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München - Juan Bernat ist ein wichtiger Bestandteil von Paris Saint-Germain. Beim Wiedersehen mit dem FC Bayern München im Champions-League-Finale kann er persönliche Rache nehmen.

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Der Champions-League-Titel dürfte an diesem Abend nicht sein einziges Ziel sein. (Champions League: Paris Saint-Germain - FC Bayern München am Sonntag ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Für Juan Bernat ist das Finale am Sonntag im Estádio da Luz ein ganz besonderes. Nicht nur, dass es sein erstes Endspiel in der Königsklasse ist, es kommt außerdem zu einem ganz besonderen Wiedersehen. Paris Saint-Germain trifft mit dem FC Bayern München auf den Klub, den der 27 Jahre alte Spanier vor zwei Jahren verließ – unschöne Nebengeräusche inklusive.

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An der Säbener Straße hatte Bernat vier Jahre verbracht, 2014 wurde er von Pep Guardiola für zehn Millionen Euro vom FC Valencia losgeeist, galt als eines der größten Talente auf seiner Position.

Doch überzeugen konnte der Linksverteidiger nur in seiner Debütsaison in München, was sich auch in der Zahl seiner Einsätze widerspiegelt: 49 seiner insgesamt 113 Pflichtspiele für den deutschen Rekordmeister absolvierte der 1,70 Meter große Defensivspieler in der Saison 2014/15.

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Hoeneß knöpfte sich Bernat vor

Mit zunehmender Dauer wurde es für Bernat immer schwieriger, sich in München durchzusetzen, zumal der Platz des Linksverteidigers für Platzhirsch David Alaba reserviert war. 2018, nach vier Meisterschaften und einem Sieg im DFB-Pokal, verließ Bernat die Bayern – und das wohl nicht ganz freiwillig.

Er wechselte zu PSG, laut Sport Bild zahlten die Franzosen sogar nur fünf Millionen Euro. Den Grund für die niedrige Ablöse erklärte der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß im Oktober 2018 in einer legendären Pressekonferenz. Diese wurde nicht nur zu einem Rundumschlag gegen die Medienlandschaft, auch Bernat persönlich bekam sein Fett weg.

Hoeneß knöpfte sich den Spanier vor. Dieser habe in der Königsklasse gegen den FC Sevilla einen "Scheißdreck" gespielt und sei alleine dafür verantwortlich gewesen, dass die Bayern fast aus dem Wettbewerb ausgeschieden seien. Danach sei entschieden worden, Bernat zu verkaufen.

Worte, für die sich Hoeneß wenige Wochen später öffentlich entschuldigte: "Es hat mir sehr leidgetan, Juan Bernat beleidigt zu haben, seine Spielweise in einem Spiel. Das würde ich so nicht mehr machen."

Paris-Wechsel ein Glücksgriff

Bernat ließen diese Aussagen zumindest nach außen hin kalt. "Ja, ich habe davon gehört, aber ich habe darüber nichts zu sagen. Mir wurde schon als Kind beigebracht, dankbar zu sein", sagte er wenige Wochen später, angesprochen auf die Kritik. Er sei dankbar für vier wundervolle Jahre in München.

Dankbar dürfte er im Nachhinein auch für die niedrige Ablöse sein. Denn so wurde er für das Pariser Starensemble ein echtes Schnäppchen. Und für Bernat selbst war der Wechsel zum Team von Thomas Tuchel die absolut richtige Entscheidung. Er avancierte sofort zum Leistungsträger.

Tuchel und Ancelotti loben Bernat

Sonderlob gab es Ende 2019 sogar von einem ehemaligen Bayern-Trainer. "Er ist derzeit einer der besten Linksverteidiger in Europa. Er ist wirklich sehr gut am Ball, technisch fantastisch. Und ohne Ball ist er sehr intelligent in seinen Bewegungen und was seine Positionierung anbelangt", erklärte Carlo Ancelotti L‘Équipe. Der Italiener bedauerte es, ihn während seiner Zeit in München nicht häufiger eingesetzt zu haben.

Bei PSG spielt Bernat dagegen fast immer. In der aktuellen CL-Saison stand er nur beim 1:2 im Achtelfinalhinspiel beim BVB nicht im Kader, sonst immer in der Startelf. Und mit seinen beiden Treffern gegen Dortmund und zuletzt per Kopf gegen RB Leipzig hat Bernat einen großen Anteil am Erreichen des ersten Champions-League-Finales der Pariser überhaupt.

Der dribbelstarke Linksverteidiger ist mit seinen Vorstößen eine zusätzliche Waffe für Tuchel und unterstützt so das Dreigestirn um Neymar und Kylian Mbappé. Er sei "ein sehr wichtiger Spieler für uns", lobte Tuchel seinen Schützling. Bernat verfüge über eine "tolle Einstellung und eine große Mentalität". 

Diese kann Bernat gegen die Bayern abermals unter Beweis stellen. Der Titel in der Königsklasse wäre nicht nur sein bisheriges Karrierehighlight, es wäre auch die ganz persönliche Rache an Hoeneß. Auch wenn er dieses Ziel wohl nie öffentlich zugeben würde.