Lesedauer: 5 Minuten

München - Manuel Neuer begeistert im Champions-League-Finale einmal mehr. Bei SPORT1 erklären drei Torwart-Legenden sein Geheimnis - und ordnen seine Klasse ein.

Anzeige

Mehr als einmal tauchte Manuel Neuer auch im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain wieder in bester Handballtorwart-Manier ab.

Wann immer er gegen Neymar und Co. gebraucht wurde, war der Bayern-Keeper da - und hatte großen Anteil am Gewinn des Henkelpotts sowie am zweiten Münchner Triple nach 2013.

Anzeige

Kein Wunder, dass der 34-Jährige zum Spieler der Woche in der Königsklasse gewählt wurde. Eine Mini-Auszeichnung für Neuer, klar. Denn nach seiner hartnäckigen Fußverletzung, die ihn 2017/18 monatelang außer Gefecht setzte, ist er längst wieder in Topform - und es stellen sich viel größere Fragen.

Wo steht Neuer unter den besten Torhütern der Welt? Ist er aktuell die Nummer 1 - oder sogar noch mehr? Und was macht ihn eigentlich so besonders? SPORT1 hat sich ein echtes Expertenurteil geholt - und gleich drei ehemalige Weltklasse-Torhüter befragt.

Pfaff: "Neuer ist der beste Torwart der Welt"

"Neuer ist der beste Torwart der Welt!", stellt Jean-Marie Pfaff klipp und klar fest, im Finale sei der Bayern-Schlussmann "super-grandios" gewesen. Schon nach seinem Wechsel von Schalke nach München habe Neuer "vom ersten Tag an diese Winner-Mentalität ausgestrahlt, die die Bayern sehen wollen", schwärmt Pfaff, von 1982 bis 1988 selbst FCB-Keeper und langjähriger belgischer Nationaltorwart.

Meistgelesene Artikel
  • Fussball / Bundesliga
    1
    Fussball / Bundesliga
    BVB-Youngster überrollen Gladbach
  • Fussball / Bundesliga
    2
    Fussball / Bundesliga
    Haaland klärt Szene mit Sancho auf
  • Fussball / Bundesliga
    3
    Fussball / Bundesliga
    Schalke: Wagner muss jetzt liefern!
  • Fussball / Transfermarkt
    4
    Fussball / Transfermarkt
    Bale-Rückkehr nach Tottenham fix
  • Radsport / Tour de France
    5
    Radsport / Tour de France
    Tour-Drama um Roglic: "Habe geweint"

Ein deutscher Weltmeister vom 1990 will ihm da nicht widersprechen.

"Im Finale war er der Fels in der Brandung", lobt Bodo Illgner Neuers Auftritt im Endspiel von Lissabon - und erklärt damit auch dessen großes Erfolgsgeheimnis: "Diese innere Ruhe und Souveränität hebt Neuer auch über alle anderen Torhüter. Er hat zudem schon ein reifes Torwart-Alter, mit dem er seine ganzen Erfahrungen auch einbringen kann."

Triple-Jagd! Das Champions-League-Finale der Frauen mit dem VfL Wolfsburg - Sonntag ab 19 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1 und im Stream!

Weltmeister und Champions-League-Sieger Illgner schwärmt

Mit Ruhe und Erfahrung allein ist es jedoch nicht getan, auch Neuers Torwartspiel sucht seinesgleichen. Besonders einen Aspekt heben Pfaff und Illgner hervor, Stichwort: Handballtorwart.

"Sich furchtlos auf den Gegner zubewegen und sich groß machen, das ist schon toll, wie Neuer das macht", lobt Illgner, der einst beim 1. FC Köln und für Real Madrid das Tor hütete, mit den Königlichen 1998 und 2000 die Champions League gewann.

Toni Schumacher habe einst "diese aufrechte Position eingeführt mit dem Spagatschritt", erinnert Illgner, "daran habe ich mich auch orientiert".

Auch Pfaff schwärmt von Neuers Beinarbeit, "wenn er rauskommt wie ein Handballtorwart, vor dem Gegenspieler in die Knie geht, sich dennoch breit macht und sein Bein ausfährt. Er setzt seinen Körper perfekt ein!"

Neuer wisse genau, "wie die Stürmer auf ihn zukommen und das können nicht viele Torhüter. Das kann nur Manu. Er strahlt die totale Präsenz und Kraft aus."

Zweifel an Neuer nach Mittelfußbruch

Präsenz, Kraft und auch seine Beweglichkeit - all das ist umso bemerkenswerter mit Blick auf Neuers Mittelfußbruch, der ihn zwischenzeitlich die Karriere zu kosten drohte.

"Er ist wieder auf dem Niveau, das er vor der schweren Verletzung hatte", sagt ein merklich beeindruckter Uli Stein - und der ehemalige Torwart, der in der Bundesliga für den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt und Arminia Bielefeld zwischen den Pfosten stand, gibt zu: "Da hatte ich Zweifel, dass er zur alten Stärke zurückfindet, aber er hat es geschafft. Chapeau! Da muss ich Respekt zollen."

Genauso wie für Neuers Auftritt im Champions-League-Finale, der in Steins Augen vor allem aus einem Grund eine besondere Herausforderung darstellte.

"Er hat gegen PSG nicht viele Bälle halten müssen, aber bei den wenigen Chancen so da zu sein, und diese dann so zu meistern, das ist die große Stärke eines Weltklasse-Torhüters", lobt der inzwischen 65-Jährige.

DAZN gratis testen und die Champions League live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

"Neue Maßstäbe im Torwartspiel gesetzt"

Eine Stärke, die Neuer über die Jahre schon in so vielen Spielen eindrucksvoll bewiesen hat, dass man sie kaum noch alle aufzählen kann. Aber drei große Erfolge stechen heraus: die Champions-League-Titel 2013 und 2020 - und natürlich der WM-Triumph mit der deutschen Nationalmannschaft.

"Ich habe es nach der WM 2014 schon gesagt, dass er neue Maßstäbe im Torwartspiel gesetzt hat", meint Illgner rückblickend sogar anerkennend und führt aus: "Er ist so komplett als Torwart, so vielseitig und hat überall seine Stärken. Im Strafraum, im Eins-gegen-Eins, auf der Linie, und er hält viele Bälle fest. All diese Dinge, die ein Torwartspiel ausmachen."

All diese Dinge, die Manuel Neuer in ihrer Gesamtheit wohl nahezu einmalig machen.