie er sie später beim FC Bayern hingelegt hat? 

Bridge: Arjen ist brillant! Ich weiß noch, wie er zu uns gekommen ist, erstes Spiel, er war unglaublich. Ich erinnere mich noch an ein Tor gegen Newcastle kurz nach seiner Verpflichtung: Er hat den Ball bekommen, dann vier, fünf Spieler einfach stehen lassen und den Ball reingeschossen. Brillant! Er hatte leider einige Verletzungen, als er bei Chelsea war, aber er war fantastisch! So ein guter Spieler, seine Dribblings, sein Torabschluss. Er wäre auf jeden Fall einer der Spieler gewesen, die ich auch gewählt hätte. Und Ballack wäre noch einer ... 

SPORT1: Das trifft sich gut. 

Bridge: Er steht auf meiner Liste, weil er ein geborener Gewinner ist, er hat einfach diese Siegermentalität! Er war an beiden Enden des Spielfelds großartig, robust - und er hatte kein Problem mit der Spielweise in der Premier League. Er hatte nie Angst vor einem Zweikampf, hat vor keiner Grätsche zurückgescheut. Und er war stark am Ball, ein richtig guter Ballverteiler, der sich auch nach vorne eingeschaltet und Tore geschossen hat - egal, ob mit den Füßen oder mit dem Kopf. Er war definitiv auch einer der besten Mitspieler, die ich bei Chelsea hatte.

Michael Ballack (r.) und Wayne Bridge (l.) spielten von Sommer 2006 bis Januar 2009 gemeinsam beim FC Chelsea
Michael Ballack (r.) und Wayne Bridge (l.) spielten von Sommer 2006 bis Januar 2009 gemeinsam beim FC Chelsea © Imago

SPORT1: Auf Ihrer ehemaligen Position als Linksverteidiger haben selbst die Topklubs immer wieder Probleme, Spieler von Weltklasseformat zu finden. Welche Spieler sehen Sie auf dieser Position aktuell als die besten der Welt? 

Bridge: Ich habe da natürlich vor allem die englischen Spieler im Blick, aber wenn ich darüber hinausblicke: Alphonso Davies macht einen großartigen Eindruck! Wirklich schnell, toller Antrieb, er kann verteidigen und angreifen - und er ist immer noch so jung! Er spielt unglaublich. Und er ist natürlich genau beim richtigen Verein. Ich glaube, dass er sich noch weiter verbessern und aufblühen wird und auf Jahre hinaus einer der besten Spieler auf dieser Position sein wird.