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München - Die Taktik von Manchester City gegen Olympique Lyon lässt die City-Stars offenbar an ihrem Trainer zweifeln. Eine Aussage von Thomas Müller lässt tief blicken.

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Das Projekt Manchester City steht vor seiner größten Zerreißprobe seit Jahren.

Nach dem überraschenden Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Olympique Lyon steht Startrainer Pep Guardiola am Pranger, obwohl sein Berater einen Abgang zehn Monate vor Vertragsende am Montag ausschloss.

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Das englische Portal The Athletic hat nun enthüllt, dass die Trainer-Personalie durchaus für Zündstoff innerhalb der Mannschaft sorgt. Vor allem die Taktik und Personalauswahl gegen Lyon werfen demnach Fragen auf.

Nachdem City im gewohnten 4-3-3-System regelmäßig seine Gegner mit erdrückender Dominanz auseinandergespielt und auch im Achtelfinale Real Madrid bezwungen hatte, setzte Guardiola gegen Lyon auf ein 3-5-2-System. Der Trainer erklärte, dass sein Team die Dreierkette drei Tage lang im Training einstudiert habe, um die Schnelligkeit der OL-Angreifer zwischen Außen- und Innenverteidigung in den Griff zu bekommen.

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Dies gelang nicht, schon nach 35 Minuten hatte Lyon mehr Torschüsse und genau so viele Ecken wie City herausgespielt - City wackelte heftig. Laut The Athletic glaubte ein namentlich nicht genannter Spieler sogar, dass Guardiola das System bereits für das mögliche Halbfinale gegen den FC Bayern (bzw. FC Barcelona) einstudierte, um die offensive Wucht der Münchner einzudämmen.

Müller-Aussage lässt tief blicken

In der Vergangenheit galt die Flexibilität Guardiolas als eine seiner größten Stärken, immer wieder änderte er während des Spiels seine Taktik - auch gegen Lyon stellte er in der zweiten Halbzeit auf die gewohnte Viererkette um und überforderte dadurch seine Spieler. Ohne zusätzliche Absicherung kassierte City das zweite und dritte Gegentor und schied aus.

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"In K.o.-Spielen schenkt Pep seinen Gegnern und deren Stärken viel Beachtung", sagte im Februar Thomas Müller, der Guardiola in München drei Jahre lang kennengelernt hatte. "Er ist immer ein bisschen zerrissen zwischen extremer Aufmerksamkeit und Respekt vor den Stärken des Gegners - mehr noch als bei kleineren Teams - und dem Beibehalten seiner Überzeugungen und dem System, an das er glaubt. (…) Manchmal ist es nicht zu hundert Prozent klar, was wir tun."

Eine Aussage, die angesichts des Lyon-Debakels tief blicken lässt.

Allerdings setzte es das dritte Viertelfinal-Aus in Folge in der Königsklasse nicht nur wegen des Spielsystems, auch Guardiola stellte fest: "Die Taktik war nicht das Wichtigste."

Guardiola setzt Topstars auf die Bank

Der Katalane verzichtete gegen Lyon auch auf offensive Schlüsselspieler: Zu Beginn des Spiels saßen David Silva, Bernardo Silva, Riyad Mahrez und der hochgelobte Phil Foden auf der Bank - stattdessen erhielten defensiv starke Akteure wie Rodri, Fernandinho oder Eric Garcia das Startelfmandat.

Vor zwei Jahren setzte Guardiola beim Aus gegen Liverpool im Hinspiel (0:3) Raheem Sterling auf die Bank und bot Kevin De Bruyne im defensiven Mittelfeld auf. Vor einem Jahr verzichtete der Coach im Viertelfinal-Hinspiel gegen Tottenham (0:1) auf De Bruyne, Bernardo und Leroy Sané in der Startelf.

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Auch wenn jedes Spiel einzeln zu betrachten ist, sind Parallelen deutlich erkennbar. In diesem Jahr fühlt sich das Aus jedoch noch schlimmer an, weil auch national bis auf den League Cup kein Titel gewonnen wurde.

Die Stimmung nach dem Lyon-Spiel soll laut einem Beobachter "wie bei einer Beerdigung" gewesen sein, selbst am Tag danach wussten die Spieler nicht, wie sie mit der Niederlage umgehen sollten.

Zweifel an Guardiola wachsen

Mehrere Quellen sollen laut The Athletic der Überzeugung sein, dass das Vertrauen in Guardiola bei großen Spielen gesunken sei. Der Respekt vor dem letztjährigen Siebten der Ligue 1, den Guardiola durch seine Taktik ausdrückte, soll im Kader für Fassungslosigkeit gesorgt haben, die Spieler seien laut einer dem Klub nahestehenden Quelle am Boden zerstört und würden wachsende Zweifel an den Taktiken des Trainers haben.

Ein Insider glaubt nach dem dritten Viertelfinal-Aus in Folge bildhaft, dass "die Räder schon bald abfallen" könnten.

So weit ist es noch nicht, hinter den Kulissen blieb es nach dem Ausscheiden gegen Lyon ruhig. Kein Spieler würde es wagen, mit dem Finger auf Guardiola zu zeigen, die Verbindung zwischen Spielern und Trainern wird weiterhin als "stark" betrachtet.

Dennoch soll es zu Disharmonien zwischen Spielern und Trainer gekommen sein, seit die wichtige Bezugsperson Mikel Arteta nicht mehr Co-Trainer der "Citizens" ist und stattdessen den FC Arsenal trainiert.

Guardiola muss nicht um seinen Job fürchten

Ein Spielerberater fasst Vier-Augen-Gespräche zwischen Spielern und Trainer prägnant zusammen: "Wir sprechen 20 Minuten lang über meine Zweifel und entscheiden dann, dass ich recht habe." Das Zitat bestätigt Eindrücke aus der Vergangenheit - als beispielsweise der Brasilianer Dante beim FC Bayern Unzufriedenheit an seiner Reservistenrolle äußerte, antwortete Guardiola, er hätte gern "1000 Dantes".

Obwohl das Ziel der mächtigen Klub-Bosse aus Abu Dhabi seit Jahren der Titel in der Champions League ist, muss Guardiola wohl nicht um seinen Job fürchten. Bei ManCity ticken die Uhren anders, auch wenn Guardiola in das letzte Jahr seines Vertrags geht.

Mit Nathan Aké und Ferran Torres hat sich ManCity bereits für den nächsten Anlauf auf den Henkelpott verstärkt - es dürften nicht die letzten Neuzugänge sein.