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Paris Saint-Germain erlebt zum Auftakt der Champions League eine herbe Enttäuschung. Trainer Thomas Tuchel könnte mit dem Rücken zur Wand stehen.

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"Paris kehrt auf die Erde zurück", titelte Le Parisien nach dem Dienstagabendspiel im Parc des Princes.

Mit 1:2 hatte sich Paris Saint-Germain zum Auftakt der Champions-League-Saison gegen Manchester United geschlagen geben müssen - ein krachender Fehlstart für den Finalisten der vergangenen Saison, der nach dem parallelen Sieg von RB Leipzig gegen Istanbul Basaksehir bereits unter Druck steht. 

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Unter Druck steht in solchen Situationen vor allem der Trainer, in diesem Fall Thomas Tuchel. Für den Deutschen ist das aber nichts Besonderes, denn er bekommt in der französischen Hauptstadt praktisch wöchentlich Gegenwind zu spüren. 

Le Parisien über Tuchel: "Eine Schande"

Wer gedacht hätte, dass sich das nach dem Finaleinzug in der letzten Spielzeit geändert hat, der sieht sich schon wenige Wochen später getäuscht. PSG hat nicht nur in der Königsklasse einen schwachen Start hingelegt, sondern ist auch in der Ligue 1 nicht optimal aus den Blöcken gekommen. Der französische Serienmeister kassierte bereits zwei Pleiten und steht hinter dem OSC Lille nur auf Rang zwei.

Höhepunkt der September-Krise war das Duell mit dem Erzrivalen Olympique Marseille, bei dem in der Nachspielzeit gleich fünf Spieler vom Platz flogen. Superstar Neymar gehörte zu den Rotsündern, er wurde für einen Schlag auf den Hinterkopf seines Gegenspielers bestraft. Bei der Rudelbildung, die schon fast den Charakter eine Massenschlägerei aufwies, kassierten von Paris auch Layvin Kurzawa und Leandro Paredes einen Feldverweis, bei Marseille traf es Jordan Amavi und Darío Benedetto.

Zuletzt gab es für PSG zwar fünf Siege am Stück, die Pleite gegen United wiegt allerdings schwer und bringt die Krise zurück.

Tuchel: "Es war ein bisschen bizarr"

Tuchel fand nach der Partie deutliche Worte: "Es war eine Performance ohne Intensität, ohne Aggression, ohne Ballrückeroberung, ohne Gegenpressing. Es war ein bisschen bizarr. Ich weiß nicht, warum." 

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Le Parisien glaubt hingegen zu wissen, woran es liegen könnte. "Diese Mannschaft hat immer noch zu viele Mängel. Die Pariser Formation ist immer noch auf der Suche nach sich selbst. Die Machtlosigkeit im Mittelfeld zeigt sich nun über eine lange Zeit. Es fehlt die Formel, die die Qualität von Neymar und Mbappé hervorheben kann", schrieb die größte Tageszeitung aus Paris. 

Die Hauptrolle dieser Probleme schiebt Le Parisien Tuchel zu: "Es ist eine Schande, nach drei Jahren nicht zu wissen, wie man sie dazu bringt zusammen zu spielen." 

Es erscheint dabei schon ein wenig absurd, dass eine Mannschaft und ein Trainer, die vor wenigen Wochen zusammen im Finale der Königsklasse standen, derart angezählt werden. In Paris ist das aber nichts Ungewöhnliches, vor allem weil Tuchel viele Gegner hat. 

Dauerstreit zwischen Tuchel und Leonardo

Einer davon schien zuletzt auch wieder der eigene Sportdirektor Leonardo zu sein. Tuchel lieferte sich mit dem Brasilianer einen Dauerstreit. Die letzten Kapitel: Der Trainer forderte Verstärkungen für seinen Kader. "Wenn die Mannschaft so bleibt", meinte Tuchel kurz vor Ende des Transferfensters. "Dann können wir nicht mehr über die gleichen Ziele sprechen." Schließlich hatte PSG unter anderem Edinson Cavani, Thiago Silva, Eric Maxim Choupo-Moting, Tanguy Nianzou, Adil Aouchiche und Thomas Meunier abgegeben.

Leonardo sah das anders und der Sportdirektor kritisierte den Coach daraufhin scharf und in aller Öffentlichkeit. "Das hat uns nicht gefallen. Falls jemand nicht glücklich ist, wenn er sich entscheidet zu bleiben, muss er sich entweder an die sportliche Politik oder die internen Regeln halten."

Tuchels Vertrag läuft am Saisonende aus, für eine Vertragsverlängerung müssten für beide Seiten wohl recht hohe Hürden aus dem Weg geräumt werden. 

Tuchel: "Wir klären das hinter verschlossenen Türen"

Der 47-Jährige hat durch den Champions-League-Finaleinzug zwar an Kredit gewonnen. Dass PSG aber am FC Bayern scheiterte, könnte ihm allerdings zum Verhängnis werden. Denn das große Ziel der Investoren aus Katar ist nicht weniger als der Henkelpott. Wenn dieser in der laufenden Spielzeit nicht nach Paris geholt wird, könnte Tuchels Zeit abgelaufen sein. 

Leonardo gibt seinem Coach in jedem Fall kaum Rückendeckung. Und tatsächlich ist PSG aktuell von der Spielweise, die Tuchel vorschwebt, um einiges entfernt. 

"Es ist klar, dass wir uns verbessern können und müssen. Wir sind nicht happy mit der Performance. Aber jetzt ist nicht der Moment, zu kritisch zu sein. Wir klären das hinter verschlossenen Türen", meinte Tuchel nach der Pleite gegen United.

Sollte es in der nächsten Woche keinen Sieg bei Istanbul Basaksehir geben, dann wird aus dem Gegenwind womöglich ein Orkan.