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München - Gegen Lazio Rom durfte Alexander Nübel sein drittes Pflichtspiel für den FC Bayern bestreiten. Läuft alles normal, war es für lange Zeit sein letztes.

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Alexander Nübel hatte die seltene Chance, Eindruck zu hinterlassen.

Erst zum dritten Mal in der laufenden Saison stand der von Schalke 04 zum FC Bayern gewechselte Schlussmann am Mittwochabend beim Rekordmeister zwischen den Pfosten, viel zu selten für seine Ansprüche.

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Und zu selten, gemessen an der schriftlichen Zusage einer bestimmten Zahl an Einsätzen, die ein wesentliches Argument für die Transfer-Entscheidung des heute 24-Jährigen gewesen waren.

82 Minuten lang agierte Nübel nun im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Lazio Rom (2:1) unauffällig. Mit dem Ball am Fuß gab er nicht die allersicherste Figur ab. Aber mit seiner Kernaufgabe hatte der Torhüter keine Probleme (Einzelkritik).

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Dann segelte eine Freistoßflanke von Andreas Pereira von links in den Münchner Fünfmeterraum. Sie war erstens lange unterwegs, landete zweitens auf dem Kopf von Marco Parolo. Und der Römer brachte den Ball drittens per Aufsetzer durch die Beine von Nübel zum 2:1 im Tor unter.

Basler: "Neuer hätte den Ball abgefangen"

"Für mich muss da ein Torhüter raus", sagte SPORT1-Experte Mario Basler im Fantalk. "In der Situation wäre Manuel Neuer herausgekommen und hätte den Ball abgefangen. Manuel wäre da einfach souveräner gewesen."

Stefan Effenberg rief seinen ehemaligen Mannschaftskameraden zur Mäßigung auf: "Mario, jetzt lass ihn leben", sagte der SPORT1-Experte. "Vielleicht ist das fehlende Spielpraxis, wenn du nicht den Rhythmus hast. Ich würde dem Jungen da jetzt keinen Vorwurf machen."

Da waren sie wieder, Nübels Kernprobleme in München in zwei Meinungen zusammengefasst: Es gibt in München eben diesen Überflieger Manuel Neuer, dem Vergleich mit dem Nationaltorhüter hält Nübel (wie so ziemlich jeder andere Torhüter weltweit) nicht stand. Und weil Neuer immer spielen will und dazu die Rückendeckung von Trainer Hansi Flick besitzt, wird sich an dem fehlenden Rhythmus aufgrund mangelnder Spielpraxis auf absehbare Zeit nichts ändern.

In dieser Spielzeit stehen für die Münchner nur noch der Bundesliga-Endspurt und K.o.-Spiele gegen Europas Hochkaräter in der Champions League auf dem Programm.

Sollten die Bayern in der Königsklasse nicht wider Erwarten einen deutlichen Sieg im Hinspiel des Viertel- oder Halbfinals landen oder Verfolger Leipzig in den nächsten Ligaspielen deutlich in der Tabelle distanzieren, ist davon auszugehen, dass Flick ausschließlich auf Neuer setzt.

Flick hat persönlich nichts gegen Nübel

Das hat übrigens nichts mit persönlichen Animositäten zu tun. "Er ist ein herausragender Torwart. Das muss man hier auch mal sagen", lobte Flick Nübel vor dem Spiel gegen Lazio bei Sky. "Er wurde vor meiner Zeit geholt. Deshalb habe ich die Details nie gewusst", spielte er auf die Einsatzzusage für Nübel an.

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Flick hatte zuletzt betont, dass er sich nicht in die Aufstellung hereinreden lasse. Auch als Konsequenz daraus hatte Nübels Berater Stefan Backs zuletzt eine Ausleihe seines Schützlings thematisiert.

"Alexander Nübel bleibt unsere Nummer zwei", hatte Bayern-Vorstand Oliver Kahn im kicker gleich gegengesteuert. Der FC Bayern sei "von diesem Torwart total überzeugt". Die Münchner schätzen Nübels gute Trainingsarbeit, seine demütige Arbeitsauffassung und sein smartes Auftreten. Nur auf der Bank wird sich Nübel allerdings nicht zu dem Klassekeeper von Weltformat entwickeln, den die Bayern irgendwann als Neuer-Erben benötigen.

Zumal das Ende von Neuers Münchner Zeit nicht zwingend mit dem Vertragsende 2023 gekommen sein muss. "Warum sollten wir nicht daran denken, mit dem einen oder anderen noch mal zu verlängern, wenn sie so spielen wie zurzeit?", fragte Kahn angesprochen auf Neuer, Thomas Müller und Robert Lewandowski.

Effenberg: "Nübel ist in einem Alter, wo er spielen muss"

"Nübel ist jetzt in einem Alter, wo er spielen muss", legte sich Effenberg fest. Entsprechend ist eine Leihe auch für Nübel und seinen Berater die logische Konsequenz. AS Monaco mit dem früheren Bayern-Trainer Niko Kovac ist konkret interessiert. Backs versucht, den Wechsel voranzutreiben, möglichst bis 2023, wenn Neuers aktueller Kontrakt in München ausläuft.

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Lassen die Bayern Nübel gehen, birgt das ein Risiko: Verletzt sich Neuer in dieser Zeit, braucht es eine neue Nummer zwei, da der Klub weder Ron-Thorben Hoffmann noch aktuell dem an Nürnberg verliehenen Christian Früchtl die Rolle uneingeschränkt zutraut.

Empfohlen hat sich für diesen Posten in dieser Saison zum Beispiel Arminia Bielefelds Schlussmann Stefan Ortega Moreno. Auf einen möglichen Wechsel nach München angesprochen, hielt sich der 28-Jährige alle Optionen offen. "Für mich wird die Spielpraxis am wichtigsten bleiben, denn ich habe viel zu viel Lust am Spielen", sagte er im SPORT1-Interview. "Aber klar ist auch, dass der FC Bayern eine andere Kragenweite ist. Dort erlebt man Sachen, die man im Normalfall woanders nicht erlebt."

Alexander Nübel kann ein Lied davon singen. Aber auf einige dieser Erfahrungen hätte er wahrscheinlich gerne verzichtet.