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München - Pepe zieht normalerweise mit seiner aggressiven Spielweise den Zorn der Fussballwelt auf sich. Gegen Juventus erobert der Verteidiger des FC Porto die Fanherzen.

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Normalerweise ist Pepe bei den Fußball-Fans weltweit für seine aggressive und oftmals auch unfaire Spielweise bekannt.

Die Klassiker: harte Fouls, Beschimpfungen und theatralische Einlagen des Innenverteidigers. Keine Frage, Pepe ist kein Kind von Traurigkeit. Im Achtelfinal-Rückspiel zwischen dem FC Porto und Juventus Turin hingegen überzeugte der inzwischen 38-Jährige durch eine grandiose Defensivleistung.

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Er sorgte für den Viertelfinaleinzug seiner Mannschaft und zeigte den Fans, dass er es auch anders kann. Überragend Fußball spielen ohne jegliche Unsportlichkeit und grobe Vergehen.

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Pepe und eine der brutalsten Unsportlichkeiten der Geschichte

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Seinen Ruf als knochenharter Haudegen erarbeitete sich der gebürtige Brasilianer, der nach seiner Einbürgerung ein Dauergast in der portugiesischen Nationalmannschaft war, in erster Linie nach seinem Wechsel für satte 30 Millionen Euro Ablöse vom FC Porto zu Real Madrid im Jahr 2007.

Dort gewann er 2014, 2016 und 2017 die Champions League. Im Jahr 2016 wurde er mit Portugal Europameister. Im Finale gegen EM-Gastgeber Frankreich führt Pepe seine Wahlheimat zum Sieg und wurde zum "Player of the Match" ausgezeichnet.

Sein Weg bei Real Madrid endete nach zehn Jahren im Sommer 2017. Mittlerweile ist der Routinier wieder für seine alte Liebe FC Porto am Ball.

Pepes schlimmes Vergehen gegen Casquero

Die Zeiten scheinen vorbei, als er sich mit unschönen Szenen große mediale Aufmerksamkeit sicherte - und sich viele Feinde machte. 2009 legte der Portugiese gegen den FC Getafe eine der brutalsten Unsportlichkeiten der Geschichte hin.

Erst foulte er Javier Casquero heftig, ehe er den am Boden liegenden Mittelfeldspieler zwei Mal in den Rücken trat und zur Krönung dessen Kopf ins Gras drückte. Nach der unumgänglichen Roten Karte ließ Pepe nicht locker und wurde erneut des Platzes verwiesen. Beim Verlassen des Spielfeldes beleidigte er den Vierten Offiziellen.

Sogar sein damaliger Klub Real distanzierte sich deutlich von dem Akteur. Das Ende vom Lied: zehn Spiele Sperre.

Pepe kann Kritik nicht nachvollziehen

Die Unsportlichkeit gegen Getafe war nur eine von vielen. Trotzdem kann Pepe die Kritik nicht verstehen. "Real ist ein vorbildlicher Klub. Ich hätte niemals die Chance gehabt, so lange für den Verein zu spielen, wenn ich denn verrückt oder brutal gewesen wäre", sagte er zu seiner Verteidigung.

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Teilweise wirkte es, als habe der Portugiese aus seiner Sperre wenig bis nichts gelernt. Kaum begann ein Spiel, verwandelte er sich in ein Raubtier auf dem Rasen. Der knallharte Verteidiger sammelte im Laufe seiner Karriere 154 Gelbe Karten. Pepe teilt gerne aus und flog insgesamt zwölfmal vom Platz, davon sechsmal mit glatt Rot.

Die - unbestrittenen - fußballerischen Qualitäten rückten durch seine Aussetzer oftmals in den Hintergrund. Und das, obwohl Pepe mit einer unglaublichen Kopfball- und Zweikampfstärke sowie seinem guten Stellungsspiel enorme Qualitäten vorzuweisen hat.

"Er hatte seine Nerven nicht im Griff. Dabei ist Pepe ein netter, umgänglicher Kerl. Nur wenn er das weiße Hemd überzieht, dreht er durch", beschrieb Ex-Real-Coach Bernd Schuster Pepe einmal in der spanischen Marca

Pepe mit Glanzstunde in Turin

Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League in Turin hatte Pepe seine Nerven bestens im Griff. Sein FC Porto setzte sich gegen Juventus durch, trotz der Roten Karte von Mehdi Taremi in der 54. Minute. Über die Hälfte der insgesamt 124 Minuten musste Porto in Unterzahl um den Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse kämpfen.

Und Pepe? Der zeigte eine glänzende Defensivleistung - und das auch noch gegen seinen Kumpel Cristiano Ronaldo. Pepe gewann 100 Prozent seiner Luftkämpfe und gewann achtmal den Ball zurück. Dazu blockte er zwei Schüsse ab. Eine heldenhafte Aktion in der letzten Minute setzte dem Ganzen die Krone auf. 

Pepe klärte den Kopfball, der in den Strafraum flog, artistisch. Wäre er nicht gewesen, dann hätte Matthijs de Ligt ihn womöglich zum späten Triumph von Juventus über die Linie gedrückt. (Spielplan und Ergebnisse der Champions League)

Es war die letzte Chance für Juve - und zumindest für einen kurzen Augenblick überstrahlte Pepes sportlicher Glanz wieder einmal seinen legendären Rüpel-Status.