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München - Der FC Bayern hat es im Halbfinale mit Lyon zu tun - und einem Trainer, der hierzulande bislang unter dem Radar blieb. SPORT1 stellt Olympique-Coach Rudi Garcia vor.

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Leipzig gegen PSG, Bayern gegen Lyon: Wer vor der Champions-League-Saison auf ein deutsch-französisches Halbfinale gewettet hätte, wäre heute wohl ein gemachter Mann. (Champions League: Halbfinale FC Bayern - Olympique Lyon ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Insgesamt dürfte die diesjährige Champions-League-Saison nicht nur wegen der Coronakrise als die kurioseste in die Geschichte der Königsklasse eingehen. 

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Von den Dominatoren der vergangenen Jahren findet sich keine Spur. Spanische und englische Teams fehlen ebenso wie die beiden Superstars Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Dafür stehen mit Hansi Flick (FC Bayern), Julian Nagelsmann (RB Leipzig) und Thomas Tuchel (Paris Saint-Germain) drei deutsche Trainer in der Vorschlussrunde.

Geht es nach Lyon-Coach Rudi Garcia, dann begegnen sich sogar vier deutsche Trainer im Halbfinale, wie er nach dem sensationellen 3:1-Sieg gegen Manchester City mit einem Schmunzeln erklärte.

Garcia nach Rudi Altig benannt

"Ich soll der einzige Trainer im Halbfinale sein, der kein Deutscher ist?", fragte der Coach von Olympique Lyon augenzwinkernd. "Mein Vater hat mir den Vornamen gegeben, weil er ein großer Fan vom früheren deutschen Radstars Rudi Altig war. Mein Name ist also ein bisschen deutsch, es stand schon geschrieben, dass ich heute Abend gewinnen sollte..."

Das Halbfinale des FC Bayern gegen Olympique Lyon in der Live-Analyse - der FANTALK u.a. mit Roman Weidenfeller und Mario Basler am Mittwoch ab 20.15 Uhr LIVE im TV & Stream bei SPORT1

In Deutschland blieb Garcia bislang allerdings unter dem Radar. Der 56-Jährige hatte als Spieler bei SM Caen und dem OSC Lille keine tiefen Spuren hinterlassen und kam während seiner aktiven Karriere nur auf 27 Erstligaspiele. 

Als Lille-Spieler erlebte Garcia auch die dunkelste Zeit seiner Karriere - allerdings nicht auf dem Spielfeld. Ein psychisch kranker Mann attackierte ihn im Kino mit einer Schere und hätte ihn beinahe das Leben gekostet.

Dass er neben dem Platz erfolgreicher sein würde als auf dem Spielfeld, zeichnete sich 2008 ab: Bereits in seinem ersten Jahr auf der Bank des OSC Lille führte Garcia den Klub in die Europa League. 2010/11 holte er mit dem nordfranzösischen Verein zunächst den nationalen Pokal und wenig später auch die Meisterschaft. 

"Garcia ist grundsätzlich einer der besten französischen Trainer und er hat es schon bewiesen", erklärt L'Équipe-Journalist David Fioux bei SPORT1: "Als er 2011 die Liga mit Lille gewann, spielte die Mannschaft überragend." 

Debakel mit Roma gegen die Bayern

In dieser Zeit förderte er den damals blutjungen Eden Hazard und gab dem heutigen Real-Star die nötige Spielzeit, um zu reifen. Der Belgier begeisterte zusammen mit seinen Offensivpartnern Gervinho, Yohan Cabaye und Pierre-Alain Frau die gesamte Liga, wodurch sich der OSC den Spitznamen "Barca des Nordens" verdiente.

Allerdings kassierte er in der Champions League auch eine bittere Pleite: In der Saison 2012/13 ging Lille mit 1:6 unter - beim FC Bayern.

2013 wagte sich Garcia aufs internationale Parkett und heuerte beim AS Rom an. Zwei Vize-Meisterschaften hinter Seriensieger Juventus Turin untermauerten seinen Ruf als Erfolgstrainer, allerdings musste er im Januar 2016 seinen Platz auf der Roma-Bank räumen, nachdem ihm aus den letzten 13 Spielen nur ein Sieg gelang.

Seine größte Schmach erlebte Garcia in der Zeit als Rom-Trainer ausgerechnet gegen die Bayern, als die Italiener in der Gruppenphase der Champions League 1:7 im Olympiastadion untergingen.

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"Wir haben Bayern spielen lassen, das ist nicht die Schuld der Spieler, sondern der Taktik", gab er damals reumütig zu: "Ich bin der Erste, der heute Abend Fehler gemacht hat." Den Bayern-Makel wurde Garcia nie ganz los - zumal er mit der Roma nie am Thron von Juve rütteln konnte.

Auf seiner folgenden Station bei Olympique Marseille führte er den Traditionsklub drei Mal in die Europa League und erreichte 2018 sogar das Finale, das er jedoch 0:3 gegen Atlético Madrid verlor. Insgesamt war es zu wenig für die Ansprüche des früheren Champions-League-Siegers.

Bei Marseille hinter den Erwartungen

Fioux erklärt: "Bei Marseille hat er es nie geschafft, die Mannschaft in die Champions League zu bringen, er konnte weder Spieler noch Fans überzeugen, den Klub weiterzuentwickeln."  

Als Garcia am 14. Oktober 2019 das Kommando bei Olympique Lyon übernahm, wurde er nicht gerade mit Begeisterung empfangen - zumal er sich als Marseille-Trainer einige Male kritisch gegenüber Lyon geäußert hatte. "Nach seiner Rede über die Lyon-Spieler vor ein paar Monaten ist es komisch, dass er nach Lyon wollte. Ich will kein Detail preisgeben, aber ich möchte nicht, dass er so von uns spricht", verriet OM-Star Dimitri Payet.   

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Mit den Leistungen seines Teams auf dem Platz konnte der Coach seinen ramponierten Ruf zunächst nicht geraderücken und verpasste mit Lyon die Teilnahme an den internationalen Wettbewerben.

"Die Champions League zeigt aber, dass er diesen Trend umkehren konnte", sagt Fioux und ergänzt: "Die Spieler haben sein Spielsystem mit einer Dreierkette gut verstanden, zudem hat er richtige Entscheidungen getroffen: Depay als Kapitän zu installieren, Dembélé als Joker zu bringen, und Caqueret als Stammspieler einzusetzen."

In Lyon ist Garcia drauf und dran, seinen Ruf ordentlich aufzupolieren. Und spätestens wenn Garcia am Mittwoch gegen die Bayern gewinnen sollte, wäre der "deutsche" Rudi Garcia auch hierzulande ein Begriff.