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Lissabon - Alphonso Davies kam als Nobody zum FC Bayern und hat sich in Windeseile zum Stammspieler entwickelt. Aber auch zu einem Marketing-Instrument mit unschätzbarem Wert.

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Nicht nur auf dem Platz sorgt Alphonso Davies mit Top-Leistungen für Furore, sondern auch außerhalb davon.

Der 19-jährige Kanadier hat sich als Linksverteidiger des FC Bayern in kurzer Zeit weltweit einen Namen gemacht. 2018 lotste ihn Sportvorstand Hasan Salihamidzic in Zusammenarbeit mit Chefscout Marco Neppe aus Vancouver nach München. Davies' Preis, der seinerzeit für Staunen sorgte: Bis zu 18 Millionen Euro.

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In der laufenden Spielzeit kommt er bereits auf 44 Pflichtspieleinsätze (3 Tore/10 Assists). Allein in der Königsklasse hat er in dieser Saison schon vier Tore vorbereitet.

Folgerichtig haben die Bayern in diesem Jahr den Davies-Vertrag bis 2025 verlängert. Am Mittwoch steht der kanadische Nationalspieler erneut auf großer Bühne. Im Champions League-Halbfinale treffen Münchner auf Olympique Lyon. (Champions League: Olympique Lyon - FC Bayern München, Mittwoch 21 Uhr im LIVETICKER)

Das SPORT1-Interview mit Jörg Wacker, Bayern-Vorstand für Internationalisierung und Strategie, über die Folgen der rasanten Davies-Entwicklung.

SPORT1: Herr Wacker, Trikotverkäufe sind oft Gradmesser für die Popularität eines Spielers. Wo reiht sich Alphonso Davies im internen Bayern-Vergleich ein?

Jörg Wacker: Über genaue Zahlen sprechen wir nicht. Aber ich kann sagen, dass Alphonso Davies in seinem ersten Jahr beim FC Bayern im Ranking der Trikotverkäufe auf Platz 18 lag. Jetzt ist er nach seinen tollen Auftritten unter den Top Drei dieser Rangliste. Er hat sich zu einem absoluten Publikumsliebling entwickelt - unsere Fans lieben ihn.

Das Halbfinale des FC Bayern gegen Olympique Lyon in der Live-Analyse - der FANTALK u.a. mit Roman Weidenfeller und Mario Basler am Mittwoch ab 20.15 Uhr LIVE im TV & Stream bei SPORT1

SPORT1: Lässt sich der Markenwert von Davies beziffern?

Wacker: Es ist schwierig, seinen Markenwert genau zu beziffern. Neben seinem rein theoretischen Wert am Transfermarkt hat Alphonso für uns einen riesigen Wert als Markenbotschafter. Er hat eine ungeheure Beliebtheit in Nordamerika, insbesondere natürlich in Kanada. Zudem kommt er durch sein Alter, seine sympathische, offene Art und durch seine Auftritte auf seinen Social-Media-Plattformen bei der sehr jungen Zielgruppe ungeheuer gut an. Meines Erachtens ist er unbezahlbar.

SPORT1: Inwiefern ist seine Entwicklung aus Marketing-Gesichtspunkten spürbar?

Wacker: In den vergangenen zwei Monaten ist die Zahl seiner Instagram-Follower um über eine Million auf 1,7 Millionen angewachsen. Allein nach dem Spiel gegen Barcelona sind innerhalb von 48 Stunden 400.000 Follower hinzugekommen. Seine durchschnittliche Engagement-Rate liegt bei unglaublichen 16 Prozent. Der Durchschnitt beträgt zwei bis vier Prozent! Vor allem in den USA und Kanada sind die Anfragen deutlich gestiegen. Wir setzen ihn bei den Medien und unseren Partnern nun gezielt ein. Seine Beliebtheit ist natürlich bei der Vermarktung sehr hilfreich.

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SPORT1: Generiert der FC Bayern mehr Sponsoring-Einnahmen durch die Vermarkung mit Davies? Ein Nobody ist er ja nicht mehr.

Wacker: Alphonso ist im Winter 2019 zu uns gekommen. Jetzt haben wir August 2020. Seine Entwicklung ist rasant und er ist in kürzester Zeit zu einem Weltklassespieler gereift. In der Saison 19/20 wurde er in der Bundesliga zum "Rookie of the Year" gewählt. Marcelo von Real Madrid, einer der besten Linksverteidiger der letzten Jahre, hat nach dem Spiel gegen Barcelona folgenden Post veröffentlicht: 'Dir zuzuschauen, wie Du Fußball spielst, macht mir sehr viel Freude, Junge'. Das kommt einem Ritterschlag gleich. Er wird natürlich bei der Vermarktung in den USA sehr hilfreich sein. Aber nicht nur dort – auch in den anderen Märkten und vor allem in Deutschland ist er für uns enorm wichtig.

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SPORT1: Laut transfermarkt.de ist Davies 60 Millionen Euro wert. Hängt der Marktwert eines Spielers mit dem Vermarktungspotential eines Spielers zusammen?

Wacker: Ich weiß nicht, wie transfermarkt.de die Zahlen errechnet. Ich nehme an, diese Summe bezieht sich allein auf einen möglichen Transfererlös. Aber auch diese Zahl kann natürlich nur eine Annahme, eine Schätzung sein. Ich denke, hier sind zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten nicht integriert.

SPORT1: Takashi Usami wurde aus Japan geholt. Sarpreet Singh aus Australien. James Rodríguez und Philippe Coutinho sind weltweit bekannt. Werden beim FC Bayern Spieler auch geholt, um neue Märkte zu erschließen?

Wacker: Beim FC Bayern werden die Spieler einzig und allein danach ausgewählt, ob sie die Mannschaft verstärken. Wenn sie uns dann zusätzlich noch bei der Vermarktung in Ihrem jeweiligen Herkunftsland - wie James in Kolumbien, Coutinho in Brasilien oder eben Davies in Nordamerika - helfen können, ist das ein schöner Nebeneffekt.