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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge ist vor dem Finalturnier der Champions League schon begeistert und denkt an Reformen. Ein Fehler muss aber vermieden werden.

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Vor knapp drei Jahren hat Karl-Heinz Rummenigge seinen Posten als Vorsitzender der mächtigen Klub-Vereinigung ECA aufgegeben.

Seitdem ist der Vorstandsboss des FC Bayern "nur" noch Ehrenvorsitzender, wenn er öffentlich Gedanken zu einer Reform der Champions League äußert, ist der Nachhall seiner Sätze aber immer noch sehr laut.

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Das aus der Not geborene Finalturnier der Königsklasse lobte Rummenigge schon vor dem ersten Spiel in Lissabon als vollen Erfolg und blendende Idee. Eine Idee, die auch Basis für die Neuausrichtung der Champions League ab 2024 werden könnte?

Der Viertelfinal-Kracher des FC Bayern gegen Barca in der Live-Analyse am Freitag ab 20.15 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 – erstmals aus dem Fußballmuseum in Dortmund

Rummenigge hat mit Kritik recht

Zunächst einmal hat Rummenigge recht, wenn er sagt, dass die Gruppenphase der Eliteliga einen Teil ihres Reizes verloren hat. Viele Entscheidungen fallen tatsächlich schon nach dem vierten oder fünften von sechs Spieltagen.

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Es ist eine Entwcklung, an der die Klubs selbst mit schuld sind. Um die Vermarktungseinnahmen zu erhöhen, wurde einst die Gruppenphase mit möglichst vielen Spielen eingeführt. Da Bayern und andere europäische Schwergewichte ihren finanziellen und sportlichen Vorsprung als Dauer-Teilnehmer immer weiter ausbauen konnten, werden die Qualitätsunterschiede immer größer.

K.o.-Modus gibt Champions League ganz neue Würze

Ein K.-o.-Modus wie jetzt in Lissabon gibt dem Wettbewerb da tatsächlich eine ganz neue Würze. In einem Spiel kann es immer mal zur Sensation kommen, es kommt Pokal- bzw. Turnier-Feeling auf. Klasse statt Masse lautet das Motto. Vielleicht will Rummenigge, den nahenden Abgang als Bayern-Boss am Horizont in Sicht, die Uhr ein bisschen zurückdrehen. Im Zuge der Corona-Pandemie gab es aus der Branche viele Aussagen, dass der Fußball sich wieder verändern müsse.

Der Ansatz ist also richtig. Doch wie ließe sich das auch in eine "normale" Champions-League-Saison, die nicht unter dem Einfluss einer Pandemie steht, übertragen?

Rummenigge begründet seine Begeisterung für das Finalturnier damit, dass es für die Fans mehr Spannung liefere. Beim Versuch, ein ähnliches Format vielleicht auch zum Teil einer Champions-League-Reform zu machen, dürfen Rummenigge und seine Mitstreiter einen ganz zentralen Fehler aber nicht machen.

Schreckgespenst einer Superliga

Denn der Ruf nach "Klasse statt Masse" lässt bei vielen Beobachtern die Alarmglocken läuten. Der Verdacht, dass die Großen gerne unter sich bleiben wollen, liegt nahe. Das Schreckgespenst einer abgeschlossenen "Superliga" geht herum.

Rummenigges Nachfolger als ECA-Vorsitzender - Juve-Boss Andrea Agnelli - hat schon darüber fabuliert, mit welcher Berechtigung das sportlich qualifizierte Team von Atalanta Bergamo in der Champions League spielen dürfe, die ungleich renommiertere AS Rom aber nicht.

Atalanta spielt in Lissabon übrigens mit, Agnellis hochgerüsteter Juve-Kader nicht. Auch diese Underdog-Geschichten sind es, die den Fans Freude bereiten, nicht nur die Gigantenduelle zwischen Bayern und Barca. Jede Reform muss deshalb sicherstellen, dass die Durchlässigkeit für Überraschungsmannschaften wie Atalanta oder im Vorjahr Ajax Amsterdam weiterhin gegeben ist.

Wenn es gelingt, das zu gewährleisten und gleichzeitig die finanziellen Interessen der Klubs nicht zu gefährden, kann das Finalturnier wirklich ein Modell für die Zukunft werden.