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München - Paris Saint-Germain hat im Finale der Champions League die Chance, das Ziel der katarischen Investoren zu erreichen. Thomas Tuchel spielt eine entscheidende Rolle.

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Am Dienstagabend grinste der sonst so penibel auf sein seriöses Auftreten bedachte PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi wie ein kleiner Junge an Weihnachten, der unter den verpackten Geschenken bereits seinen großen Wunsch entdeckt hat.

Mit 3:0 hatte Paris Saint-Germain im Halbfinale gegen RB Leipzig in Lissabon triumphiert und dadurch den Einzug in das Finale der Champions League klargemacht, in dem der FC Bayern wartet. Zum ersten Mal in der knapp über 50 Jahre langen Vereinsgeschichte. (Champions League: Paris Saint-Germain – FC Bayern München am Sonntag ab 21 Uhr im LIVETICKER)

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"Neymar und Kylian Mbappé gehören zu den besten Spielern der Welt, aber das ganze Team hat heute großartig gespielt", schwärmte der euphorische Al-Khelaifi am Mikrofon von RMC Sport und ließ auch noch eine gewagte Behauptung folgen: "Wenngleich Ney schon extrem gut war, er hat das Team in den vergangenen Monaten verändert. Kylian und Neymar werden ihr ganzes Leben lang hier bleiben."

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Neymar und Mbappé sind die Aushängeschilder und Trophäen, die sich PSG seit dem Einstieg des Präsidenten besorgt hat. 2011 wurde der Klub von Qatar Sports Investments, Tochterfirma des staatlichen Investmentfonds von Katar, aufgekauft. Deren Boss ist eben jener Al-Khelaifi, der den bis dato oftmals grauen Hauptstadtklub mittlerweile zu einer internationalen Marke aufpumpt hat.

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Das große Ziel heißt Henkelpott

Begonnen hat der katarische Investmentfond sein Engagement aber nicht nur, um Superstars anzulocken und damit Glanz in die französische Metropole zu bringen. Das große Ziel von Al-Khelaifi und Co. war von Anfang an klar: der Henkelpott, den ein Klub für den Sieg der Champions League erhält. 

Für PSG ist dieses Ziel nun erstmals in greifbarer Nähe. In Katar scheint die Euphorie daher riesig. "Die Welt wird stillstehen", prophezeite Qatar Airways auf Twitter für das Finale, das in Katar nur einen Namen kennt: "Qlassico".

Der Grund dafür ist nicht nur das Engagement der Kataris bei PSG, sondern auch Finalgegner FC Bayern. Auch der deutsche Rekordmeister wird von Qatar Airways gesponsert - wenn auch bei weitem nicht in dem Umfang wie PSG. Im Winter schlagen die Münchner regelmäßig ihr Quartier zum Trainingslager im Golfstaat auf. 

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Die Verstrickungen mit Katar bringen beiden Klubs immer wieder Kritik ein. Die katarische Erbmonarchie duldet keine unabhängigen Medien und soll für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sein. Die Investitionen in den Sport nutzt das Land, um sein Image aufzupolieren.

Dieses so genannte "Sportwashing" erlebt durch den Finaleinzug von PSG nun seinen Höhepunkt, am Sonntag soll dann das Projekt Paris Saint-Germain sein größtes Ziel erreichen. 

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Tuchels Anteil am Projekt PSG

Dass PSG nach dem Henkelpott greift, ist zu großen Teilen Thomas Tuchel zu verdanken. Der deutsche Trainer hat in seiner zweiten Saison geschafft, was zuvor fünf Coaches, die Al-Khelaifi ernannte - nicht vollbringen konnten: Er formte aus dem Starensemble eine Einheit.

"Die Spieler stehen absolut hinter ihm. Er ist ein großer Trainer, an den wir glauben und natürlich spielen wir morgen auch für ihn", lobte Mbappé am Freitag auf der Pressekonferenz.

Um sich französischer Serienmeister nennen zu können, reichen dem Klub längst die Einzelspieler, in der Königsklasse war PSG aber regelmäßig gescheitert. Zunächst war für PSG viermal in Folge im Viertelfinale Schluss gewesen, zuletzt dreimal in Serie im Achtelfinale.

Doch nun haben sich die beiden Superstars der Mannschaft geöffnet, wie Mbappé zuletzt offen verraten hatte: "Wir sind nicht mehr nur auf uns zwei fokussiert."

Dieses Verhalten habe "die Mannschaft auf dem Platz zusammengeschweißt", glaubt Mbappé: "Wenn wir uns alle gut verstehen, dann sind die Chancen besser, Erfolg zu haben."

Tuchel, der auch immer wieder Meinungsverschiedenheiten in seinen Beziehungen mit Neymar und Mbappé hatte, sieht das ähnlich. "Man könnte uns unterstellen, wir definieren uns nur über die Einzelqualität", sagte der 46-Jährige nach dem Finaleinzug - nur um hinterherzuschieben: "Aber das ist eben nicht so. Es ist schön, dass wir die Verbissenheit jetzt zeigen. Das ist der Hammer."

Der Hunger nach Erfolg als entscheidende Stärke

Neben der Verbissenheit zeichnet Tuchels Mannschaft auch der Hunger auf Erfolg aus. Gegen Leipzig ließ der deutsche Coach sechs Spieler auflaufen, die seit drei oder mehr Jahren in Paris spielen und sich voll und ganz dem übergeordneten Ziel verschrieben haben. 

Dieser Hunger ist auf dem Platz an dem Einsatz der Spieler zu sehen, wurde aber auch neben dem Rasen deutlich. Mbappé habe nach eigenen Aussagen beispielsweise "die ganze Nacht durchgeweint", als er sich Ende Juli eine Bänderdehnung im Sprunggelenk zugezogen hatte und das Final-Turnier zu verpassen drohte. So viel Leidenschaft war in den letzten Jahren bei dem Klub nicht zu erkennen gewesen.

Im Finale am Sonntag wird PSG Mbappé und Neymar in Bestform brauchen, genau wie die restliche Mannschaft. Gegen den so beeindruckend aufspielenden FC Bayern ist das Team von Tuchel der vermeintliche Außenseiter, allerdings erweckt der neue Zusammenhalt den Anschein, dass das große Ziel erreicht werden kann.

Für die PSG-Fans würde ein Traum in Erfüllung gehen, wenn Kapitän Thiago Silva den Henkelpott am Sonntag in den Nachthimmel von Lissabon heben würde. Und auch in Katar wäre der Jubel bei einem solchen Ausgang des "Qlassico" wohl groß - denn das Projekt Paris Saint-Germain wäre dann endlich der erhoffte Erfolg.