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Hansi Flick gilt als besonnen. Auffällig ist jedoch, dass der Bayern-Coach zuletzt an der Seitenlinie deutlich offensiver und impulsiver agiert. Das hat Gründe.

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Der nette Hansi kann auch anders. 

Seit 478 Tagen ist Bayerns-Erfolgstrainer nun im Amt. Mit viel Ruhe und Gelassenheit hat er die Münchner zurück in die Erfolgsspur gebracht und binnen einer Saison historische sechs Titel eingefahren.  

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Seinem Spielstil ist sich der 55-Jährige treu geblieben. Flick vertraut auf ein 4-2-3-1, er forciert das dominante Spiel und eine hochstehende Viererkette, um maximalen Gegnerdruck zu erzeugen. Da seine Spieler aufgrund der hohen Belastung und zahlreicher Ausfälle zuletzt immer häufiger im Schlafwagen-Modus unterwegs waren, vor allem in den ersten 45 Minuten, hat sich Flick an der Seitenlinie verändert. 

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Flick macht Bayern-Stars und Schiedsrichtern Dampf

Er wird lauter, wenn sich seine Spieler wiederholt für die falsche Aktion auf dem Platz entscheiden. Gleichermaßen pusht er sie bei gewonnenen Zweikämpfen. Auffallend oft korrigiert er auch Laufwege, wie etwa bei Leroy Sané. 

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Am auffälligsten jedoch ist, dass sich Flick vermehrt impulsiv über vermeintliche Fehlentscheidungen der Schiedsrichter aufregt. Dann wird er lauter, winkt ab, rudert mit beiden Händen in der Luft. Beim 3:3 gegen Bielefeld störte es ihn, dass sich Ritsu Doan auf den Boden fallen ließ und damit einen Bayern-Angriff verhindern wollte. Er scheute sich nicht vor dem verbalen Duell mit der Trainerbank der Gäste.  

Gegen Frankfurt (1:2) diskutierte er nach dem Halbzeit-Pfiff minutenlang mit dem Schiedsrichtergespann und fing sich Mitte der zweiten Hälfte seine erste Gelbe Karte als Trainer ein. Hinzukommt, dass er auf Pressekonferenzen immer deutlicher seine Meinung artikuliert (wie zuletzt in der Posse um SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach) und sich weiterhin vehement vor seine Spieler stellt. 

Flick punktet bei seinen Spielern

Beim verletzten Corentin Tolisso (Muskelsehnenriss) forderte er vom ganzen Verein umgehend und langfristige Unterstützung. Unabhängig davon, dass der Franzose im Sommer zu den Verkaufskandidaten zählt. In der Kabine stärken ihn solche Forderungen.   

Dass er, wie am Montag geschehen, respektvoll aber dennoch deutlich erklärt, dass Jamal Musiala zuletzt in einem Mini-Formtief gesteckt hat, bei der Klub-WM im Finale gegen Tigres (1:0) enttäuschte und deshalb in der Folge weniger zum Einsatz kam, ist ebenso bemerkenswert.

Denn mit seiner nachvollziehbaren Erklärung erstickte er die Forderungen im Keim, wonach Musiala zuletzt deutlich häufiger hätte spielen sollen als etwa Eric Maxim Choupo-Moting, der zuletzt deutlich besser trainiert hat als der 17-Jährige. 

Flick immer deutlicher, immer impulsiver!  

Das steckt hinter Flicks Wandlung

Nach SPORT1-Information ist Flick vor allem an der Seitenlinie ganz bewusst energischer geworden. Mit seiner Aktivität und Energie will er Zeichen setzen, die Mannschaft wachrütteln und mit gutem Beispiel vorangehen. Seine Spieler sollen sehen: Der Trainer gibt alles und lässt sich nicht hängen! 

Passend dazu sagt Bayern-Legende Lothar Matthäus im SPORT1-Interview: "Hansi ist lange genug dabei, er ist 1985 zum FC Bayern gekommen und weiß, was im Fußball los ist. Er ist ein Mensch, der sich über vieles Gedanken macht. Ich glaube, dass er beim FC Bayern zurzeit einen Job hat, der ihm unwahrscheinlich Spaß macht; nicht nur mit der Mannschaft, sondern auch mit seinem Staff, wie er immer so schön sagt."

"Wir wissen, was alles in den letzten Tagen passiert ist", erklärte Flick am Montag: "Ich möchte, dass meine Mannschaft von Beginn an wieder da ist. Ich habe absolutes Vertrauen, dass die Mannschaft das bei Lazio Rom auch zeigen wird." (Lazio Rom gegen Bayern München um 21 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1.de)

Soll heißen: Flick wird auch am Dienstagabend im Achtelfinal-Hinspiel der Champions-League an der Seitenlinie nicht zurückstecken: "Wir müssen sehen, dass wir vor den Champions-League-Spielen wieder in Top-Form sind. Das sind besondere Spiele. Da erwarte ich, dass die Spieler besonders motiviert sind."

Genauso, wie es ihr Trainer ist.