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Bayerns Gala bei Chelsea schließt ein historisches Auftreten der Bundesliga-Klubs in Europa ab. Momentaufnahme oder großes Comeback? Der SPORT1-Kommentar.

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Der FC Bayern hat beim 3:0 in London beim FC Chelsea mächtig beeindruckt. In der vergangenen Woche gewannen auch RB Leipzig und Borussia Dortmund in der Champions League sowie Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg in der Europa League ihre Spiele. So etwas gab es seit 27 Jahren nicht mehr.

Zum Vergleich: Im Vorjahr schaffte es kein deutscher Klub ins Viertelfinale der Königsklasse. Einzig Frankfurt sorgte bis ins Halbfinale der Europa League für internationalen Zauber.

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Wie ist der aktuelle Erfolgsrausch zu bewerten? Ist es nur eine Momentaufnahme? Oder feiert die Bundesliga ihr großes Comeback auf Europas Bühne?

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Dass die Bayern von ihrer eigenen Leistung und dem Ergebnis im Achtelfinal-Hinspiel schwärmen, ist legitim.

Festzuhalten bleibt aber auch: Chelsea ist nicht der internationale Gradmesser. Zwar gewann die Mannschaft im Vorjahr die Europa League, aber das ist - um es mit den Worten von Franz Beckenbauer zu sagen - schließlich nicht mehr als der "Cup der Verlierer". Zudem sind die Blues, die in der Premier League als Vierter 35 Punkte Rückstand (!) auf den FC Liverpool haben, gebeutelt durch Transfersperre und Verletzungen.

Ähnlich verhält es sich mit den Gegnern von Leipzig und Dortmund. Für RB kommt Tottenham, geschwächt durch die Verletzungen der beiden Leistungsträger Harry Kane und Heung-Min Son, zur rechten Zeit. Und der BVB muss nach dem 2:1-Sieg im Hinspiel gegen ein nicht gerade homogen und lustvoll wirkendes PSG ebenso um das Weiterkommen zittern wie Leverkusen und Wolfsburg in der Europa League.

Der historische Sechsfacherfolg der deutschen Klubs ist deshalb auch trügerisch.

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Wenn Thomas Müller im Brustton eines neu gewonnenen Selbstbewusstseins feststellt, dass mit den Bayern "wieder zu rechnen" sei, hat er dennoch zweifelsfrei recht. Was auch daran liegt, dass Europas Schwergewichte aus unterschiedlichen Gründen angeschlagen wirken. Real Madrid, der FC Barcelona, Juventus, PSG - sie alle lassen Souveränität vermissen. Und selbst der in der Liga völlig dominante Titelverteidiger Liverpool wankt nach dem 0:1 bei Atlético Madrid mächtig.

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Auf der anderen Seite müssen sich die Bundesliga-Vertreter für die offensichtlichen Probleme der internationalen Konkurrenten nicht entschuldigen und können sehr wohl eigene Stärken in die Waagschale werfen.

Die Bayern treten unter Trainer Hansi Flick definitiv gefestigter auf. Die Leipziger, die im Vorjahr beim Scheitern in der Gruppenphase noch Lehrgeld zahlten, haben unter Julian Nagelsmann den nächsten Entwicklungsschritt gemacht. Und dass der BVB zu magischen Momenten fähig ist, überrascht nicht - er muss diese Leistungen aber eben konstant abrufen.

Noch ist nicht abzusehen, wie weit und wohin die Reise der deutschen Klubs führt. Von einem deutschen Finale wie 2013 in Wembley zwischen Bayern und Dortmund zu träumen, ist sicher zu früh. Es scheint aber, dass der in diesem Jahr so spannende Kampf um die deutsche Meisterschaft eher ein Zeichen für die neue Stärke als für eine Schwäche der Bundesliga ist.