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Eric Maxim Choupo-Moting galt in Paris als gescheitert. Mit seinem Siegtreffer gegen Atalanta widerlegte der frühere Schalker mit einem Schlag seine Kritiker.

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In einem kitschigen Film hätte es die Schlusspointe sein können.

Ein mäßig begabter Fußballspieler, der in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem durch kuriose Pannen aufgefallen war, rettet mit seinem Tor zum 2:1-Sieg gegen Atalanta Bergamo in der Nachspielzeit eine sündhaft teure Mannschaft voller Superstars vor dem Aus in der Champions League. 

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Das hässliche Entlein, das am Ende wie in Andersens Märchen doch noch zum schönen Schwan wurde, hieß am späten Mittwochabend Eric Maxim Choupo-Moting. "Es war ein verrücktes Spiel. Als ich eingewechselt wurde, habe ich mir gedacht: Wir können nicht verlieren, wir können nicht so nach Hause fahren", sagte der Held des Abends. 

Und auch wenn er es nicht aussprechen mochte: Es dürfte eine echte Genugtuung für ihn gewesen sein.

Der 31 Jahre alte PSG-Stürmer widerlegte mit einem einzigen Tor all jene, die in ihm nur eine Fehlbesetzung inmitten des Pariser Starensembles sahen. Sogar die französische Presse, die schon kübelweise Spott über den früheren Bundesligastürmer ergossen hatte, sah sich genötigt, Choupo-Moting zum Heroen zu deklarieren.

"Vergessen Sie das ganze Programm"

"Chapeau Moting! Neymars Dribbling, Mbappés Schritte, Icardis Effizienz... Vergessen Sie das ganze Programm, packen Sie Ihre Vorurteile ein, während wir unsere beiseite legen, der Held ist Choupo!", schrieb etwa die Sportzeitung L'Equipe.

Einer der wenigen, die Choupo-Motings Qualitäten zumindest erahnten, stand an diesem Abend an der Seitenlinie, humpelte mit einem dicken orthopädischen Schuh auf und ab und stieß schließlich ekstatische Jubelschreie aus, als sein Joker tatsächlich stach.

Jener Thomas Tuchel wusste, bei wem er sich für das erste Pariser Champions-League-Halbfinale seit 25 Jahren bedanken konnte. "Er ist außergewöhnlich, das habe ich schon immer gesagt", lobte der PSG-Trainer seinen Schützling, den er in der 79. Minute als letzten seiner fünf Wechsel ins Spiel schickte.

Seit Choupo-Moting vor gut zwei Jahren von Stoke City an die Seine wechselte, konnte er allerdings nur in Ansätzen beweisen, was Tuchel in ihm schlummern sah. Drei Tore in 31 Einsätzen verzeichnete der Angreifer in seiner ersten PSG-Saison, im zweiten Jahr gelangen ihm immerhin sechs Treffer in 18 Pflichtspielen.

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Dabei schien seine Karriere in jungen Jahren durchaus einen erfolgreichen Verlauf zu nehmen. Im Trikot des 1. FSV Mainz 05 und später auf Schalke lieferte Choupo-Moting zwischen 2012 und 2015 konstant zweistellige Torquoten ab. 

Fax-Panne verfolgt Choupo-Moting

Zu diesem Zeitpunkt verfolgten ihn aber schon die Nachwehen einer echten Realsatire. Am 31. Januar 2011, dem letzten Tag des damaligen Winter-Transferfensters, wollte der Hamburger SV den 22-Jährigen an den 1. FC Köln verkaufen. Weil aber das Fax-Gerät streikte, kam das Papier zwölf Minuten zu spät in der DFL-Zentrale an - und die fristgerechte Verpflichtung des Stürmers nicht zustande.  

Seinen Ruf hatte Choupo-Moting damit weg, auch wenn er nichts dafür konnte.

Verantwortlich war er dagegen für seine Leistungskurve, die mit den Jahren eher nach unten zeigte. Schon seine letzte Saison 2016/17 auf Schalke verlief äußerst unbefriedigend, als ihm lediglich drei Treffer in 30 Pflichtspielen gelangen. Da es bei Stoke City (5 Tore in 32 Spielen) nicht wirklich besser für ihn lief, kam der Wechsel nach Paris im Sommer 2018 umso überraschender.

Tuchel aber hatte sich offenbar an seine Mainzer Zeit mit Choupo-Moting erinnert, als der Stürmer noch ein Versprechen für eine torreiche Zukunft war. 

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Doch auch unter dem deutschen Trainer reüssierte der gebürtige Hamburger nur sporadisch. Einsätze bekam er vornehmlich in bedeutungsloseren Spielen, wenn die PSG-Stars Neymar, Edinson Cavani oder Kylian Mbappé eine Pause verordnet bekamen. 

Meunier huldigt seinen Ex-Mitspieler

In dieser Zeit verstärkte sich das öffentliche Bild vom mittelmäßig begabten und sogar tapsigen Angreifer. Unvergessen ist die Szene, als er im April 2019 beim 2:2 von PSG gegen Racing Straßburg einen sicher aufs Tor zurollenden Ball von Christopher Nkunku auf der gegnerischen Torlinie klärte und damit ein eigenes Tor verhinderte. 

L'Equipe nannte den Fauxpax den "schlimmsten Fehlschlag in der Geschichte" und war sich sicher, "dass dieses unglaubliche Missgeschick in die Geschichte eingeht".

Das alles war an diesem Mittwochabend vergessen, als der zum "Spielers des Spiels" gekürte Neymar die kleine Trophäe an Choupo-Moting weiterreichte. Thomas Meunier, der im Frühsommer von PSG zum BVB gewechselt war, montierte sogar in einem Tweet Choupo-Motings Namenszug auf den Eiffelturm.

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Es wäre die passende Kulisse für den Abschluss des kitschigen Films über die Rache eines unterschätzten Fußballers.